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Nonprofit für's Klima

Tübinger Student gründete einen Klimaschutz-Shop

Online einkaufen und dabei etwas für den Klimaschutz tun: Das ist die Idee hinter dem „Carrotshop“, den der Tübinger Jurastudent Christian Atz erfunden hat.

16.11.2010
  • von Ulrike Pfeil

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Tübingen. Im Carrotshop gibt es keine Karotten; das Gemüse ist nur ein Symbol für das Anlocken von Kunden, so wie man dem Kaninchen eine Karotte hinhält, damit es angehoppelt kommt. Der Carrot shop ist eine Internet-Plattform mit Direktverbindung zu rund 350 verschiedenen Online-Shops. Der Trick: Die Internet-Händler verpflichten sich, für jeden über diese Webseite vermittelten Einkauf einen bestimmten Prozentsatz als Provision an den Carrotshop zu zahlen. Der Carrotshop wiederum verpflichtet sich, das Geld komplett an eine Klimaschutzorganisation abzutreten. Die Kunden dürfen mit auswählen, an welche.

Vorbild für den Carrotshop, den der Tübinger Jurastudent Christian Atz eingerichtet hat, ist der „Carrotmob“. Diese Aktionsform stammt aus den USA und wird vor allem im klimabewussten San Francisco als Möglichkeit der Verbraucher-Einflussnahme praktiziert: Über Online-Netzwerke werden Kunden mobilisiert, an einem bestimmten Tag in einem bestimmten Geschäft einzukaufen oder in einem Lokal zu konsumieren – unter der Bedingung, dass die Inhaber dann einen Teil des gesteigerten Tagesumsatzes für Nachhaltigkeitsprojekte einsetzen.

Das positive Gegenteil von Boykott

Den Carrotshop hat Atz zusammen mit seinem Freiburger Freund Daniel Heitz, einem Webdesigner, erfunden und eingerichtet. Heitz hat in Freiburg bereits Carrotmobs in zwei Bistros organisiert; beim ersten kamen 350, beim zweiten 500 Kunden zusammen. Den Erlös von 1000 bis 2000 Euro investierten die Bistros in die Verbesserung ihrer Klimabilanz: Sie stellten um auf Ökostrom oder verbesserten den Kühlraum.

„Bei einem Boykott verlieren alle, beim Carrotmob gewinnen alle“, sagt Atz: Die Teilnehmer haben das Happening, die Geschäftsleute die Einnahmen, und alle zusammen profitieren vom Klimaschutz. Eigentlich wäre auch Tübingen reif für einen Carrotmob, findet Atz, aber da er im nächsten Frühjahr Staatsexamen macht, kann er sich den Zeitaufwand der Organisation gerade nicht leisten.

Sein im Juni eingerichteter Carrotshop aber läuft und hat die Testphase hinter sich. „Es funktioniert“, sagt Atz, der zunächst nur im Bekanntenkreis dafür geworben hat. Der Geld-Rücklauf ist deshalb noch bescheiden: knapp 270 Euro, zu 90 Prozent Provisionen vom Versandbuchhändler Amazon. Wenn sich aber der Carrotshop erst herumgesprochen hat, so hofft der Erfinder, werden viele klimabewusste Online-Shopper gern den Umweg von zwei, drei Klicks wählen. „Es kommt nur darauf an, dass man vor einer Bestellung daran denkt.“

Zwischen zwei und 25 Prozent Prämie zahlen die Anbieter für Bestellungen über Carrotshop. Ob man einen Handyvertrag schließt, eine Reise bucht, eine Zeitschrift abonniert oder ein T-Shirt ordert – mit vielen Einkäufen kann man Geld in den Klimaschutz umleiten. Die Online-Einkäufer können auf der Webseite darüber abstimmen, wem das gesammelte Geld zugute kommen soll. Jeweils drei Klimaschutz-Organisationen stehen zur Auswahl; nach tausend Euro Einnahmen wird gewechselt. Derzeit sind es Atmosfair (berechnet die Emissionen von Flugreisen und sammelt Geld-Kompensation für Klimaprojekte in der Dritten Welt), die Waldschützer Robin Wood und das Stuttgarter Aktionsbündnis K 21. Letzteres hat bisher noch die wenigsten Stimmen, was mit daran liegt, dass es erst später dazugenommen wurde. „Unter dem Umweltschutzaspekt“, wie Atz betont, denn „wir wollen nicht politisch sein“. Ein Kandidat für die nächste Tausender-Runde ist bereits die Tübinger Hochschul-Organisation „Greening the University“.

Die Bahn wollte nicht dabei sein

Die meisten Onlineshops, die Atz angesprochen hat, sagten ohne große Umschweife zu. Nur von der Deutschen Bahn bekam er zweimal Absagen. „Und da hatten wir K 21 noch gar nicht drin.“

Ist Online-Shoppen unter dem Klimaschutz-Aspekt aber nicht an sich schon problematisch? Oder was ist mit dem CO2-Ausstoß, der entsteht, wenn bestellte Waren durch die Gegend gefahren und einzeln angeliefert werden? Diese Frage hat sich Atz auch gestellt, der selbst eher selten online einkauft. „Aber man kann das Geld wenigstens abschöpfen“, findet er.

Während er den Carrotshop als reines Nonprofit-Unternehmen betreibt, hat er weitergehende Geschäftspläne für CO2-neutrales Shoppen entwickelt: Mit einem Freund gründete der Sohn öko-bewusster Eltern aus Lahr die Online-Firma „Bioddicted“ (zusammengezogen aus Bio und „addicted“, abhängig), die sich auf Geld-Kompensation für ökologisch fragwürdige Online-Einkäufe spezialisieren will.

„Das klingt zwar nach Ablasshandel“, sagt der 26-Jährige. Aber auch an sich selbst beobachtet er widerstreitende Bedürfnisse, die er öko-ethisch gern neutralisieren würde: Als aktiver 800-Meter-Läufer ist er in seiner Schulzeit in der Welt schon weit herumgekommen. Einerseits findet er Fliegen toll, andererseits hat er auf Reisen zu den Wettkämpfen wunderbare Landschaften gesehen, die in ihm das Bewusstsein weckten: „Man muss das Klima schützen.“

Info: www.carrotshop.org

Tübinger Student gründete einen Klimaschutz-Shop
Mit der Karotte die Online-Shopper für den Klimaschutz ködern: Carrotshop-Betreiber Christian Atz, 26, vor seiner Webseite. Im „Carrotblog“ erfährt man alles über Ziele, Funktionsweise und Einnahmen und kann mitdiskutieren. Bild: Sommer

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16.11.2010, 12:00 Uhr
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