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Nur die Grünen halten ihre Mitglieder

Verluste bei allen übrigen etablierten Parteien

Den Parteien laufen die Mitglieder davon. Von den im Bundestag vertretenen Organisationen können im Jahr 2012 nur die Grünen ihr Niveau sichern.

31.12.2012
  • von DPA

Berlin Fast alle Parteien verlieren Mitglieder. Am deutlichsten ist im ablaufenden Jahr die SPD geschrumpft - um knapp 12 000 Mitglieder im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus einer Umfrage bei den Parteizentralen hervor. Die SPD liegt auf Platz zwei. Ende November zählte sie 477 803 Mitglieder (2011: 489 638). Die CDU kam dagegen auf 478 810 (2011: 489 896).

Recht stabil mit nur leichten Verlusten präsentiert sich die CSU mit rund 150 000 Mitgliedern (2011: 150 585). Dann kommt die Linke mit gut 65 000 (2011: 69 458). Der FDP liegen noch keine Zahlen für das Gesamtjahr vor, aber bis Ende Juni war die Partei um rund 3000 Mitglieder auf gut 60 000 geschrumpft (2011: 63 123). Parteisprecher Wulf Oehme sagte, die Abwärtsentwicklung nach 2002 habe auch 2012 angehalten. Die Grünen haben 2012 keine Mitglieder verloren. Ihre Zahl blieb bei knapp 60 000 (2011: 59 074).

Im Mitgliederschwund sieht der Berliner Politologe Oskar Niedermayer kein Zeichen von Politikverdrossenheit. "Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten als früher, sich politisch zu engagieren", sagte der Parteienforscher an der FU Berlin. Dem stünden aber nicht mehr Menschen gegenüber, die sich engagierten. "Viele Organisationen buhlen um dieselben Leute."

Für 2011 hat Niedermayer den Schwund genau analysiert und mit 1990 verglichen. Am stärksten traf es danach die Linke. Sie hatte - trotz des Zuwachses durch Vereinigung von PDS und WASG - Ende 2011 über 75 Prozent weniger Mitglieder als die PDS Ende 1990. Der SPD ging nahezu die Hälfte ihrer Mitglieder von der Fahne. Die FDP verlor seit 1990 mehr als 60 Prozent ihrer Mitglieder. Bei der CDU waren es fast 40 Prozent und bei der CSU annähernd 20 Prozent. Einzig die Grünen konnten ihre Mitgliederzahl steigern - um satte 43 Prozent.

"Der Mitgliederschwund ist nicht nur auf eine einzige Ursache zurückzuführen", erklärte Niedermayer. Dahinter stecke auch ein längerfristiger Wandel der Gesellschaft. Bis in die 1960er Jahre hinein habe es soziale Milieus gegeben. Eine Bindung, die auch einen Eintritt in eine dazu passende Partei nahelegte. "Heute haben wir eine individualisierte Gesellschaft." Trotzdem müssten sie versuchen, die Mitglieder zu halten. Ohne sie verlieren Parteien ihre Verankerung in der Gesellschaft.

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31.12.2012, 12:00 Uhr
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