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Im Blickpunkt

Video: Hunderte waren gegen Tierversuche auf der Straße

Nichts lässt den Menschen so emotional werden wie das Thema Tiere. Laut und leidenschaftlich so protestierten am Samstag etwa 400 Demonstranten gegen Tierversuche an Tübinger Instituten.

18.04.2009
  • Wolfgang Albers

Demo gegen Tierversuche

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Demo gegen Tierversuche --

03:09 min

„Ihr seid Mör-der!“ lautete die klare Ansage. Als am Samstagmittag etwa 400 Tierversuchsgegner vom Marktplatz aus durch die Innenstadt zogen, war das kein Schweigemarsch. Im Gegenteil: Trommeln, Trillerpfeifen und immer wieder Sprechchöre hämmerten die Botschaft unmissverständlich raus: „Tierversuche gehören abgeschafft!“ Und fast jeder Demonstrant hatte eine Hand an einem Transparent, trug ein Schild am Stiel oder wenigstens ein kleines selbst gemaltes Plakat: Das Bild eines Affenbabys etwa mit dem Slogan: „It's my life.“

Wie nicht nur die vielen Schilder, die sich die Demonstranten ausleihen konnten, zeigten: Das war eine effektiv organisierte Kundgebung von Leuten, die wissen, wie man Druck auf der Straße macht. Organisiert wurde die Demo vom Verein „Ärzte gegen Tierversuche“. Seit 30 Jahren gibt es ihn, 300 Mitglieder hat er, und seit zwei Jahren hat er auch die Versuche an Affen im Visier.

Das hat den Verein jetzt nach Tübingen geführt. „An drei Tübinger Instituten werden abstruse Versuche an Affen gemacht“, leitete Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Ärzten gegen Tierversuchen, die Demo ein: „Deshalb ist Tübingen im Fokus, weil hier immer noch nicht angekommen ist, dass solch eine brutale Hirnforschung an Affen ethisch nicht tragbar ist.“

Und sinnlos, sagt Bernhard Rambeck, der stellvertretende Vorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche. Der Münchener, der im Bielefelder Epilepsiezentrum die Abteilung für klinische Pharmakologie leitet, engagiert sich seit 25 Jahren gegen Tierversuche aller Art: „Ich habe viele Medikamente gesehen, die im Tierversuch vielversprechend waren und am Menschen dann gar nichts gebracht haben. Ich weiß von keinem einzigen Affenversuch, der einem Menschen genützt hätte.“

Mit Wissenschaftlern, die Tierversuche machen, tauscht sich Bernhard Rambeck schon lange nicht mehr aus: „Die nehmen uns nicht ernst und wir die auch nicht. Einen Dialog zu führen ist unmöglich.“ So haben die Kampagnen der Ärzte gegen Tierversuche auch einen anderen Ansprechpartner: die Öffentlichkeit. Und das mit Erfolg, bilanziert Rambeck die letzten Jahre: „In etlichen Städten sind Versuche an Affen verboten, und selbst dort, wo Tierversuche genehmigt werden, gehen die Versuchskommissionen kritischer und restriktiver damit um.“

Tübingen sei noch einer der wenigen Standorte mit Affenversuchen. Und da wollen die Ärzte nun Druck aufbauen, damit die Politik dem einen gesetzlichen Riegel vorschiebt. „Baden-Württemberg hinkt anderen Ländern hinterher!“ rief Silke Bitz den Demonstranten zu. Den Protest jedenfalls haben die Ärzte gegen Tierversuche gut vernetzt. Der Marktplatz war mit Infoständen fast so voll wie an einem Markttag. Rund 15 Organisationen waren dort vertreten. Silke Bitz dazu: „Wir sind froh, alle Schattierungen der Tierschutzszene zu vereinen.“

Aus der Schweiz waren 13 Aktivist(inn)en von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner angereist. Und auch eine eher neue Tübinger Gruppe hatte am Samstag ihren ersten großen öffentlichen Auftritt: die Antispeziesistische Aktion. Das ist eine offene Gruppe von zehn bis fünfzehn Leuten, meist Studierende der Naturwissenschaften, die den herrschaftskritischen Ansatz aus der linken Politiktheorie auf das Verhältnis zum Tier übertragen.

In eigenen Worten: „Speziesismus legitimiert, dass Tiere von Menschen ausgebeutet werden dürfen. Fühlende und leidensfähige Individuen werden entrechtet, gefangen gehalten, gequält und getötet.“ Ein Emblem signalisiert Kampfentschlossenheit dagegen: eine Faust und eine Tierpfote vor einem fünfzackigen Stern. Und fett gedruckt fordert ein Flugblatt: „Nieder mit Fleisch-, Eier- Milch- und Pelzfabriken!“ Wie sagte doch eine Frau am Stand: „Wir sind scho ein bisschen anarchistisch.“

Emotion auch andernorts. Vor einer Plakatwand echauffierten sich zwei Biologie-Studentinnen und eine Ethik-Lehrerin, die der Mehrheitsmeinung trotzten: „Das ist alles verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen!“ Gemeint waren Berichte aus der Datenbank der Ärzte gegen Tierversuche. Sie enthält 4000 Berichte über Tierversuche.

Das Tübinger Hertie-Institut für klinische Hirnforschung wurde zitiert mit dem Bericht: „Welcher Hirnbereich ist zuständig für Hand- und Augenbewegungen der Affen?“ Zu lesen war vom Aufbohren der Schädeldecke, von Elektroden im Gehirn, vom Einsatz des Trinkens zur Belohnung – und auch das: „Nach Experimentende wurden die Affen getötet und ihr Gehirn in Scheiben geschnitten.“ Für Rambeck ist deshalb die Situation klar. In einer Rede an die Demonstranten geißelte er Tierversuche als grausame, unethische und unwissenschaftliche Methode: „Medizinischer Fortschritt ist wichtig. Aber Tierversuche sind der falsche Weg!“

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18.04.2009, 12:00 Uhr
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