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Erst latschen, dann tanzen

Viel Zulauf bei der Mayday-Parade

Quietschvergnügt gegen den Kapitalismus: Rund 700 tanzende Demonstranten zogen am Freitag bei der Mayday-Parade durch Tübingen.

03.05.2010
  • Fabian Ziehe

Tübingen. Skurril die Szene vor dem „Museum“: Derweil auf der Wilhelmstraße der Zug zur Uni strömte, standen am Rand junge Leute in Abendrobe, herausgeputzt für einen Ball. Sie jubelten dem Marsch zu, der den Applaus amüsiert erwiderte. „Alle mitkommen“, rief einer aus dem Parade. Doch zuletzt tanzte jeder für sich: Die Mayday-Leute für eine bessere Welt, die in Abendrobe schlicht hinein in den Mai.

Viel Zulauf bei der Mayday-Parade
Mit stummem Protest und Flugblättern empfing das Bündnis gegen Abschiebehaft die tanzende Mayday-Parade vor dem Tübinger Kornhaus. Bild: Faden

Die vierte Parade von Linken, Öko-Aktivisten und Kapitalismuskritikern startete am Holzmarkt. Trotz Nieselregens füllte sich am Abend der Platz vor der Stiftskirche zusehends. Doch der Aufbruch verzögerte sich: „Wir haben Technik-Probleme“, sagte Mitorganisator Tobias Kaphegyi. Bei dem DJ-Wagen flogen wiederholt die Sicherungen raus. Dann fing sich die Anlage halbwegs.

Es waren rund 500 Demonstranten, die loszogen. Der Tross war weniger bunt gekleidet als sonst, es war frisch und regnerisch. Am DJ-Wagen prangte das Motto: „Vergiss die Märchen vom Kapitalismus“. Das griff das Banner an dem zweiten Gefährt auf: „Kapitalismus wegflexen“ stand dort, passend zum Roboter mit Kreissägen als Armen auf der Ladefläche. Plakate klagten über „reinen Schawansinn“, titulierten Tübingen als „Tierversuchsstadt“ und forderten „Sexbomben auf den Reichstag“.

Gut 20 Polizisten begleiteten den bald auf 700 Leute angewachsenen friedlichen Zug. Nicht immer hielten sich die Teilnehmer an die Absprachen: Der AK Bildungsstreik sollte vor der Neuen Aula sprechen. Doch die Menge blieb auf der Wilhelmstraße, trotz Mahnung des Tübinger Chefs der Abteilung Ordnung, Rainer Kaltenmark. „Whose streets? Our streets!“, skandierte der Pulk.

Obwohl der Zug die mit Bändern markierten Bildungshürden in der Gmelinstraße im Spurt nahm, wurde erst ab der Kelter aus der Latsch- eine Tanzdemo: Die Sicherungen hielten, die Altstadthäuser boten Resonanzraum. Stumm demonstrierten Aktivisten des Bündnis’ gegen Abschiebehaft in Lackieranzügen gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung. Zurück auf dem Holzmarkt sang der Ernst-Bloch-Chor. Für Grinsen sorgte das „neoliberale Glaubensbekenntnis“.

Attac lud zum kapitalismuskritischen Brettspiel, vor der Commerzbank in der Karlstraße prangerten Demonstranten das Gebahren des Finanzhauses an – in Uniform und mit qualmendem Kanonenrohr. Vor „Kaufland“ zeigte die Grüne Jugend einen Sketch zur Situation von Verkäuferinnen. Verglichen mit dem Vorjahr waren die Einlagen kompakter und kreativer. Dennoch wartete mancher nur darauf, weiter durch die Stadt zu tanzen.

Für Hallo sorgte die Antifa mit Feuerwerk und bengalischer Fackel auf der Bauruine an der Blauen Brücke. Auch wenn sie publikumswirksam aus der Reihe tanzte, Organisatoren und Polizei blieben gelassen. „Es ist gut gelaufen, aber hat Kraft gekostet“, sagte Kaltenmark. Die meisten Spielregeln seien eingehalten worden. Pünktlich beendete die Bundestagsabgeordnete der Linken Heike Hänsel die Parade – wohl um zu zeigen, dass das DJ-Zelt auf dem Sternplatz nicht von den Mayday-Machern geplant war. Die Demonstranten störte das nicht, sie feierten noch einige Zeit auf dem Platz.

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