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Verschleiß einkalkuliert

Studie: Haltbarkeit von Elektrogeräten verkürzt - Branche dementiert

Hersteller von Elektrogeräten in der Kritik: Vorzeitiger Verschleiß ist immer häufiger geplant, heißt es in einer Studie, die die Grünen in Auftrag gaben. Die Hersteller widersprechen heftig.

21.03.2013
  • AFP/DPA

Berlin Die Industrie plant bei Elektrogeräten einer Studie zufolge immer häufiger den frühen Verschleiß der Produkte mit ein. Hauptursache für die "viel kürzere Haltbarkeit" einer Vielzahl an Produkten seien die wirtschaftlichen Anreize im Markt, heißt es in der Untersuchung im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion. Folge seien Belastungen für Verbraucher, die gesamte Volkswirtschaft und die Umwelt.

Um welche Fälle geht es? Kritiker hegen seit längerem den Verdacht, dass eine begrenzte Lebenszeit von Produkten kein reiner Zufall sein könne - und halten den Herstellern geplante "Obsoleszenz" vor, also ein beabsichtigtes Veralten von Druckern oder Waschmaschinen.

Teils seien Bauteile von vornherein "funktionell unterdimensioniert". Bekämen Handmixer etwa robustere Kunststoffzahnräder, könnten sie nicht nur drei Jahre durchhalten, sondern viel länger. "Produkte mit eingebautem Akku sind automatisch auf die Lebenszeit des Akkus selbst begrenzt", sagt Studienautor Stefan Schridde, bei dessen Initiative "Murks? Nein danke!" Nach eigenen Angaben sind bereits 2000 Hinweise eingegangen.

Welche Folgen werden kritisiert? "Die Leidtragenden sind die Verbraucher, die gezwungen sind, in immer kürzeren Abständen neue Produkte zu kaufen", kritisiert die Studie. Dabei gehe es nicht nur um die Konstruktion. So meldeten Tintenstrahldruckern nach gewisser Ausdrucke-Menge Wartungsbedarf an, obwohl sie nach Zurückstellen des Zählers dann doch funktionierten. Andere Geräte hätten sehr empfindliche Oberflächen, die sie rasch älter aussehen ließen. Daraus resultierten "immense Müllberge", die zu fatalen Umwelt- und Gesundheitsproblemen führten, sagt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Dorothea Steiner.

Welche Gegenmaßnahmen werden gefordert? "Das ist ja kein Naturgesetz, dass Schrottteile verbaut werden, die dann zu einem schnellen Ableben von Produkten führen", sagt die Grünen-Verbraucherexpertin Nicole Maisch. Beim Gewährleistungsrecht sei daher zu überlegen, ob Hersteller die Benutzbarkeit für länger als die bisherigen zwei Jahre garantieren müssten.

Studien-Autor Schridde sagt, Kunden sollten sich schriftlich bestätigen lassen, dass Ersatzteile mindestens noch fünf Jahre zu haben sind.

Die Grünen-Umweltexpertin Dorothea Steiner forderte technische Vorgaben für eine längere Haltbarkeit von Produkten. Viele Menschen wollten defekte Geräte auch wieder reparieren können. "Reparieren ist besser als recyceln", erklärte Steiner. Die Industrie müsse umdenken.

Teilt das Verbraucherschutzministerium die Kritik? Eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums sagte, dem Ministerium lägen "keine Kenntnisse" über Fälle von geplantem Verschleiß vor. "Verbraucher, die diesen Verdacht haben, können sich an Verbraucherzentralen wenden."

Was sagen die Hersteller? Die Branche weist die Vorwürfe zurück. "Qualität ist ein sehr wichtiges Kaufkriterium, und sie beeinflusst stark die Markentreue", sagt Werner Scholz, Geschäftsführer im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). "Ein Verbraucher, dessen Waschmaschine schon nach relativ kurzer Zeit kaputt geht, wird das nächste Gerät sicherlich von einem anderen Hersteller kaufen." Im Wettbewerb könne sich das keiner leisten.

Überhaupt seien Mixer und Co. sogar langlebig. Von 180 Mio. Elektro-Geräten in deutschen Haushalten seien 75 Mio. älter als zehn Jahre und 31 Mio. seit 14 Jahren oder länger im Einsatz.

Studie: Haltbarkeit von Elektrogeräten verkürzt - Branche dementiert
Endstation Schrottplatz oder: Könnten Elektrogeräte länger leben, wenn die Hersteller dies nur wollten? Foto: afp

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21.03.2013, 12:00 Uhr
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