Strom und Erdgas werden teurer

Steigende Energie-Preise bei den Tübinger Stadtwerken

Von Gernot Stegert

Die Stadtwerke Tübingen erhöhen die verbrauchsabhängigen Preise.

Steigende Energie-Preise bei den Tübinger Stadtwerken

Archivbild: blende11.photo - Fotolia.com

Die meisten Kunden der Stadtwerke Tübingen (SWT) müssen ab 1. Januar 2018 mehr für Strom und Gas bezahlen als bisher. Sie haben aber Einfluss auf ihre Rechnung: Denn die Grundpreise bleiben bei fast allen Tarifen stabil, steigen werden die vom Verbrauch abhängigen Arbeitspreise. Das teilten die SWT mit. Einige Stromtarife verteuern sich um maximal vier bis fünf Prozent. Bei den Erdgastarifen liegt die Steigerung bei sechs bis sieben Prozent. Bei kleineren Verbrauchsmengen fallen die Steigerungen geringer aus.

Der Strom wird je nach Tarif 0,8 bis 1,5 Cent pro Kilowattstunde teurer, steigt zum Beispiel von 28,04 Cent auf 29,59 Cent je Kilowattstunde. Ein Tübinger Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden zahlt künftig in der Grundversorgung 39 Euro mehr im Jahr.

Die Gründe liegen nicht bei den Stadtwerken. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (siehe Grafik) machen Beschaffung und Vertrieb nur ein Fünftel des Strompreises aus. Ein Viertel kosten die Netze. Und mehr als die Hälfte kassiert der Staat durch Steuern und Abgaben. In den vergangenen Jahren sind die Kosten der Stadtwerke für Beschaffung und Vertrieb sogar jedes Jahr im Schnitt um 2 Prozent gesunken, berichtet Geschäftsführer Achim Kötzle, während die Steuern und Abgaben jeweils um 7 Prozent und die Netzentgelte um fast 8 Prozent gestiegen seien.

Für die Berechnung der Strompreise für 2018 schlugen vor allem höhere Netzentgelte durch, so Kötzle gegenüber dem TAGBLATT. Zwar sinke die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfreulicherweise von 6,88 Cent auf 6,79 Cent je Kilowattstunde, „das aber wird leider aufgefressen von etwas höheren Beschaffungskosten“.

Entscheidend sei, dass die Netznutzungsentgelte angezogen haben. Für die großen Trassen der Übertragungsnetze („die Bundesstraßen“, so Kötzle) stiegen die Kosten um 13 Prozent, womit sie im Südwesten höher sind als in weiten Teilen Deutschlands. Diese Kosten sind nicht bundesweit einheitlich, sondern in vier Zonen aufgeteilt. Auch die regionalen Netzentgelte („die Landesstraßen“) steigen um 13 Prozent. Das eigene Netz („die Kommunalstraßen“) werde um 15 Prozent teurer, vor allem durch Investitionen. Die erhöhte Netzstabilität und die sichere Stromversorgung habe ihren Preis, so Kötzle. Im SWT-Stromnetz seien die Ausfallzeiten kürzer als im Bundesdurchschnitt.

Der Arbeitspreis bei Erdgas erhöht sich in den meisten Tarifen um 0,42 Cent pro Kilowattstunde, zum Beispiel von 5,53 Cent auf 5,95 Cent. Erdgaskunden zahlen bei einem Verbrauch von 15000 Kilowattstunden rund 63 Euro mehr pro Jahr. Allerdings: Die Preise sind immer noch niedriger als in den Jahren 2012 bis 2016. 2017 hatte es eine starke Senkung gegeben.

Den hohen Anteil erneuerbarer Energien am Mix TüStrom haben die Stadtwerke bei 65 Prozent gehalten. Dieser ist nicht zu verwechseln mit den 50 Prozent selbst erzeugten Stroms. Die Differenz sind Zukäufe. „Unser Strommix verursacht nicht einmal halb so viele CO2-Emissionen wie der deutschlandweite Durchschnitt“, so Kötzle. Der Wert liege bei 214 Gramm pro Kilowattstunde, der Bundesdurchschnitt weise 471 Gramm aus.


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07.11.2017 - 21:00 Uhr