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Udo und Maria Schneider wollen ihren Rottenburger Gasthof dieses Jahr übergeben
Sie haben so lange zusammen so viel gearbeitet und sehen aus, als hätten sie sich ihre Traum-Existenz gerade erst verwirklicht: Udo und Maria Schneider, das Wirtsehepaar im Rottenburger „Hirsch“. Bild: Fleischer
Der Hirsch ist zu haben

Udo und Maria Schneider wollen ihren Rottenburger Gasthof dieses Jahr übergeben

Spätestens zum Jahresende will der Rottenburger „Hirsch“-Wirt Udo Schneider einen Nachfolger gefunden haben. Der 55-jährige muss nach drei Jahrzehnten intensiver Arbeit aus gesundheitlichen Gründen deutlich kürzer treten.

16.01.2016
  • von Gert Fleischer

Rottenburg. Im September feierten Maria und Udo Schneider ihr 25-Jahr-Jubiläum im „Hirsch“. Wer die Gastwirtschaft mit ihrem pulsierenden Betrieb nur aus dieser Zeitspanne kennt, kann sich kaum vorstellen, dass das mächtige, das Ehgner Stadtbild prägende Eckhaus beim Bahnübergang, das lange auch Brauerei war, zuvor dem Verfall entgegengegangen war. 18 Jahre hatte der Gasthof leergestanden. Eingedenk einer aufwändigen und teuren Instandsetzung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ist es nachvollziehbar, dass es dem leidenschaftlichen Gastronomen Udo Schneider, aber auch seiner Frau schwer fällt, sich von ihrem Lebenswerk zu trennen. Bei Maria Schneider laufen die Büro-Drähte zusammen. Als gelernte Steuerfachgehilfin ist die 45-jährige eine sehr geeignete Ergänzung zu ihm, der von Beruf Koch ist. Bis 2007 war zudem Willi Hechler Partner des Unternehmens „Hirsch“.

Weil das Traditionslokal – die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1818 – mit allem Drum und Dran Teil ihres Lebens geworden ist, möchten die Schneiders dessen Zukunft möglichst gesichert sehen. Deshalb lässt sich das Paar Zeit. Spätestens Ende 2016 jedoch soll der Übergang vollzogen sein.

Am liebsten weiterhin mit schwäbischer Küche

mit schwäbischer Küche

Udo Schneider betrachtet den „Hirsch“ als Gesamtpaket, zu dem auch das Personal gehört. Mit den Aushilfen sind das 28 Leute. Viele davon seien seit zehn oder fünfzehn Jahren dabei, erzählt er; eine Frau seit 25 Jahren, fast von Anfang an. Sogar Urlaub konnte Familie Schneider machen, ohne das Lokal schließen zu müssen. Weil das Verhältnis zu den Beschäftigten so gut sei, habe er sein Team auch zuerst informiert, dass er in absehbarer Zeit aufhören muss.

Was künftig aus dem Lokal wird, ist noch offen. Am liebsten sähe Schneider, wenn es „im Prinzip“ so weiter gehen könnte – also als Gastwirtschaft mit schwäbischer Küche auf Basis regional erzeugter Produkte und einem eigenen Bier. Das „Typisch Hirsch“ wird nach einem überlieferten Rezept exklusiv für das Rottenburger Wirtshaus gebraut. 180 Sitzplätze haben die Gasträume, verteilt auf Restaurant, Sudhaus und Bierkeller. Hinzu kommt der Freisitz, der seit zwei Jahren 140 Plätze groß ist. Um diesen Außenbereich mussten Maria und Udo Schneider lange kämpfen.

Schon in den vergangenen Jahren stießen die beiden, die auch drei Kinder haben, einige Zusatzarbeiten ab. Der „Hirsch“ gehörte zu der Handvoll Rottenburger Gaststätten, die einmal im Jahr die Rottenburger Gastronomie-Tage (RoGaTa) als edle Freiluftveranstaltung organisierten und die sich bei Großveranstaltungen wie Weinfest, Sommernachts-Klassik, Internationales Chorfestival, Goldener Oktober, Gauklerfest, Kulturfest im Schadenweilerhof oder Künstlerhof-Fest in die Pflicht nehmen ließen. Auch den Biergarten im Schänzle machten die Schneiders früher zusätzlich. 2008 zogen sie sich als Letztes aus der aufreibenden Fest-Bewirtung zurück und konzentrierten sich auf den „Hirsch“.

Auch dort konnte sich Udo Schneider verausgaben. An 355 Tagen im Jahr ist die Wirtschaft geöffnet. Nur zehn Tage jedes Jahr nach der Fasnet machen Maria und Udo Schneider zu zum Renovieren, zum Regenerieren und für die nachgeholte Weihnachtsfeier mit dem Personal. Kein Ruhetag pro Woche und Öffnungszeiten täglich von 11 bis 23 Uhr, lediglich der Montag ist mit 16 bis 23 Uhr geradezu ein Kurzarbeitstag. Wer weiß, dass Wirtsleute auch arbeiten müssen, wenn die Gaststube geschlossen ist, und dass die Schlusszeiten abends von den Gästen gern etwas ausgedehnt werden, kann nachvollziehen, was insgesamt 30 Jahre Power-Gastronomie bedeuten.

Alle Möglichkeiten, das Restaurant noch in eigener Regie weiterzuführen, ob mit Maria Schneider allein oder mit Udo Schneider im Teilzeit-Einsatz, hat das Wirtsehepaar durchdacht – und verworfen. Udo Schneider sagt es rundheraus: Er sei so mit dem „Hirsch“ verbunden, dass es schief ginge mit ihm, wenn er im eigenen Haus zwar noch mitmischen könnte, aber nicht mehr so viel zu bestimmen und entscheiden hätte. „Da bin ich eigen, da hab‘ ich meinen Kopf“, sagt er, „das krieg ich nicht hin.“

Ob verpachten oder verkaufen – beide Optionen haben die Schneiders. Sicher werde ein Neuer oder eine Neue einiges ändern, aber Udo Schneider hat Hoffnung, dass der „Hirsch“ bleiben kann, was er ist. „Wir sind ja sehr erfolgreich“, sagt er. Freilich weiß er am besten, wie schwierig es ist in der Gastronomie, Personal zu finden, egal ob als Chef oder als Service-Kraft.

Ganz zur Ruhe setzen will sich Udo Schneider aber nicht. Er würde gern wieder mehr kochen, sagt er, denn dazu sei er kaum noch gekommen. Genaues weiß er noch nicht. „Geregelte Arbeitszeiten“ nennt er als ein Ziel, und „das Wochenende genießen“.

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16.01.2016, 09:00 Uhr
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