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Erhebliche Zweifel an der Sicherheit

Untergrund der Neckarwestheimer AKW labil

Die Atomkraftwerke in Neckarwestheim sind nicht erdbebensicher. Wissenschaftler warnen vor dem porösen Untergrund. Die ENBW sieht keine Gefahr.

14.03.2011
  • von HANS GEORG FRANK

Neckarwestheim Der Stuttgarter Geologe Hermann Behmel schlug im November 1998 Alarm, weil unter den Neckarwestheimer GKN-Atomkraftwerken eine Gipsschicht durch Grundwasser ausgelaugt werde. Dadurch entstünden Hohlräume, die einstürzen könnten: "Jetzt ist Gefahr im Verzug." Bestätigt sah sich Behmel im November 2002, als sich 4,5 Kilometer von den Reaktoren entfernt ein 18 Meter tiefes Loch auftat. "Die Betriebssicherheit ist durch den labilen Untergrund akut gefährdet", erklärte seinerzeit der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN).

Auf dem Areal in einem früheren Steinbruch sackte der Kühlturm bis zu 40 Zentimeter ab. Die Stabilisierung kostete zehn Millionen Euro, dennoch "tut sich von Zeit zu Zeit ein Ruck", sagte ein GKN-Sprecher 1998. Geologische Auffälligkeiten gab es auch beim Bau des atomaren Zwischenlagers, als Bohrlöcher zusammenbrachen. Der Geophysiker Gerhard Jentzsch von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sah 2005 durch "vertikale Klüfte und vielfache Brüche" die Standsicherheit gefährdet. Bei einer Erschütterung könne der poröse Boden derart schwingen, dass das Lager dieser Belastung nicht standhalten könnte.

In der Beschreibung des Depots für 151 Castor-Behälter geht die ENBW als Betreiberin auf die seismischen Verhältnisse ein. Demnach entspricht "die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen höchste Intensität am Standort" der Stufe 8 der "Medvedev-Sponheuer-Karnik-Skala". Dies bedeutet: "Große Risse im Mauerwerk, Giebelteile und Dachsimse stürzen ein." Das Bundesamt für Strahlenschutz meldet jedoch: "Kein Zweifel an der Erdbebensicherheit."

Wolfram Scheffbuch vom BBMN geht von einem Erdbebenrisiko bis mindestens Stärke 6,5 auf der Richterskala in Neckarwestheim aus: "Die Erdbebenauslegung insbesondere von Neckarwestheim I entspricht jedoch nicht dem vom Atomgesetz geforderten Stand von Wissenschaft und Technik", sondern basiert auf dem wissenschaftlichen Stand von 1970."

Die ENBW hat alle Zweifel stets zurückgewiesen: "Die Erdbebensicherheit des Standortes wurde in zahlreichen Gutachten belegt." Es gebe auch "hinreichende Stellungnahmen der diversen Ministerien", betonten GKN-Manager.

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14.03.2011, 12:00 Uhr
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