The Circle

The Circle

Von Christian Fahrenbach, dpa

Nach dem Bestseller von Dave Eggers knöpft sich der Thriller die Folgen totaler Transparenz im digitalen Zeitalter vor.

The Circle

Jede Bewegung wird überwacht, Privatsphäre gibt es nicht mehr – und die Menschen scheint das gar nicht zu stören. In seinem Roman „The Circle“ beschreibt Dave Eggers ein riesiges soziales Netzwerk, das die düstersten Überwachungs- und Selbstentblößungsfunktionen von Google, Facebook und Co. in einem einzigen Unternehmen zusammenfasst. Als das Buch vor drei Jahren hierzulande erschien, schoss es an die Spitze der Bestsellerlisten. Jetzt startet die Verfilmung in den Kinos.

Im Zentrum der Geschichte steht Mae (Emma Watson), eine Mittzwanzigerin, deren Freundin ihr ein Vorstellungsgespräch beim heißesten Internet-Giganten „The Circle“ im Silicon Valley verschafft und sie so aus ihrem öden Büroleben befreit. Mae ist vom Leben auf dem „Campus“ genannten Firmengelände angetan, schnell steigt sie intern zum Liebling des väterlichen Chefs Eamon Bailey (Tom Hanks) auf. Alte Freunde und ein in Ungnade verfallener früherer Mitarbeiter warnen sie aber vor den Allmachtsfantasien des überdrehten Unternehmens, bis es beinahe zu spät ist.

Möglicherweise hätte der Regisseur James Ponsoldt aus dieser zeitgemäßen Geschichte einen hübschen und kritischen Film drehen können, eine Kinoversion der exzellent technokritischen Serie „Black Mirror“. Ponsoldt hat schon mit kleineren Budgets für die Coming-of-Age-Romanze „The Spectacular Now“ oder den David-Foster-Wallace-Interviewfilm „The End of the Tour“ bewiesen, dass er intim und eindringlich inszenieren kann.

Auch eine bis in die Nebenrollen exzellente Besetzung mit vielen Schauspielern auf dem aktuellen Zenit ihrer Karriere sollte für den Film sprechen: Die Hauptdarstellerin Emma Watson ist nach „Die Schöne und das Biest“ derzeit eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen weltweit, John Boyega startet mit „Star Wars“ und „Detroit“ durch, und Tom Hanks passt ohnehin hervorragend zur Rolle als gütiger Firmenchef mit möglicherweise zwielichtigen Motiven.

Sie alle bekommen aber von Ponsoldt und Eggers ein so dermaßen unausgegorenes Drehbuch um die Ohren gehauen, dass es schnell zum Ärgernis wird. Watson muss ständig besorgt auf ihren Computerbildschirm starren, ihre Begeisterung für den „Circle“ kommt genauso aus dem Nichts wie zuvor die behauptete Orientierungslosigkeit ihres Charakters.

Boyega dagegen steht während Firmenpräsentationen stets besorgt im Halbdunkel riesiger Säle, und nicht einmal der extrem charmante Ellar Coltrane aus „Boyhood“ schafft es, seiner Rolle als Kindheitsfreund der Hauptfigur Leben einzuhauchen. Er muss plump den Es-gibt-sie-noch-die-guten-Dinge-Naturfreund von Mae geben und Sätze sagen wie: „Früher hatten wir offline Spaß.“

Es gäbe auch in einem satirisch angehauchten Film viel zu erzählen zum Stoff von „The Circle“, zur Technikgläubigkeit unserer Gesellschaft und zur Wahrscheinlichkeit von Ideen wie Wahlberechtigung dank Social-Media-Profilen. Aber nie kommt die unausgegorene Mischung aus Thriller, Satire und Drama über das Offensichtliche hinaus: Alle Technikfirmen sind böse, und wir Nutzer geben uns ihnen nur allzu gerne hin.

Trotz Besetzung mit Tom Hanks und Emma Watson bleibt das Drehbuch der Literaturverfilmung dürftig.


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07.09.2017 - 09:11 Uhr