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Test für Migration gegen Fachkräftemangel
Ein Mitarbeiter der MAN Turbo AG beim Fräsen von Kleinteilen. Foto: imago stock&people Foto: imago stock&people
Zuwandern mit 100 Punkten

Test für Migration gegen Fachkräftemangel

Die deutsche Wirtschaft hat großen Bedarf an Fachkräften. Die Politik soll deshalb den Zuzug aus Nicht-EU-Ländern erleichtern. Ein erster Test läuft bereits – in Baden-Württemberg.

03.11.2017
  • TANJA WOLTER

Berlin. Noch lassen sich die Nutzer des Modellprojekts „PuMa“ an zwei Händen abzählen. Drei Erzieherinnen aus Südamerika und ein Zahntechniker aus Osteuropa sind darunter. Sie gehören zu den ersten acht Fachkräften aus Ländern außerhalb der EU, die über ein neuartiges Punktemodell den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt geschafft haben, ähnlich wie es Kanada oder Neuseeland praktizieren. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) lässt sich von der noch kleinen Zahl nicht aus der Ruhe bringen. „Wir sehen, dass es gelingen kann“, sagt Tobias Pieper, der in der Regionaldirektion Baden-Württemberg für die Fachkräftesicherung zuständig ist. Er spricht von „Neuland“, dass man mit PuMa betreten habe.

Das bundesweit einzigartige Programm wurde vor einem Jahr von der damaligen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und der BA in Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Ziel ist es, „neue Erkenntnisse für die künftige Ausrichtung der Fachkräftezuwanderung zu gewinnen“. Nahles wird der neuen Bundesregierung zwar nicht angehören. Aber die Jamaika-Verhandler diskutieren auch ohne Zutun der SPD, die Einwanderung neu zu regeln und dabei auch den Zuzug von Fachkräften aus Drittstaaten zu erleichtern. Selbst die Union, die sich viele Jahre gegen ein Einwanderungsgesetz sträubte, ist offen dafür. Nur bei der Ausgestaltung gibt es noch Differenzen.

Aktuell sind rund 2,4 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos, doch Angebot und Nachfrage passen oft nicht zusammen. Viele Unternehmen klagen, dass sie nicht genügend Fachkräfte und Spezialisten finden. Daran hat auch der Zuzug von Flüchtlingen zunächst wenig geändert, denn ihnen fehlt meistens die notwendige Qualifikation. Sofern es bei der guten Konjunktur bleibt, wird die Alterung der Gesellschaft die Forderung der Wirtschaft nach mehr ausländischen Fachkräften noch verstärken. Und auch die Bundesagentur für Arbeit setzt auf Zuwanderung, um Wirtschaftsstärke und Wohlstand in Deutschland abzusichern.

Test für Migration gegen Fachkräftemangel
Foto: SWP GRAFIK
Möglichkeiten der Migration in den deutschen Arbeitsmarkt aus Drittstaaten – also nicht aus der EU, dem Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz – gibt es auch heute schon. 2016 zählte das Statistische Bundesamt 147 630 entsprechende Aufenthaltserlaubnisse. Die Hürden sind aber recht hoch und die Verfahren kompliziert. So gilt die 2012 eingeführte „Blaue Karte“ nur für Akademiker, die einen Arbeitsvertrag mit einem Bruttojahresgehalt von mindestens 50 800 Euro in der Tasche haben. Nur in „Mangelberufen“ reichen bereits 39 624 Euro. 

Für Nicht-Akademiker gibt es seit 2013 eine „Positivliste“, in der alle Berufe vermerkt sind, bei denen Unternehmen Besetzungsprobleme haben. Grundlage ist die „Fachkräfteengpassanalyse“ der Bundesarbeitsagentur, die zuletzt im Juni aktualisiert wurde. Größere Lücken sieht die Behörde „in einigen technischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen“. Auf der aktuellen Liste vermerkt sind etwa Bauelektriker, Mechatroniker, Maurer, Programmierer und Altenpfleger. Hält die BA es für „arbeitsmarkt- und integrationspolitisch verantwortbar“, dass ein ausländischer Bewerber eine offene Stelle bekommt, und wird seine Ausbildung in Deutschland anerkannt, kann eine Arbeitserlaubnis erteilt werden. Ohne Prüfung, ob für den Job nicht auch ein inländischer Arbeitnehmer in Frage kommt.

PuMa geht einen anderen Weg. „Es ist kein Rekrutierungsmodell für offene Stellen“, betont Tobias Pieper von der BA-Regionaldirektion. Vielmehr stehe der Mensch im Mittelpunkt. Eine anerkannte Ausbildung ist zwar Voraussetzung, aber es muss kein „Mangelberuf“ sein. Erforderlich sind 100 Punkte und ein Jobangebot, um zuwandern zu dürfen. Die Punkte können vor allem über Deutschkenntnisse, aber auch über frühere Aufenthalte in Deutschland oder durch verwandtschaftliche Bindungen erworben werden. 100 Punkte heißt: hohe Integrationsfähigkeit.

Eine Blaupause für ein künftiges Einwanderungsgesetz? Zumindest eine Ansatzmöglichkeit. Für eine Bewertung sei es aber zu früh, erklärt das Bundesarbeitsministerium. Einen Zwischenbericht soll es Mitte 2018 geben. Nur so viel: 80 Fachkräfte aus Drittstaaten seien bisher beraten worden. Bei letztlich acht Zugewanderten hat die Vermittlung also in jedem zehnten Fall geklappt.

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03.11.2017, 06:00 Uhr
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