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Unglück im Zeltlager verunsichert Leiter
Das zerstörte Mannschaftszelt auf dem Spielplatz bei Rickenbach. Foto: dpa
Unwetter

Unglück im Zeltlager verunsichert Leiter

Nach der Todesnacht von Rickenbach sitzt der Schock tief. Forstexperte vermutet Windhose als Ursache. Verantwortliche überprüfen ihre Notfallpläne.

04.08.2017
  • PETRA WALHEIM

Waldshut. Einen Tag nach dem Unglück in einem Zeltlager bei Rickenbach im Kreis Waldshut, bei dem ein Jugendlicher ums Leben gekommen ist, ist die Betroffenheit bei Veranstaltern und Organisatoren von Ferienfreizeiten und Zeltlagern groß. „Das nimmt viele mit“, sagte gestern Tobias Regesch, Pressesprecher der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG).

Viele sind verunsichert

Viele Leiterinnen und Leiter seien verunsichert. Es werde darüber diskutiert, was verbessert werden könne. Die Polizei befragt derweil immer noch Kinder, Jugendliche und Betreuer, die Mitglieder der Wandergruppe waren. Sie hatten in der Nacht zum Mittwoch auf einem Spielplatz am Waldrand gezeltet. Während eines heftigen Sturms sind dort zwei Bäume umgestürzt, einer fiel auf das Mannschaftszelt und hat einen 15-Jährigen unter sich begraben. Drei weitere Jungs wurden verletzt, ein 14-Jähriger schwer. Er ist noch in der Klinik.

Eine der Fragen, die noch geklärt werden müssen, ist, ob ein „mögliches Fremdverschulden vorliegt, weil an der Örtlichkeit am Waldrand bei den bestehenden Witterungsverhältnissen gezeltet wurde“. Das hat die Polizei bekannt gegeben. Unklar ist offenbar auch noch, ob die Gruppe von der Unwetterwarnung wusste, die der Deutsche Wetterdienst an diesem Abend und in der Nacht herausgegeben hatte. Die Warnung wurde nach Mitternacht von der Stufe 4 auf die höchste Stufe 5 verschärft.

Untersuchungen abgeschlossen

Sturm warf Bäume um

Die kriminaltechnischen Untersuchungen sind nach Auskunft der Polizei abgeschlossen. Dabei habe es sich bestätigt, „dass die Bäume durch den Sturm umgestürzt sind und nicht durch einen Blitzschlag“, was zunächst angenommen worden war.

Johannes Stowasser vom Kreisforstamt Waldshut, wo er den Forstbezirk Nord leitet, vermutet, dass eine Windhose die 30 Meter hohe Weißtanne und die daneben stehende 40 Meter hohe Douglasie gefällt hat. Ein Indiz dafür ist für ihn, dass der Sturm auch Strauchwerk, das den Platz säumte, herausgerissen hat. „Wenn die Windhose sich ins Gelände hinein dreht, nimmt sie alles mit.“

Evakuierungsplan für Zeltlager

Die meisten Veranstalter von Ferienfreizeiten und Zeltlagern haben seit Jahren ihre festen Plätze. Deshalb hinkt der Vergleich mit dem spontanen Zeltlager der Wandergruppe etwas. Die Gruppen, die im Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) organisiert sind, unterziehen ihre Zeltplätze einer regelmäßigen Baumbeschau. Ein bis zwei Mal pro Jahr würden die Bäume der Plätze kontrolliert, sagt Benedikt Fleisch von der BDKJ Ferienwelt, wo er die Fachstelle Freizeiten und Zeltlager leitet. Außerdem gebe es für jeden Zeltplatz einen Evakuierungsplan. „Der wird eingeübt“, sagt Fleisch. Im Zeltlager Seemoos bei Friedrichshafen hätten es die 300 Kinder und Jugendlichen in zwölf Minuten geschafft, ins sichere Haus zu gelangen.

„Das Unglück ist Thema auch in unseren Zeltlagern“, sagt Tobias Regesch von der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg. „Das wird nicht ignoriert.“ Er setzt auf die Verantwortlichkeit der Leiterinnen und Leiter. Die seien alle so gut geschult, dass sie wüssten, was zu tun ist und wann ein Platz geräumt werden müsse.

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04.08.2017, 06:00 Uhr
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