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Massenmord

Todesangst in der Stadt des Lasters

Das Blutbad auf einem Festival hat das Spielerparadies Las Vegas in einen Ort des Schreckens verwandelt.

04.10.2017
  • PETER DETHIER

Las Vegas. Dort vorne ragt es auf, das „Mandalay Bay Resort and Casino“. Weiträumig abgesperrt schimmert sein kaltes Gold in den Oktoberabend. Zwei ausgezackte Löcher klaffen in der perfekten Oberfläche. Hier hämmerte Stephen Paddock, wohl mit einem Spezialwerkzeug, zwei Löcher in die raumschiffgleiche Außenhaut, hinter der er Podeste für seine Gewehre errichtet hatte. Dann zog er den Abzug. Nur zum Nachladen ließ er los. Solange, bis die Waffe angeblich so stark rauchte, dass sie den Feueralarm auslöste. Er alleine dort oben in seinem Zimmer, mitten in der „Stadt der Sünde“. Mehr als 20 000 Feiernde unten, beim Country-Konzert.

Mindestens 59 Tote und 527 Verletzte, so lautet die vorläufige Bilanz der schlimmsten Schießerei in der US-Geschichte. Über Paddocks Motive wird noch spekuliert. Hinweise auf eine Verbindung zu radikalislamischen Organisationen findet die Polizei keine. Erste Verdachtsmomente konzentrieren sich auf die Möglichkeit, dass Paddock, der in Las Vegas jeden Tag mehr als zehntausend Dollar auf Pokerspiele gesetzt haben soll, womöglich sein ganzes Geld verwettet hat. FBI-Experten meinen aber, dass er dann wohl kaum so gut vorbereitet gewesen wäre und mindestens 23 Schusswaffen in mehr als zehn Koffern in sein Hotelzimmer geschafft hat, darunter Sturmgewehre mit Zielfernrohr.

Shami Espinoza aus Kalifornien, die zusammen mit zwei Freundinnen ein Wochenende in der Spielermetropole verbracht hatte, beschrieb Bilder, „wie man sie sonst nur aus einem Kriegsfilm kennt“. Ein Trommelfeuer nach dem anderen, überall Blut, schreiende Mütter und Väter, die sich auf ihre Kinder legten, um sie vor dem Kugelhagel zu schützen. „Wir fürchteten jede Sekunde um unser Leben,“ erzählt Espinoza, die mit den Freundinnen in ein Straßenkiosk flüchten konnte. Während einer Feuerpause kletterten sie über einen Zaun: „Wir rannten so schnell wir konnten, denn es ging um Leben und Tod.“

„Wildfremde haben sich ineinander gekrallt, Schutz gesucht, aber den gab es nicht“, berichtet Sarah Macvaughan aus Chicago. „Es dauerte ewig.“ Sarah stand ganz vorne an der Bühne. „So ein friedliches Festival war das, schöne drei Tage.“

Hunderttausende Touristen fluten diese Stadt unaufhörlich. Die Freiflächen zwischen den großen Hotels sind oft Schauplatz großer Festivals und fröhlicher Veranstaltungen.

Am Sonntag waren viele Ausgänge des Country-Festivals zugleich seine Eingänge. Als die Schüsse fielen und zunächst keiner wusste, woher, rannten verängstigte Menschen wieder zum Eingang – dorthin, wo sie hergekommen waren. Sie flohen ihrem Tod entgegen. Auch das ist ein Grund, warum die Opferzahl so hoch ist.

Die großen Menschenmassen machen Las Vegas zu einem der verwundbarsten weichen Ziele der Welt. Dies ist der Ort, an dem man fast überall fast alles darf, was in den sonst regelstrengen USA nur abgezirkelt erlaubt ist. Alkohol trinken auf der Straße, Rauchen in Innenräumen. Waffen haben und Waffen tragen, gilt doch in Las Vegas eines der laxesten Waffengesetze. Mit religiöser Inbrunst wird es verteidigt.

Und jetzt? Wird alles anders im Spielerparadies? Teke Nelis ist aus Eritrea, eigentlich ein fröhlicher Mensch, und er fährt schon sehr lange Menschen durch Las Vegas. „Es ist furchtbar für Vegas. Schlecht für alles. Dabei hatte der Mann doch alles, was er brauchte, oder? Ein Haus und Geld! Und er war doch Amerikaner!“

Stunden nach dem Massenmord ist es warm in der Stadt des Lasters. In den riesigen Hotels, diesen unfassbaren Milliardenmaschinen umfängt einen auch heute das immergleiche, stoische Halbdunkel, es ist nur noch etwas bizarrer. Slotmaschinen rasseln. An hinteren Wänden diskrete Aufforderungen zum Blutspenden. Peter DeThier mit dpa

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04.10.2017, 06:00 Uhr
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