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Manchmal liest man etwas von sich selbst

Uni Tübingen hält sich beim Plagiatsvorwurf gegen zu Guttenberg zurück

Der Plagiatsvorwurf gegen Karl-Theodor zu Guttenberg schlug gestern Wellen bis nach Tübingen. In seiner Doktorarbeit soll sich der Verteidigungsminister auch beim hiesigen Juraprofessor Martin Nettesheim bedient haben.

18.02.2011
  • von Ulrike Pfeil

Tübingen. Einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ zufolge entdeckte ein Rechtswissenschaftler aus Münster in zu Guttenbergs Doktorarbeit Passagen aus einem Aufsatz Nettesheims, der 2002 in der „Zeitschrift für Europarechtliche Studien“ erschien.

Tübinger Studenten zu Plagiatsvorwürfen gegen von Guttenberg

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© Riderer 02:16 min

Die wörtlich übernommenen Stellen seien nicht in Anführungszeichen gesetzt, und die Quelle werde nicht genau benannt. Nettesheim, der sich zur Zeit in Berkeley, Kalifornien, aufhält, will sich zu den Vorwürfen nicht äußern, „bevor nicht die Universität Bayreuth den Sachverhalt aufgearbeitet hat und eine Entscheidung getroffen hat“, wie er dem TAGBLATT in einer Email mitteilte.

An der Juristischen Fakultät hält sich die Erregung über den Fall in Grenzen – schon weil viele Professoren wegen der Semesterferien außer Haus sind. Einer der anwesenden, der Professor für öffentliches Recht Christian Seiler, plädiert für Gelassenheit, auch gegenüber den Kollegen an der Uni Bayreuth. Er vertraut darauf, dass diese „schon aus Eigeninteresse die Sache aufklären“.

Uni Tübingen hält sich beim Plagiatsvorwurf gegen zu Guttenberg zurück

Was zu Guttenberg angeht, sei er „ein großer Anhänger der Unschuldsvermutung“, sagt Seiler. Ein Plagiatsvorwurf sei differenziert zu betrachten; es komme auf den Umfang an und auf die Bedeutung, welche die nicht gekennzeichneten Übernahmen für die Arbeit insgesamt hätten. Dass man sich angesichts der bekannten Vorwürfe fragt, ob zu Guttenberg für seine Dissertation die Note „summa cum laude“ verdiente, kann Seiler immerhin nachvollziehen.

Für Uni-Rektor Bernd Engler macht es einen Unterschied, ob ein Plagiat „mutwillig und intentional“ oder aus Versehen in eine Arbeit kam. Bei 500 Seiten könne es „schon mal passieren“, dass ein Text exzerpiert, die Quelle aber nicht notiert wurde. „Der Kandidat muss gehört werden.“

Wenn sich der Verdacht eines wesentlichen Plagiats aber erhärtet, handelt es sich laut Engler um einen „ganz klaren Rechtsverstoß“, der mit der Aberkennung des Doktortitels geahndet werden müsse.

In seiner Amtszeit sei dies bisher nicht vorgekommen, sagt Engler. An der Uni Tübingen gab es allerdings vor sechs Jahren drei Fälle, in denen Doktortitel von den Fakultäten aufgrund von Plagiaten aberkannt wurden, in der Katholisch-theologischen, der Juristischen und der Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

In dem sozialwissenschaftlichen Fall sei es „extrem mühsam“ gewesen, die Titel-Aberkennung auch gerichtlich durchzufechten, erinnert sich Fakultätsdekan Prof. Josef Schmid. Die Auseinandersetzung vor den Verwaltungsgerichten dauerte drei Jahre. Der Entzug des Doktortitels wurde erst durchgesetzt, nachdem der Autor der in großem Umfang kopierten Passagen mit einer Urheberrechtsklage Erfolg hatte.

Die Uni habe seither ihre Promotionsordnungen verschärft, sagt Schmid. Die Juristische Fakultät erzieht schon die Studierenden zu Problembewusstsein: Hausarbeiten müssen in digitaler Form abgegeben werden und werden dann mit einem speziellen EDV-Programm auf Abgeschriebenes überprüft. Die Professoren werden aber auch selbst aufmerksam, wenn etwa in einer stilistisch schwachen Arbeit plötzlich brillante Sätze auftauchen, oder wenn Rechtschreibfehler abrupt aufhören. „Manchmal“, sagt Seiler, „liest man dann zufällig eine nicht belegte Passage von sich selbst.“

Eine andere Frage ist, ob es korrekt war, dass zu Guttenberg den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags mit Recherchen für seine Doktorarbeit beauftragte. Politikwissenschaftler Josef Schmid hält das zumindest für „grenzwertig“.

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18.02.2011, 12:00 Uhr
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