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Verstöße über Verstöße
Kontrolle an der Autobahn 6: Einsatzkräfte der Polizei und vom Zoll überprüfen einen Kleintransporter aus Polen. Foto: dpa
Verkehr

Verstöße über Verstöße

Mit regelmäßigen Großkontrollen sollen schwarze Schafe auf der Autobahn 6 aufgespürt werden. Die Moral der Transporteure wird immer schlechter, stellen erfahrene Polizeibeamte fest.

03.11.2017
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. Ein internationaler Fall von Wettbewerbsverzerrung ist auf dem Rastplatz Bauernwald zu Ende. Die Polizei stoppt einen Ukrainer, der mit dem Lastzug einer polnischen Spedition Autos der französischen Marke Citroën aus der Slowakei nach Spanien schaffen soll. Die Route von der Fabrik in Trnava bis zum Kunden in Alavia ist 2549 Kilometer lang. Aber an der Autobahn 6 bei Bad Rappenau gibt es für den Fahrer kein Fortkommen mehr – er ist in eine Großkontrolle des Polizeipräsidiums Heilbronn geraten. 34 Beamte, unterstützt von zehn Zöllnern, wollen auf der stark befahrenen Fernstraße die schwarzen Schafe aus dem Verkehr ziehen.

Der Transporter dürfte maximal 18,75 Meter lang sein, die Polizei misst jedoch 19,55 Meter. Diese Überlänge erlaubte die lukrativere Beladung mit zehn statt acht Kleinwagen des Typs C3. Die beiden „überschüssigen“ Autos müssen ab- und auf einen anderen Lastwagen umgeladen werden. Die Firma hat eine Strafe von mindestens 2000 Euro zu erwarten, der Fahrer wird wohl 100 Euro berappen müssen.

„Die Kraftfahrer sind eigentlich anständige Leute, aber manche können ihre Aufträge nur erfüllen, wenn sie sich über die Vorschriften hinwegsetzen“, sagt Hauptkommissar Elmar Hilbert (55), der die Kontrollaktion leitet. Gerade die A 6, eine wichtige Ost-West-Etappe zwischen Prag und Paris, gilt bei den Überwachern als „Transitroute der grenzüberschreitenden Kriminalität“. Rund 100 000 Fahrzeuge sind täglich unterwegs, etwa 30 Prozent davon entfallen auf den Schwerlastverkehr. Im Interesse des Profits werden scheinbar ziemlich häufig die zulässigen Dimensionen missachtet. „80 Prozent sind zu lang, zu schwer, zu hoch, zu breit, wahrscheinlich sogar noch mehr“, fasst Oberkommissar Michael Halasz (59) seine Erfahrung zusammen. Der Verkehrspolizist hat seinen Arbeitsplatz seit 1978 auf und an der Autobahn. „Die Moral hat gewaltig nachgelassen, und die Verstöße haben gewaltig zugenommen“, stellt er achselzuckend fest.

Kriminalität ohne Grenzen

„Kontrollen sind immer sinnvoll“, sagt Jürgen Fingerhut (44) aus Korbach, „es wird schon zu viel wilde Sau gespielt.“ Dabei wurde der Hesse gerade selber von der Fahrbahn auf den Parkplatz gelotst. Seine Fracht, ein Betonpfeiler für eine Lagerhalle, erscheint den Polizisten zu lang. Doch er kann seine Ausnahmegenehmigung vorweisen: Alles in Ordnung. Seit 22 Jahren sitzt Fingerhut auf dem Bock und beobachtet einen Verfall der Sitten: „Ein Überholverbot interessiert so gut wie keinen, nicht nur die Osteuropäer.“ Grund sei „der Zeitdruck, einfach der wahnsinnige Zeitdruck“.

Mit wachsender Besorgnis beobachten die Polizisten auch jene Autofahrer, die bekifft hinter dem Steuer sitzen. Wer erwischt wird, wie ein Albaner mit einem ziemlich vernachlässigten Kleinbus, muss 24 Stunden lang pausieren. Strafe folgt.

Ein Berliner in einem Kia gibt sich erstaunlich kooperativ. Der Mann mit Schiebermütze war der Besatzung eines Streifenwagens aufgefallen. „Bauchgefühl und Erfahrung“, heißt es vage, hätten den Ausschlag gegeben, „außerdem war er sichtlich nervös“. Tatsächlich räumt der Ertappte unumwunden ein, dass er am Vortag Marihuana konsumiert habe. Aus dem Kofferraum kramt er ein Kästchen mit ein bisschen Nachschub. Der Mann aus der Hauptstadt bleibt gelassen, obwohl ihm ein Bußgeld von 500 Euro droht.

Mit einer Geschwindigkeit von 335 Kilometern pro Stunde könnte der weiße Porsche Avalanche GRT 650 dank seiner 650 PS dem Ziel in Italien entgegenbrausen. Den rasanten Sportwagen habe der Tuner Uwe Gemballa vor zehn Jahren für das saudische Königshaus zusammengeschraubt, verrät der Fahrer wortreich. 480 000 Euro habe der Bolide einst gekostet, jetzt bekomme ihn ein Sammler für 200 000 Euro. Dumm nur, dass das italienische Kennzeichen für die Überführung in Deutschland gar nicht zugelassen ist. Die Spritztour darf erst weitergehen, wenn ein legales Schild Front und Heck ziert.

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03.11.2017, 06:00 Uhr
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