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U2-Sänger gibt sich reuig
Fotos: imago, fotolia (2), shutterstock.com (2) / montage: swp
Paradise Papers

U2-Sänger gibt sich reuig

Steueroasen spielen bei Immobilienkäufen eine große Rolle . Auch Prominente wie Bono mischen mit.

08.11.2017
  • HAJO ZENKER

Berlin. Steuerschlupflöcher, wohin das Auge schaut – das zeigen die „Paradise Papers“ über die Rolle von Steueroasen von den Kanalinseln bis zu den Bermudas. Und die helfen finanzkräftigen Investoren auch dabei, von stark im Wert steigenden Immobilien zu profitieren, ohne von Steuern nennenswert belastet zu werden. Nutznießer sind nicht nur klassische „Immobilienhaie“, sondern auch in der Öffentlichkeit bislang eher positiv wahrgenommene Prominente wie der Rockmusiker Bono.

Der Frontmann der Band U2 gilt sei Jahren als politisch und sozial engagiert, mit besonderem Blick für soziale Probleme in armen Ländern, als Kämpfer gegen Aids und für Menschenrechte. Als wahrer Weltverbesserer also. Und nun das: Bono taucht in den „Paradise Papers“ auf. Bono, der eigentlich Paul David Hewson heißt, investierte den Dokumenten zufolge über Firmen in den Steuerparadiesen Malta und Guernsey in ein Einkaufszentrum in Litauen. 2007 stieg er ein, in dem Jahr, als Bono beim G8-Gipfel in Heiligendamm singend die Armut in der Welt anprangerte, wie Kritiker, die den Sänger schlicht für einen Heuchler halten, anmerken. Seitdem ist der Millionär in Litauen engagiert.

100.000 Euro Profit

Laut „Süddeutscher Zeitung“ zahlte das litauische Einkaufszentrum in den zehn Jahren seines bisherigen Bestehens keinen Cent Steuern auf Unternehmensgewinne. Obwohl es zwischen den Jahren 2013 und 2016 jährlich rund 100.000 EUR Profit gemacht haben soll.

Das Thema Steuervermeidung ist bei Bono nicht ganz neu. Seine Band U2 zog von Irland in das gerade bei steuerscheuen Konzernen beliebte Holland um, als die Heimat Irland Steuerprivilegien für Künstler auf den Prüfstand stellte. Damals erklärte er, noch immer genug Steuern zu zahlen.

Bono (der übrigens über eine Firma in Guernsey auch Anteile an einem Bürokomplex am Duisburger Hauptbahnhof hält) bezeichnete sich als „passiven“ Investor und betonte, ihm sei von den Verantwortlichen der Unternehmen versichert worden, dass die Firmen sich voll und ganz an die Steuervorschriften hielten. Der Sänger meinte sogar, er begrüße die neuen Enthüllungen. Und forderte öffentlich zugängliche Register in den Steuerparadiesen. „Ich nehme diese Sache sehr ernst. Ich habe mich immer dafür ausgesprochen, dass Besitzer von Offshore-Firmen transparent agieren.“ Ob ihm das seine Fans noch abnehmen, wird man sehen.

Bono übte dann doch noch ein Hauch von Selbstkritik. Er sei „erschüttert“ über die Erkenntnisse der „Paradise Papers“, wonach er Investitionen über Firmen in Steueroasen tätigte. Etwas, das „alles andere als vorbildlich war“, sei unter seinem Namen getan worden, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme.

Doch die fragwürdigen Investitionen von Bono sind nur ein Aspekt, auf den die „Paradise Papers“ ein Schlaglicht werfen. Auch Wohnungsinvestoren in Berlin sollen durch Steuervermeidung ihre Gewinne optimiert haben. Das Bedürfnis, in der Bundeshauptstadt zu leben, ist groß. Groß ist deshalb auch die Nachfrage nach Wohnraum. Kein Wunder, dass die Immobilienbranche jubelt. Und gerade Berlin zum vierten Mal in Folge als beliebtestes europäisches Investitionsziel genannt hat. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC).

Obwohl die Kaufpreise von Wohnungen im Zeitraum von 2011 bis 2016 um 55 Prozent gestiegen seien, glauben die Investoren weiter an die Hauptstadt. Das Wachstum werde nachhaltig sein und „unterstützt von einer wachsenden Bevölkerung und einem lebendigen Technologiesektor“, schreiben die Autoren.

Schmerzvolle Erfahrung

Es ist also viel Geld zu verdienen, wie viele Mieter aus schmerzvoller Erfahrung wissen. Und wo Gewinne gemacht werden, werden gern auch Steuern vermieden. In den „Paradise Papers“ findet sich dazu als Beispiel der Fond Phoenix Spree. Den gibt es seit 2007. Er ist seit 2015 an der Londoner Börse notiert. Besonders Altbauten haben es dem Fond angetan. Die werden gekauft, saniert und dann entsprechend teuer unter die Wohnungssuchenden gebracht. Zumeist Gelddruckmaschinen, wie man annehmen kann. Steuern aber will man möglichst trotzdem nicht zahlen. Eine Möglichkeit dafür: Steuerparadiese. Indem etwa Besitzer von Berliner Häusern Phoenix-Spree-Gesellschaften mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey sind.

Aber natürlich stehen Investoren nicht nur Steueroasen zur Verfügung. Die deutsche Gesetzgebung bietet etwa die Möglichkeit sogenannter Share Deals. Der Trick geht so, dass man nicht ein Grundstück direkt erwirbt, sondern Anteile an einer Gesellschaft, die das Objekt besitzt. Erwirbt man nur bis 94,9 Prozent der Gesellschaft, fällt keine Grunderwerbsteuer an.

Das wird seit Jahren immer mal wieder thematisiert. Angesichts der „Paradise Papers“ fiel dem Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen nun der Handlungsbedarf bei der Besteuerung von Immobiliengeschäften erneut auf. Denn Berlin verliere Jahr für Jahr durch Share Deals einen dreistelligen Millionenbetrag an Steuereinnahmen. Eine von der Finanzministerkonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe will sich mit möglichen Änderungen befassen. Ausgang ungewiss.

Eine Firma mit fast 140 Immobilien

Phoenix Spree besaß nach eigenen Angaben per 30. Juni dieses Jahres 137 Immobilien mit 2901 Wohnungen und 236 Gewerbeeinheiten mit einer Gesamtmietfläche von rund 225.000 Quadratmetern. Zu 80 Prozent stehen die Objekte in Berlin, aber etwa auch Hannover, Kiel, Pforzheim und Holzgerlingen sind vertreten. ⇥hz

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08.11.2017, 06:00 Uhr
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