Zoff in Stuttgarter CDU

Streit über Beteiligung an Bordell

Von DOMINIQUE LEIBBRAND

Schatzmeister der CDU Stuttgart hält Anteile an Dreifarbenhaus. Die Vize-Kreischefin fordert seinen Rücktritt.

Stuttgart. Bei der Stuttgarter CDU knirscht es gewaltig. Stein des Anstoßes ist der Umstand, dass Schatzmeister Eberhard Graf finanziell am Dreifarbenhaus, Stuttgarts größtem Bordell in zentraler Innenstadtlage, beteiligt ist. Das war durch einen Bericht der Stuttgarter Zeitung öffentlich geworden. Als Reaktion darauf kündigte die Vize-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete, Karin Maag, auf der jüngsten Vorstandssitzung an, ihr Parteiamt abzugeben, sollte Graf Schatzmeister bleiben.

Auf Anfrage bestätigt Maag die Drohung, in Hinblick auf die laufende interne Klärung wolle sie sich jedoch nicht weiter äußern. Bei der nächsten Vorstandssitzung am 4. Dezember soll die Angelegenheit erneut debattiert werden. Wie man hört, sind die Einschätzungen zu dem Thema im zehnköpfigen Vorstand unterschiedlich.

Maag sitzt seit 2009 für den Stuttgarter Wahlkreis II im Bundestag. Seit langem setzt sich die 55-Jährige für bessere Rahmenbedingungen und eine strengere Reglementierung in der Prostitution ein. Als es 2016 darum ging, das Prostitutionsgesetz zu verschärfen, brachte sich die Abgeordnete stark ein, sie engagiert sich zudem für ein Verbot von käuflichem Sex, wenngleich sie es derzeit für nicht durchsetzbar hält.

Es gehe um ihre persönliche Glaubwürdigkeit, hat die Vize-Kreisvorsitzende ihren Protest gegen Graf intern begründet. Sie halte es zudem für unangemessen, dass ein Vorstandsmitglied der CDU an einem Bordellbetrieb mitverdient.

Konkret ist Eberhard Graf finanziell an einer Immobiliengesellschaft beteiligt, die Eigentümerin des über die Stadtgrenzen hinweg bekannten Puffs ist. Dem Vernehmen nach soll er seine Anteile geerbt haben – in welchem Umfang, ist unbekannt. Auf die Bitte nach einer Stellungnahme reagierte Graf nicht. Intern soll er argumentieren, dass die Sache seine Privatsache sei. 2016 war Graf zum Schatzmeister gewählt worden – offenbar aufgrund seiner Qualifikationen. Er arbeitete für mehrere Banken und betätigt sich, mittlerweile im Ruhestand, als Unternehmensberater.

Der CDU-Kreisvorsitzende, Stefan Kaufmann, will nun offenbar noch einmal das Gespräch mit Graf suchen. Eine Anfrage dieser Zeitung ließen er und sein Pressesprecher am Mittwoch unbeantwortet. Dominique Leibbrand


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09.11.2017 - 06:00 Uhr