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TüMo will körperliche Defizite ausgleichen

Die zweite Bundesliga ist die größte Herausforderung in der Geschichte der Volleyballerinnen des FV Tübinger Modell. Sowohl finanziell als auch sportlich ist der Aufsteiger vor dem Saisonstart am 22. September der Underdog der Liga. Trotzdem setzt der Verein weiterhin auf das Konzept, das ihn jahrelang ausgezeichnet hat.

11.08.2012
  • ibrahim Naber

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Tübingen. Basken sind bekanntlich ein stolzes Volk. Und da dies so ist, leistet sich Fußballklub Athletic Bilbao, im tiefsten Baskenland gelegen, seit Jahrzehnten den Luxus, seinen Kader nahezu komplett mit einheimischen Spielern zu besetzen. Mit Erfolg: Bilbao hat sich in der Primera Division etabliert und ärgert auf internationaler Bühne regelmäßig Topklubs wie Manchester United, die nur so mit ausländischen Stars gespickt sind.

Zugegeben: Ganz so weit sind die Volleyballerinnen vom Tübinger Modell noch nicht. Aber in gewissen Dingen sind Basken und Schwaben offenbar Brüder im Geiste. Es schwingt auch in Tübingen ein wenig Stolz mit, wenn die Verantwortlichen hervorheben, dass der Großteil der Spielerinnen schon seit der Jugend im Verein spielt. Teammanager und Co-Trainer Philip Kondic sagt: „Wir sind in der zweiten Liga schon eine Ausnahme. Andere Vereine holen sich Nationalspielerinnen aus dem Ausland, aber das ist nicht unser Weg.“ Diesen Weg will der Verein bewusst nicht gehen. Zum einen aus Überzeugung. Zum anderen, weil dafür momentan auch einfach die Mittel fehlen würden.

So erhalten einzig die Trainer bei TüMo etwas Geld. Die Spielerinnen verdienen laut Kondic nichts – im Gegenteil: Sie zahlen weiterhin Mitgliedsbeiträge: „Damit haben sich nicht alle Spielerinnen leichtgetan, aber sie haben es akzeptiert“, erklärt Kondic, der auch mit keinem festen Zuschauerschnitt plant: „Finanziell gehen wir überhaupt kein Risiko ein.“ Jedoch zahlt auch das Tübinger Modell einen gewissen Preis für die Attraktivität der zweiten Liga. Erstmals in der Vereinsgeschichte reist das Team quer durch Deutschland zu Auswärtsspielen, mal nach Sachsen, mal nach Thüringen. Der Teammanager rechnet vor: „Alleine die Reisen kosten uns 10 000 Euro.“

Was ist denn die größte Herausforderung in der neuen Liga? „Die gesamte Organisation. Der Aufwand ist 700 Prozent höher als in der Regionalliga“, erzählt Kondic. Dabei laufen die Planungen bisher nach Maß. Die rund 25 Positionen, die laut den Regularien der Liga besetzt werden müssen, vom „Court-Manager“ bis zum Hallenkoordinator, sind alle vergeben.

Aber auch sportlich liegt die Messlatte im wahrsten Sinne des Wortes nun deutlich höher: Denn in Sachen Körpergröße und Athletik kann das TüMo mit den anderen Teams der Liga nur schwer mithalten. Die Mannschaft tut seit einigen Wochen viel, um das auszugleichen. Fünf bis sechs Trainingseinheiten stehen derzeit inklusive Fitnesstraining pro Woche auf dem Programm. Alle acht Wochen werden die Trainingsfortschritte in Bereichen wie Sprungkraft, Blockhöhe und Geschwindigkeit gemessen – so entsteht allmählich eine feste Datenbank, auf die das Trainerteam zurückgreifen kann: „Es sind bereits klare Fortschritte erkennbar. Wir tun viel, um unsere Defizite auszugleichen“, erzählt Kondic.

Gibt es überhaupt eine Zielsetzung für die Saison? „Dass wir nicht Meister werden, ist uns klar“, sagt Kondic mit einem Schmunzeln. Schon der Klassenverbleib wäre eine kleine Sensation. Athletic Bilbao hat es vergangenes Jahr vorgemacht. „Los Leones“, die Löwen, wie die Basken genannt werden, beendeten die Saison auf Platz zehn. Fern von jeglichen Abstiegsängsten.

TüMo will körperliche Defizite ausgleichen
Die Tübinger Volleyballerinnen, die im Frühjahr über den Aufstieg in die zweite Bundesliga jubeln durften, haben sich einiges einfallen lassen, um nach dem ersten Jahr die Klasse auch zu halten. Archivbild: Franke

Neun Spielerinnen stehen bis jetzt im TüMo-Kader für die zweite Bundesliga. „Zwei, drei weitere Spielerinnen sollen noch dazu kommen“, erklärt Teammanager Philip Kondic. In Alexia Schnell, Judith Hoch und Michelle Feuerstein verließen drei Spielerinnen aus der Vorsaison das Team. Dafür steht jedoch auch schon der erste Zugang fest: Judith Gäbler zieht für das Abenteuer zweite Liga von Berlin nach Tübingen. Die 26-jährige und 1,76 Meter große Mittelblockerin spielte zuvor für Spandau in der Berlin-Liga.
Im September richtet der Verein ein eigenes Jubiläumsturnier aus, für das Zweitligist VC Offenburg seine Teilnahme bereits zugesagt hat. Am 22. September startet dann das TüMo mit einem Heimspiel gegen den FTSV Straubing ins Abenteuer zweite Liga.

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11.08.2012, 12:00 Uhr
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