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Viren aus dem Toaster: Cyber-Angriffe sind Alltag
BSI-Chef Arne Schönbohm (links) und Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Foto: dpa
IT-Sicherheit

Viren aus dem Toaster: Cyber-Angriffe sind Alltag

Bundesinnenminister Thomas de Maizière wirft den Herstellern vernetzter Geräte Nachlässigkeit vor. Er fordert mehr Aufklärung für Verbraucher.

09.11.2017
  • STEFAN KEGEL

Berlin. Das Bild, das Arne Schönbohm malt, ist düster. Pro Tag setzen Kriminelle und Hacker weltweit 280 000 Varianten von Computerviren in die Welt. 600 Millionen davon gibt es bereits. „Die Gefährdungslage ist weiterhin auf sehr hohem Niveau“, erklärt der Chef des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bei der Vorstellung seines Jahresberichts.

Opfer solcher „Angriffe industriellen Ausmaßes“ seien zunehmend systemrelevante Bereiche, wie Staat und Verwaltung, Energie- und Wasserversorgung, die Telekommunikation sowie das Gesundheitswesen, die sogenannte „kritische Infrastruktur“, heißt es im Bericht. Für sie gelten besondere Schutzvorgaben und Meldepflichten.

Allein das Computernetz der Bundesregierung werde pro Monat mehrere zehntausend Mal angegriffen. Darüber hinaus wurden im November 2016 etwa 900 000 Internet-Router von Telekom-Kunden befallen, die von Cyber-Kriminellen zu einem Botnet zusammengeschlossen werden sollten. Mit der Zusammenschaltung solcher gekaperter Geräte können Firmen oder ganze Städte lahmgelegt werden.

Erpressung im Trend

Botnets werden immer gefährlicher, schon durch die anwachsende Zahl von Geräten, die mit dem Internet verbunden sind – von Lautsprechern bis zu Toastern. Diese können als Einfallstore wie auch als Virenschleudern genutzt werden.

Dass diese Schädlinge wirksam werden können, ist nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor allem auf zwei Dinge zurückzuführen: die Sorglosigkeit vieler Nutzer und Versäumnisse der Software-Hersteller. „Neue IT-Produkte werden immer noch zu selten nach den Prinzipien der IT-Sicherheit konzipiert, sondern nur nach Unterhaltungswert oder Nutzerfreundlichkeit.“ Das zeigt der Bericht: Bei den am weitesten verbreiteten zehn Software-Produkten – von Adobe Flash über Apples OS X bis zu Microsoft Windows – wurden im zurückliegenden Jahr 1000 Sicherheitslücken entdeckt. Zudem seien die Hersteller zu nachlässig bei der Bereitstellung von Sicherheitsupdates ihrer Software.

Als größte Gefahr sieht Schönbohm Erpressersoftware wie „WannaCry“, die Computer verschlüsselt und erst gegen Zahlung von Lösegeld wieder zugänglich zu machen verspricht. Gleichwohl ist es schwierig, Hersteller für Softwarelücken zur Verantwortung zu ziehen. Er halte es für „sinnvoll, solche Haftungsfragen europäisch zu regeln“, gab de Maizière der künftigen Bundesregierung auf den Weg. Zudem müssten auch kleinere Einheiten, wie Krankenhäuser, als kritische Infrastruktur eingeordnet werden. Mit gesetzlichen Regelungen will sich der Minister ansonsten zurückhalten und setzt eher auf Aufklärung. Stefan Kegel

Leitartikel

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09.11.2017, 06:00 Uhr
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