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Auferstehung kurz nach Weihnachten

Tigers siegen nach unglaublichem Finish mit 96:94

Wie Weihnachten und Ostern an einem Tag: Nach einem grandiosen Endspurt drehten die Walter Tigers Tübingen gestern in Bonn ein schon verloren geglaubtes Spiel. Beim 96:94 (49:55) bescherte sich der Basketball-Bundesligist selbst.

28.12.2012
  • hansjörg lösel

Bonn. Wunder gibt es immer wieder – für die Walter Tigers war am 27. Dezember nachträgliche Weihnachts-Bescherung. Das Team von Igor Perovic triumphierte in Bonn nach einem Finale furioso mit 96:94 und holte einen fast aussichtslosen Rückstand auf. Fast 50 mitgereiste Fans waren aus dem Häuschen, warteten nach Spielschluss vor der Kabine auf ihre Lieblinge.

90 Sekunden vor Schluss rechnete niemand mehr mit einem Tigers-Erfolg, als Bonn mit 94:84 führte. Doch die Tigers setzten wie schon gegen Berlin zu einem Endspurt an, der es in sich hatte – diesmal auch mit Happy-End: Tyrone Nash und Josh Young setzten Bonn mit zwei Dreiern unter Druck, Reggie Redding verkürzte nach verwandeltem Bonus-Freiwurf auf 93:94.

Nach einem weiteren Bonner Angriff ohne Erfolg hatte Tübingen Ballbesitz, und dem überragenden Nash gelang Sekunden vor Schluss das 95:94. Nachdem der 24-jährige Tübinger auch den Bonus-Freiwurf zum 96:94 verwandelt hatte, mussten die Tigers noch einige bange Sekunden überstehen – doch der letzte Dreier von Benas Veikalas verfehlte den Korb, die Tigers durften feiern.

Zeit für weihnachtliche Gefühle: „Wir haben den Glauben nie verloren“, ließ Johannes Lischka nach dem Sieg seine Facebook-Freunde wissen. Der 25-Jährige überzeugte trotz seiner Verletzung aus dem Berlin-Spiel, stellte mit elf von zwölf verwandelten Freiwürfen sogar eine persönliche Bestleistung auf. Einen Ausfall Lischkas hätten die Tigers kaum verkraften können: Tübingen spielte nur mit einer Achter-Rotation, dabei kamen Oehle (8:01 Minuten) und Wells (14:08) nur sporadisch zum Einsatz, neben Lischka (25:00) bekamen die Leistungsträger Duggins (34:31), Redding (34:49), Young (29:59), Nash (27:28) und Frease (26:05) kaum Verschnaufpausen.

Tübingen hatte vor 5400 Zuschauern im Telekom-Dome stark begonnen, besonders Tyrone Nash und Reggie Redding glänzten zu Beginn: Die ersten acht Tigers-Punkte machte allesamt Nash, der im ersten Viertel alleine 12 Punkte schaffte. Redding überzeugte derweil als Vorbereiter, legte fünf Assists in den ersten zehn Minuten auf. Nach dem 13:7 durch Frease bat Bonns Coach Mike Koch zur Auszeit, doch die Tigers blieben vorn. Young gelang der erste Dreier der Partie zum 22:17, Duggins sorgte ebenfalls aus der Distanz für die 25:21-Führung nach dem ersten Viertel.

Im zweiten Durchgang begann Robert Oehle auf der Center-Position, musste aber gleich zum Einstand ein Drei-Punkt-Spiel von Bonns Routinier Chris Ensminger hinnehmen. Der Tigers-Vorsprung schmolz dahin, auch weil die Tübinger aus einem Unsportlichen Foul von David McCray kaum Kapital schlugen. Fabian Thülig glich für Bonn zum 34:34 aus und brachte sein Team beim 39:36 anschließend erstmals im gesamten Spiel in Führung. Jetzt wirbelten die Telekom-Magentas die Tigers ordentlich durcheinander: Bonn entschied das zweite Viertel mit 34:24 für sich, Jared Jordan verbuchte bereits beim Seitenwechsel 9 Assists.

Im zerfahrenen dritten Viertel sank die auf beiden Seiten überragende Trefferquote, der Tübinger Rückstand pendelte sich bei etwa zehn Punkten ein. Beim 71:59 für Bonn gelangen Lischka sechs Punkte in Serie, Bonn ging dank McCray mit einem 73:65-Vorsprung in die letzten zehn Minuten. Als 8:17 Minuten vor Schluss Ensminger (bis dahin schon 16 Punkte) mit dem vierten Foul auf die Bank ging, schöpften die Tigers wieder Hoffnung. Beim 80:77 für Bonn vergab Young jedoch die Chance zum Ausgleich. Der Dreier von Robert Vaden zum 89:82 und Vadens Freiwurf wenig später zum 90:82 für Bonn taten den Tübingern weh. Doch die Tigers schafften das Comeback – und damit die ideale Vorlage für das Fernseh-Derby am Sonntag (18.05 Uhr) gegen Ulm.

Tigers siegen nach unglaublichem Finish mit 96:94
Matchwinner Tyrone Nash: Dem Tigers-Flügelspieler gelangen gestern 12 Punkte allein im ersten Viertel – und der entscheidende Korb kurz vor Schluss.Archivbild: Ulmer

Mike Koch, Trainer Bonn: „Tübingen hat uns das Spiel mehrmals auf dem Tablett präsentiert und wir haben es nicht genommen. Am Ende haben wir kopflos agiert. Das Spiel wurde am Ende im Kopf verloren, da hat sich Tübingen cleverer präsentiert.“
Igor Perovic, (Trainer Walter Tigers Tübingen): „ Bonn war über 90 Prozent der Spielzeit besser, doch manchmal gewinnt das bessere Team eben nicht. Wir haben schon gegen Berlin ein tolles Comeback hingelegt, was unbelohnt blieb. Heute hatte Benas Veikalas den letzten Wurf, doch manchmal ist Basketball so bitter, dass ein guter Werfer den Schuss nicht verwandelt.“

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28.12.2012, 12:00 Uhr
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