Aus die Maus in Breitenholz

Totes Nagetier bremste zwei Wochen lang die Ammertalbahn aus

Von Uschi Hahn

Ein Nagetier legte vor über zwei Wochen die Elektrik der Schranken am Breitenholzer Bahnhof lahm. Seither ist die Ammertalbahn ausgebremst.

Totes Nagetier bremste zwei Wochen lang die Ammertalbahn aus

Die Ammertalbahn, hier bei Entringen, sorgt immer wieder für Verdruss bei den Fahrgästen. Archivbild: Metz

Die Maus bezahlte ihre Neugierde mit dem Leben. Schon vor den Herbstferien war das Nagetier in einen Schaltkasten am Bahnübergang in Breitenholz geklettert und hatte so einen Kurzschluss verursacht. Die verschmorte Maus war schnell als Täterin identifiziert. Die Folgen für den Zugverkehr zwischen Tübingen und Herrenberg aber sind bis jetzt nicht behoben.

Elektronik nachhaltig beschädigt

Durch den Kurzschluss wurde die Elektronik der Schranken am ehemaligen Breitenholzer Bahnhof so beschädigt, dass sie nicht mehr automatisch schließen, wenn sich ein Zug nähert. Seither müssen die Lokführer der Ammertalbahn aus beiden Richtungen kurz vor dem Übergang einen Stopp einlegen und so die Schranken-Schließung auslösen. „Das kostet jedes Mal zwei Minuten“, sagt Dieter Braun, Verkehrsexperte im Tübinger Landratsamt und Geschäftsführer des kommunalen Zweckverbands für den öffentlichen Nahverkehr im Ammertal.

Zwei Minuten hört sich nach nicht viel an. Aber die Verspätungen „schaukeln sich auf“, so Braun. Zumal die eingleisige Strecke nur zwei Möglichkeiten bietet, an denen sich Züge begegnen können. Es könne sogar sein, so Braun, dass der Fahrdienstleiter mal einen Zug gar nicht fahren lässt, damit der Halbstundentakt in der nächsten Runde wieder halbwegs eingehalten werden kann.

Verspätungen schaukeln sich auf

Für Berufspendler wie Uwe Reutter, der täglich vom Tübinger Westbahnhof mit der Ammertalbahn nach Herrenberg fährt, um dort in die S-Bahn nach Stuttgart-Vaihingen umzusteigen, ist das mehr als ärgerlich. Durch die Vorverlegung der S-Bahn-Abfahrtszeiten sei der Umstieg sowieso schon schwierig, nun müsse man täglich damit rechnen, „dass man noch eine halbe Stunde früher fahren muss, um rechtzeitig am Ziel zu sein“, beschwert er sich in einem Brief, den er auch ans TAGBLATT geschickt hat.

Braun hat auf der Homepage der Ammertalbahn inzwischen eine Erklärung für die Verspätungen veröffentlicht, in der er die Fahrgäste um Entschuldigung bittet. Die Reparatur sei „nicht in wenigen Tagen möglich“ gewesen, „weil es sich um ein altes und seltenes System handelt“. Auf TAGBLATT-Anfrage konkretisierte Braun das. Bei dem Kurzschluss sei eine „x-mal gelötete Platine“ zerstört worden. „Die muss voll unter Strom gestanden haben. So etwas gibt es heute gar nicht mehr“, weiß Braun mittlerweile. Deshalb habe es zwei Wochen gedauert, das Ersatzteil zu beschaffen. Am heutigen Mittwoch, verspricht der Ammertalbahn-Geschäftsführer, soll der Reparaturtrupp kommen. „Ab Donnerstag sollte alles wieder funktionieren.“

Viele Bahnübergänge noch mit alter Technik

Aber hat der von den Landkreisen Tübingen und Böblingen getragene Zweckverband in den vergangenen Jahren nicht etliche 100.000 Euro in die Erneuerung der Leit- und Sicherheitstechnik auf der Ammertalbahn investiert? In beinahe jeden Ferien ruhte deshalb der Zugverkehr. Die Fahrgäste mussten auf Ersatzbusse umsteigen. Das sei richtig, räumt Braun ein. Doch von den insgesamt 25 Bahnübergängen seien dabei nur die fünf großen mit moderner Technik ausgestattet worden. Bei den kleineren wie dem in Breitenholz hat man es bei der „autonomen Technik mit Sensorschleifen“ belassen. Zwar sei es auch bisher immer mal zu Störungen an der längst überholten Elektrik gekommen. Die aber habe man stets innerhalb kurzer Zeit beheben können, erklärt Braun.

„Das hat uns kalt erwischt“, sagt der Zuständige im Landratsamt deshalb über die Mausattacke. Aber man habe aus dem Kurzschluss in Breitenholz gelernt und einen „Plan aufgestellt, wie wir die Übergänge nach und nach erneuern“, versichert Dieter Braun.


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07.11.2017 - 22:05 Uhr