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Orchideen auf der Münsinger Alb

Trickreiche Schönheiten blühen auf

Sie sind gefährdete Verwandlungskünstler, denen wundersame Heilkräfte nachgesagt werden.

06.06.2017
  • MADELEINE WEGNER

Münsingen. Blumenfreunde zieht es jetzt wieder zu Orchideenwiesen. Die Beurener Heide im Zollernalbkreis oder das Warmtal bei Langenenslingen im Kreis Biberach sind bekannte Stellen. Mit etwas Glück und einem geübten entdeckt man aber auch anderswo in Blüte stehende Orchideen. Zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb: „Vom Korallenwurz bis zum Frauenschuh – es ist faszinierend, welchen Reichtum es hier gibt“, sagt Jochen Rominger, der beim Biosphärenzentrum in Münsingen-Auingen für die pädagogische Betreuung zuständig ist. Wilde Orchideen nennt er „Juwelen der Natur“.

Doch der Reichtum ist gefährdet – durch intensive Nutzung des Waldes und Verschwinden der natürlichen Lebensbereiche der Orchideen. Die Pflanzen selbst fallen aber auch wegen ihrer ungewöhnlichen Schönheit zum Opfer und wegen einer vermeintlichen potenz- und heilfördernden Wirkung. Die Pflanzen auszugraben und im eigenen Garten wieder einzusetzen, ist wenig sinnvoll: Als Symbiose-Partner benötigen sie bestimmte Pilze, die im Garten-Boden nicht vorhanden sind.

Beeindruckend ist die Vielgestaltigkeit der Orchideenarten. Das zeigt auch eine Ausstellung im Biosphärenzentrum. Ein Jahr waren der pensionierte Polizeibeamte Benno Hollerbach und der Metzinger Lehrer Wolfgang Bohn immer wieder im Schmiechtal (Alb-Donau-Kreis) auf Orchideensuche. Hollerbach fotografierte die Pflanzen in ihren unterschiedlichen Wachstumsstadien und Bohn lieferte die Info-Texte. Wo genau die Fotos entstanden sind, möchte Hollerbach nicht verraten. Doch so viel sagt er: Nicht alle Orchideen wachsen abseits im Wald oder auf der Wiese: „Manche Fotos sind am Hang direkt neben einer Straße entstanden.“ Es lohnt sich also, beim nächsten Spaziergang aufmerksam zu sein. Manche Orchideen-Arten sind so unscheinbar, „man läuft oft einfach dran vorbei“, sagt Hollerbach. Oder aber man erkennt die Pflanze gar nicht als Orchidee, weil sie so ungewöhnlich aussieht. Wie der Vogel-Nestwurz. „Viele halten sie für eine verwelkte Pflanze vom Vorjahr“, sagt der Fotograf. Die Pflanze ist seltsam farblos und trägt nicht ein grünes Blatt. Sie ernährt sich nur mit Hilfe eines Pilzes und kann deshalb in dunklen Buchenmischwäldern wachsen.

In lichten Wäldern ist die Weiße Waldhyazinthe zuhause. Sie hat weiße, zarte Blüten. Zur Orchidee des Jahres 2017 hat der Arbeitskreis Heimische Orchideen das Weiße Waldvöglein gekürt. Auch sie wächst auf der Alb, ihren Namen hat sie der Form ihrer Blüten zu verdanken, die mit etwas Fantasie tatsächlich an Vögel erinnert.

Manche Orchideen zeigen sich auch außergewöhnlich trickreich. Die haarige Blüte des Fliegen-Ragwurz beispielsweise sieht aus wie ein Grabwespenweibchen und lockt das Männchen an. Gefährliche Fallen bilden die Blüten des Frauenschuhs. Die Orchidee lockt durch Farbe und Geruch ihrer Blüten Insekten an. Sie kommen nur durch einen bestimmten Weg wieder aus dem Blütenkessel heraus und bestäuben so die Pflanze. Bis aus der Befruchtung eine neue blühfähige Pflanze entsteht, dauert es etwa 15 Jahre. Der Frauenschuh steht unter besonderem Schutz, weil die Bestände zurückgehen.

Fotos und Infos im Biosphärenzentrum

Um auf die Pflanzen aufmerksam zu machen, wählt der „Arbeitskreis heimische Orchidee“ jeden Herbst eine Orchidee des Jahres aus. 2017 ist es das Weiße Waldvögelein, das noch bis Ende Juni Hauptblütezeit hat.

Edles im Biosphärengebiet heißt eine Ausstellung im Biosphärenzen trum in Münsingen-Auingen (Von der Osten Straße 4). Zu sehen sind Fotos und Info-Tafeln zu wilden Orchideen auf der Alb. Geöffnet ist die Schau noch bis 19. Juni.⇥del

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06.06.2017, 06:00 Uhr
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