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Kinder, Küche, Kuhstall, Praxis

Stephanie Schimpf ist Landwirtin und Arzthelferin

Die Landwirtin Stephanie Schimpf melkt täglich 35 Kühe, versorgt ihre drei Kinder, macht den Papierkram für den Hof und kümmert sich um die Kartoffelvermarktung. Außerdem ist die 36-jährige Remmingsheimerin Zweite Vorsitzende des Landfrauenverbandes Tübingen und arbeitet an drei Vormittagen pro Woche als Arzthelferin in einer Rottenburger Praxis.

26.02.2013
  • Hete Henning

Rottenburg. Wenn Stephanie Schimpf ihren Arbeitstag schildert, bekommt der Begriff „kuhnacht“ eine ganz neue Bedeutung. Um 4.45 Uhr – in Winter ist es da noch stockfinster – geht sie in den Stall, die 35 Kühe melken und die Kälber füttern. Danach weckt die 36-Jährige ihre Kinder, geht unter die Dusche, zieht sich was anderes an und läuft um 6.45 Uhr zum Bäcker. Nach dem Frühstück gehen ihre drei Kinder zur Schule und sie um 7.30 Uhr zur Arbeit: An drei Vormittagen pro Woche arbeitet die Remmingsheimerin als Arzthelferin in einer Rottenburger Praxis, ein Beruf, der seit einigen Jahren „Medizinische Fachangestellte“ heißt und den sie „brutal gern gelernt“ hat.

Dass Stephanie Schimpf 2001, nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, eine Ausbildung zur Nebenerwerbslandwirtin begann und sie drei Jahre später, nach der Geburt ihrer Jüngsten, mit der Gesellenprüfung für Landwirte abschloss, hat nichts mit einem etwa vererbten Landwirtschafts-Gen zu tun. „Mein Vater war Busfahrer, meine Mutter Verkäuferin“, sagt Schimpf, „ich bin in Tübingen und Nehren aufgewachsen und hatte ursprünglich mit Landwirtschaft nichts zu tun.“ Bis sie im „Krokodil“ ihren Mann Wolfgang Schimpf kennenlernte, zehn Jahre älter als sie und mit einer Ausbildung als Landmaschinenmechaniker im Rücken. Nach 15 Jahren bei Daimler übernahm Wolfgang Schimpf den elterlichen Hof in Remmingsheim, mit einem Kuhstall mitten im Ort und etwa 80 Hektar Grünland und Ackerfläche.

Die grundsätzliche Arbeitsteilung ist relativ klar umrissen: Er kümmert sich um den Ackerbau und (bis aufs Melken) um den Stall, der inklusive der Aufzuchtrinder 80 Tiere beherbergt. Sie macht den Papierkram, der bei so einem Vollerwerbsbetrieb anfällt, kümmert sich um die Kinder, die Milchkühe, die Kälber und die Küche – und sorgt dafür, dass im Sommer die Kartoffelkunden zuverlässig bedient werden.

2,5 Hektar ihrer Fläche haben die Schimpfs für den Kartoffelanbau reserviert, eine Tradition, die der vor sieben Jahren verstorbene Helmut Schimpf begründete: In den Sommermonaten, von Juli bis September, fallen die Frühkartoffeln der Sorte Annabell an. Zweimal wöchentlich, an den praxisfreien Tagen, fährt Stephanie Schimpf dann den festen Kundenstamm von Privathaushalten in Mössingen, Öschingen und Belsen an, den ihr Schwiegervater seit Ende der siebziger Jahre aufbaute. „Die Mindestmenge bei den Frühkartoffeln sind zweieinhalb Kilo“, sagt die Landwirtin. Im Herbst, wenn die Lagerkartoffeln mit Namen wie Selma, Granola, Belana und Selena reif sind, nehmen die Kunden größere Mengen, so viel, wie sie eben einkellern können. „Ende Oktober ist das meiste weg.“

Mittags, nach dem Kochen und dem gemeinsamen Essen, und bevor sie um 17 Uhr wieder zum Melken im Stall steht, widmet sich Stephanie Schimpf dem, was sonst so anfällt. Das kann im Sommer die Feldarbeit sein, hin und wieder fallen auch Bauangelegenheiten im Zusammenhang mit em Hof an, und bei den Landfrauen ist die Remmingsheimerin ja auch noch. Mit 36 Jahren gehört sie zu den Nesthäkchen im Tübinger Landfrauenverband, der dem Kreisbauernverband angegliedert ist und zu dem sie über ein Seminar kam, in dem sie 2005 sich zur Agrarbürofachfrau ausbilden ließ. „Ein halbes Jahr später war ich schon Beisitzerin bei den Landfrauen im Kreis Tübingen,“ sagt Schimpf, zu deren Aufgaben unter anderem die Organisation des Kreislandfrauentages am 5. März in der Stäblehalle mit 200 bis 300 Teilnehmerinnen ist. Seit Januar ist sie auch Vorstandsmitglied im Landfrauensprengel Neustetten.

Das Veranstaltungsspektrum der Landfrauen reicht von Vorträgen über wärmende Wickel bis hin zu Seminaren für Kommunalpolitikerinnen. Zu den Zielen des Verbandes mit seinen landesweit 85 000 Mitgliedern gehören etwa die Chancengleichheit für Kinder in Stadt und Land, die Förderung der allgemeinen Erwachsenenbildung und die soziale Absicherung für Frauen. Eine eigenständige Landwirtschaft müsse frau nicht haben, um Mitglied zu werden, wirbt Schimpf, „das haben nur noch ganz wenige von uns“.

Von der Landwirtschaft abgekoppelt sind die Landfrauentermine aber nicht. Im Hochsommer, „wenn der Mähdrescher läuft“, sind keine Kurse und Funktionärstreffen. Im Sommer, sagt Stephanie Schmidt, ist auf dem Hof „in der Regel nicht vor 21 Uhr“ Feierabend. Über zu viel Arbeit klagt die Landwirtin nicht, „mich kriegt man eigentlich nur ganz schwer klein“, sagt sie. Wenn‘s eng wird, kümmert sich ihr Mann gelegentlich ums Melken oder die Küche. „Der kriegt beim Kochen auch mal was hin.“

Stephanie Schimpf ist Landwirtin und Arzthelferin
Als Landwirtin und Medizinische Fachangestellte führt Stephanie Schimpf aus Remmingsheim ein Doppelleben. Bild: Metz

Stephanie Schimpf ist Landwirtin und Arzthelferin

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26.02.2013, 12:00 Uhr
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