Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Am Reden gehindert

Studenten störten eine Veranstaltung über Sicherheitspolitik

Das Thema des Vortrags war die globale Abschaffung aller Atomwaffen. Aber weil es im Rahmen einer Veranstaltung zu Sicherheitspolitik stand, wurde Wolfgang Ischinger gestern in der Uni von protestierenden Studenten massiv am Reden gehindert.

16.04.2010
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Der frühere Diplomat und heutige Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger war am Nachmittag als prominenter Redner eines „Sicherheitspolitischen Forums“ vorgesehen, für das die Universität den Raum des Großen Senats in der Neuen Aula zur Verfügung gestellt hatte. Veranstalter war die Tübinger Gruppe des Bundesverbands Sicherheitspolitik an Hochschulen, einer Vereinigung von Bundeswehr-Reservisten an Universitäten, der auch „Nichtgediente“ angehören, in Tübingen insgesamt etwa 50.

Unter den Referenten des öffentlichen, mit weniger als 40 ernsthaften Teilnehmern jedoch schwach besuchten Forums war auch die abrüstungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag Agnes Malczak. Ischinger, der eigens für seinen Vortrag nachmittags aus München eingeflogen war, sollte über „Global Zero“ sprechen, eine internationale Initiative von (ehemaligen) Politikern und anderen Prominenten zur Abschaffung aller Atomwaffen. Er selbst ist einer der Unterzeichner.

Doch der Redner kam gar nicht erst zu Wort. Eine Gruppe von etwa 30 Studierenden und Mitgliedern des Friedensplenums protestierte lautstark gegen seinen Auftritt. Er vertrete „eines der schlimmsten Kriegstreiber-Foren“, wurde Ischinger angebrüllt, während neben dem Wappen der „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ ein Transparent „Zivilklausel“ entfaltet wurde (siehe Kasten). Ein Student nannte es „eine Zumutung“, dass die Veranstaltung von der Uni unterstützt werde; „solche Figuren“ (wie Ischinger) dürften gar nicht eingeladen werden. Applaus und Gejohle.

Ischinger reagierte gelassen, bat nach einiger Zeit des lautstarken Tumults darum, man möge ihm ein paar Minuten zuhören. „Nö, Ihrem Gebrabbel höre ich nicht zu!“ rief ein Student und genoss die feixende Zustimmung seiner Gruppe. Ein anderer schrie, „dass wir Sie nicht haben wollen hier an der Uni“. Eine Teilnehmerin zeigte sich schockiert darüber, dass „eine Minderheit solche Veranstaltungen verhindert“. Gelächter. Ischinger machte mehrere Diskussionsangebote, „auch über die Sicherheitskonferenz“, wurde aber entweder niedergeschrien oder durch Gackern, Quaken und Radiomusik gestört. Er komme sich vor „wie im Kindergarten“, sagte er.

Nach erfolglosen Versuchen der Veranstalter, die Protestler zu beruhigen, ergriff der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Thomas Nielebock (ein Befürworter der Zivilklausel) beherzt das Mikrofon und wies die Studenten zurecht: Die Uni lebe davon, dass gestritten wird, aber nach Regeln. Im übrigen sollten sie froh sein, dass jemand „aus der Elite“ sich die Sache der nuklearen Abrüstung zu eigen gemacht habe.

Erst kurz vor dem Ende von Ischingers Vortragszeit zogen die Störer ab – zum Rektorat. Dort diskutierten sie mit Rektor Bernd Engler im Freien eine Stunde lang über einen anderen Konfliktfall mit der Zivilklausel: ein Seminar bei den Ethnologen (siehe Artikel unten).

Zivilklausel verpflichtet zu „friedlichen Zwecken“

In ihrem Protest gegen das Auftreten von Personen und Veranstaltern an der Uni, die als militärnah eingeschätzt werden, berufen sich die antimilitaristischen Studierenden auf die neue „Zivilklausel“ in der Grundordnung der Universität. Sie wurde aufgrund einer Forderung der Kupferbau-Besetzer im vergangenen Dezember in die Grundordnung eingefügt und im Uni-Senat bestätigt.

Die Zivilklausel lautet: „Lehre, Forschung und Studium an der Universität sollen friedlichen Zwecken dienen, das Zusammenleben der Völker bereichern und im Bewusstsein der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen erfolgen.“

Studenten störten eine Veranstaltung über Sicherheitspolitik
Von Störern niedergeschrien: Der Diplomat und Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger. Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.04.2010, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb

Umfrage zu vollen Altstadtgassen

Zur Chocolart strömten über 250.000 Besucher in die Tübinger Altstadtgassen. Wie finden Sie das?
679 abgegebene Stimmen
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Medizintechnik - Schrittmacher der Region Neckar-Alb
Neueste Artikel
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular