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Prämien für Obstbäume

Streuobstwiesen in schlechtem Zustand - Land bezuschusst Pflege

Äpfel und Birnen vom eigenen Gütle - Baden-Württemberg ist das Land der Streuobstwiesen. Seit Jahrzehnten verschwindet das ökologisch wertvolle Grün, Bäume werden kaum gepflegt Das Land will gegensteuern.

26.08.2014
  • von ALFRED WIEDEMANN

Schwäbisch Gmünd Apfelbäume, verstreut über die Wiese, Hochstämme, die die Ernte nicht so einfach machen - das sind die Streuobstwiesen. Auch wenn in den vergangenen 50 Jahren schätzungsweise die Hälfte der Bäume im Südwesten abgeholzt wurden, hat das Land bis heute mehr als 110 000 Hektar und die größten zusammenhängenden Streuobstflächen in ganz Europa. Schön für die Landschaft und auch für die Natur: Rund 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten finden in diesen Biotopen Nahrung und Unterschlupf. Grünspecht, Wendehals und Siebenschläfer, Fledermäuse und Igel, Bienen, Hummeln und Schmetterlinge leben in den artenreichen Ökosystemen.

Mehr als die Hälfte der Streuobstwiesen ist in Privatbesitz, doch vielen der Besitzer ist die Lust auf die Pflege ihrer Bäume inzwischen vergangen. Zu mühsam, zu unwirtschaftlich. 80 Prozent der Bestände sind schlecht oder gar nicht mehr gepflegt, schätzen Obstbaufachleute. Dagegen will das Land mit Fördergeld angehen: 15 Euro für jeden Baum können von Herbst an für fachgerechte Schnittpflege beantragt werden.

"Zum Erhalt der Wiesen und zur Verbesserung des Pflegezustands", sei öffentliches Geld gut eingesetzt, sagte Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) gestern im Streuobstzentrum auf der Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) beim Vorstellen des neuen Streuobstkonzepts. Streuobstwiesen seien wichtiges Genreservoir, auch touristisch wichtige Kulturlandschaft und sie lieferten dazu einen großen Teil des Grundstoffs für heimische Säfte und Schnäpse.

Die Baumschnitt-Förderung des Landes sei ein "völlig neuer Schritt." Bonde rechnet 2015 mit bis zu einer Million Euro, die abgerufen werden. Dass mindestens drei Gütlesbesitzer mit zusammen mindestens 50 Bäumen zusammenschirren müssen für einen Antrag, sei keine hohe bürokratische Hürde, sagt Martin Mager vom Bezirksverband der Gmünder Obst- und Gartenbauvereine. "Da helfen unsere Vereine." Zwei Schnitte in fünf Jahren werden bezuschusst. Das reiche, um ungepflegte Obstbaumwiesen wieder fit zu machen - "für 20 Jahre", urteilt Ulrich Mayr von der Sortenerhaltungszentrale beim Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee. "Apfelbäume können schnell revitalisiert werden."

Für Landwirte gibt es für Streuobstwiesen Geld aus dem EU-Förderprogramm für Argrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (Fakt). Auch über die Landschaftspflegerichtlinie können sie Unterstützung beantragen. Zehn Millionen Euro mehr jedes Jahr plant das Land für Agrarumweltmaßnahmen und Landschaftspflege in Schutzgebieten insgesamt ein. Beim Vermarkten regionaler Streuoobstprodukte will das Land helfen, eine Koordinationsstelle soll Vereine und Initiativen besser bündeln.

Für das Aufstocken der Fördermittel und die neuen Baumschnitt-Zuschüsse für Nicht-Landwirte lobt der Naturschutzbund (Nabu) in Stuttgart die grün-rote Landesregierung. Viele der Obstbäume hätten Pflege dringend nötig, das Förderprogramm "setzt an der richtigen Stelle an", sagte der Nabu-Landesvorsitzende Andre Baumann. Allerdings fordert der Nabu schon seit langem, dass Streuobstwiesen unter Biotopschutz gestellt werden. "Nicht zum Gängeln der Landwirte, sondern um die Wiesen vor dem Abholzen für Neubaugebiete zu bewahren." Streuobstwiesen liegen oft direkt um die Dörfer herum, sie sind die ersten Grünflächen, die gerodet werden, wenn am Ortsrand Bauland gebraucht wird. Abgeholzt wurde auch viel für Straßenbau und Flurbereinigung.

Minister Bonde lehnt aber generellen Schutz für Streuobstwiesen ab. Er verwies gestern auf das Bundesnaturschutzgesetz - und darauf, dass der schlechte Zustand der Apfel- und Birnbäume drängend sei. Und das Problem werde mit dem neuen Förderprogramm angepackt.

Streuobstwiesen in schlechtem Zustand - Land bezuschusst Pflege
Die Ernte wird gut in diesem Jahr. Wo die Gütle gepflegt sind, sind die Bäume voller Äpfel. Leider ist vielen Besitzern das Umtereiben ihrer Streuobstwiesen vergangen - zu mühsam, zu wenig lohnend. Das Land will gegensteuern. Foto: dpa

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26.08.2014, 12:00 Uhr
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