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Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) über nachhaltige Mobilität
Zurück an seinem Geburtsort: Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann als Wahlkämpfer im Rottenburger Martinshof. Bild: Rippmann
45 Millionen Autos sind zu viel

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) über nachhaltige Mobilität

Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unterstützte seinen Tübinger Parteifreund Daniel Lede Abal am Freitagabend im Landtagswahlkampf. Einige hiesige Grünen-Wähler stellten durchaus kritische Fragen.

23.02.2016
  • von Andreas Straub

Rottenburg. Der 63-jährige Winfried Hermann ist in Rottenburg geboren und aufgewachsen. Am Freitagabend gab er seinem Tübinger Parteifreund Daniel Lede Abal den Wahlkampf-Motor. Der Tübinger Landtagsabgeordnete konnte sich weitgehend zurücklehnen und den Minister in Hochform strampeln lassen. Rund 80 Interessierte hörten im Martinshof zu und diskutierten anschließend munter.

Lede Abal stellte zunächst seinen Parteifreund „Winne“, der von 1998 bis 2011 dem Deutschen Bundestag angehörte, vor. „Ich kämpfe für eine Regionalstadtbahn“, erklärte Lede Abal zur Verkehrspolitik. Der Vorwurf, die Grünen würden keine Straßen, sondern nur Radwege bauen, unsinnig.

Hermann sprach frei. Er blickte zunächst zurück auf die Erfindung des Fahrrads vor 200 Jahren, später die Erfindung der Eisenbahn und danach die des Autos. „Unser Wohlstand in Baden-Württemberg basiert auf dem Auto“, sagte Hermann. Doch der Straßenverkehr sei mittlerweile, deutlich vor der Industrie, der klimaschädlichste Wirtschaftssektor im Land.

Die Auto-Industrie muss grün werden

„80 Prozent der Kilometer werden alleine und mit dem Auto gefahren“, sagte Hermann. 45 Millionen Autos in Deutschland seien zu viel. Damit einher gingen Belastungen für Umwelt und Klima. „Die Leute, die fliegen und schnelle Autos fahren, wohnen selten am Flughafen und an der Hauptstraße“, sagte Hermann.

Die derzeitige Mobilität sei nicht nachhaltig. Der Export von Autos schade der Umwelt weltweit. Wenn die Automobil-Industrie nicht „grün“ werde und umdenke, zitierte er Daimler-Chef Dieter Zetsche, werde sie keine Zukunft haben.

Der Verkehrsminister zeigte mehrere Lösungsansätze auf. Zuerst gelte es, die Verkehrsmittel zu optimieren, also beispielsweise dafür zu sorgen, dass Autos weniger Sprit verbrauchen. Um Staus zu vermeiden, müssten Straßen, Brücken und Tunnels erhalten werden. Verkehr sei ganz zu vermeiden, indem Kommunen Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und ähnliches fußläufig erreichbar machten.

Der Anteil des Öffentlichen Nahverkehrs, so Hermann, müsse ausgebaut werden. „Von 5 bis 24 Uhr müssen Haltestellen bedient werden, die Schiene im Stundentakt.“ Das gelte auch im ländlichen Raum, wo der Minister auf Kleinbusse und Taxis setzen will. „Wenn das Angebot verlässlich und gut ist, wird es angenommen.“ Fahrgäste bräuchten Informationen in Echtzeit (wann kommt der nächste Bus?), wie es sie in Stuttgart schon vielerorts gibt. Und die verschiedenen Transportmittel müsse man besser vernetzen.

Die Bahn hält seltener im Oberen Neckartal

In der anschließenden Diskussion gab es auch kritische Fragen. Eine Berufspendlerin und bekennende Grünen-Wählerin aus Bieringen sprach die seit Dezember 2015 deutlich schlechtere Zug-Anbindung des Ortes an (Bad Niedernau ist genauso betroffen, wir berichteten). Dies widerspreche den Ausführungen des Ministers komplett. Hermann antwortete, er müsse im ganzen Land ein faires und vergleichbares Angebot machen. Zudem müssten die Linien zueinander passen und die Anschlüsse in Horb (nach Zürich) seien wichtiger.

Gerhard Schnaitmann, ein dem Verkehrsminister unterstellter Verkehrsplaner bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, saß mit Fahrplänen und Unterlagen präpariert „zufällig“ im Publikum. Er ergänzte, es gebe nach wie vor genügend viele Züge. Die Nachteile seien durch zusätzliche Busverbindungen kompensiert worden.

Der Kiebinger Ortschaftsrat und Bio-Bauer Volkmar Raidt, nach eigenem Bekunden derzeit unzufriedener Grünen-Wähler, sprach den umstrittenen Neubau der B28 an. Hermann antwortete, als Abgeordneter habe er immer gegen die B28 gekämpft. Auch andere Beteiligten hätten „alles versucht“. Nun müsse man aber die Realität akzeptieren. „Die Kiebinger sind zwar mehrheitlich dagegen, viele andere sind aber dafür“, sagte Hermann. Eine Sonderlösung, beispielsweise eine Tieferlegung oder ein Tunnel, sei nicht zu rechtfertigen.

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23.02.2016, 01:00 Uhr
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