Hunderte Fahrräder gestohlen und Halle angezündet

Tübinger Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die Ducatobande

Von hz

Mehr als 400 Fahrräder soll die so genannte „Ducatobande“ im Raum Tübingen gestohlen haben. Außerdem habe einer der Diebe im Oktober 2016 eine Lagerhalle bei Hagelloch angezündet, so die Staatsanwaltschaft Tübingen in der im April erhobenen Anklage gegen neun Männer zwischen 19 und 51 Jahren. Sieben Beschuldigte sitzen seit November in Untersuchungshaft, zwei weitere seit Januar.

Tübinger Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die Ducatobande

Die Ermittlungsgruppe „Ducato“ stellte 2016 gestohlene Fahrräder sicher. Bild: Polizei

Laut Anklage beschlossen vier Bosnier im Alter von seinerzeit 18, 19 und zweimal 35 Jahren Anfang 2015, im großen Stil hochwertige Fahrräder zu stehlen und gewinnbringend zu verkaufen. Für die Ausführung der Diebstähle heuerten sie demnach in Asylbewerberunterkünften drei Männer aus Serbien im Alter von 24, 30 und 49 Jahren sowie einen 20-jährigen Bosnier an. Bis September 2016 sollen diese im Kreis Tübingen 380 Fahrräder im Gesamtwert von 190000 Euro gestohlen haben. Laut Anklage lagerten die Auftraggeber die Beute in einen Seecontainer auf einem angemieteten Areal im Steinlachtal ein und brachten die Räder mittels Kleintransportern nach Bosnien, wo sie verkauft wurden. Den Gewinn sollen die vier Hehler untereinander aufgeteilt, den vier Dieben pro Fahrrad 100 Euro Belohnung bezahlt haben.

Im Juni 2016 habe ein weiteres Familienmitglied der Hehlerbande, ein damals 49-jähriger Bosnier, die vier Diebe für weitere Fahrraddiebstähle und Einbrüche in Wertstoffhöfe und Schuppenanlagen engagiert, so die Staatsanwaltschaft: In der Zeit von Juni bis November 2016 sollen die Diebe im Raum Tübingen weitere 30 hochwertige Fahrräder im Wert von 15000 Euro gestohlen haben. Außerdem werden sie beschuldigt, in 13 Wertstoffhöfe sowie 35 Schuppen in den Kreisen Tübingen und Böblingen sowie im Zollernalbkreis eingebrochen zu sein. Dort wurden Werkzeuge, Maschinen, Kraftstoff und Metall im Wert von 42000 Euro gestohlen. Den Sachschaden beziffert die Staatsanwaltschaft mit 22000 Euro. Die Beute hätten die Diebe gegen Bezahlung in der Gewerbehalle des 49-Jährigen abgeliefert, von wo dieser das Diebesgut an Wertstoffhändler verkauft habe.

Transport in Bayern gestoppt

Im Oktober 2016 sollen die vier Diebe bei einem ihrer Beutezüge in einer landwirtschaftlichen Lagerhalle bei Hagelloch Dieselkraftstoff gestohlen haben. Danach habe einer der Männer Feuer gelegt, um den Diebstahl zu vertuschen. Der Brand der Halle verursachte einen Sachschaden in Höhe von etwa einer Million Euro.

Die Ermittler kamen der Bande Anfang September 2016 auf die Schliche, als Zollbeamte in Bayern einen Fiat-Ducato kontrollierten. In dem Transporter fanden sie 34 hochwertige Fahrräder, die – wie sich herausstellte – aus den Tübinger Diebestouren stammten.

Die vier angeschuldigten Diebe haben laut Staatsanwaltschaft inzwischen umfangreiche Geständnisse abgelegt. Die fünf Hehler äußerten sich bislang nicht. Für die ihnen vorgeworfene gewerbsmäßige Bandenhehlerei sind als Strafrahmen Freiheitsstrafen von einem bis zu zehn Jahren vorgesehen. Bei den vier Dieben geht die Staatsanwaltschaft von schwerem Bandendiebstahl aus. Auch dafür sieht das Strafgesetzbuch ein bis zehn Jahre Gefängnis vor. Der gleiche Strafrahmen gilt für die Brandstiftung, die einem inzwischen 26-jährigen Serben vorgeworfen wird.

Da drei Beschuldigte zur Tatzeit erst zwischen 18 und 20 alt und damit Heranwachsende waren, wurde die Anklage zur Großen Jugendkammer des Tübinger Landgerichts erhoben. Das Gericht muss auch klären, ob noch Jugendstrafrecht angewendet werden kann.


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08.05.2017 - 16:00 Uhr