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24.11.2015

Unser Gastkritiker Haimo Kinzler aus Tübingen ist Autor und Zeichner von Comic-Büchern („Wüttner“) sowie Simpsons-Fan der ersten Stunde.

Zu Beginn der Vorstellung lässt es sich Homer Simpson nicht nehmen, die Zuschauer als erbärmliche Verlierer zu beschimpfen, weil sie ihr Geld für eine Kinokarte ausgeben, wo es die Simpsons doch gratis im Fernsehen gibt (der ganze Saal johlt). Und, wie um der Häme eine zusätzliche Spitze zu verleihen, rauscht einmal tatsächlich mitten im Film das Motto des (deutschen) Deppensenders durchs Bild, der die intelligenteste, künstlerisch perfekteste und kompromissloseste Fernsehserie der Welt als „Gelbe Chaoten“ im Programm hat: We love to entertain you!

Der Plot ist schnell umrissen: Homer Simpson verschuldet den drohenden Untergang seiner Heimatstadt Springfield und flieht mitsamt Familie nach Alaska. Dort will man mit den 1000 Dollar Begrüßungsgeld, das die Ölkonzerne den Einwohnern bezahlen, um im Gegenzug die Naturschönheiten zerstören zu dürfen, einen Neuanfang wagen. Als dieser scheitert, kehrt Homer, von Schuldgefühlen und Reue geplagt, zurück und rettet Springfield in allerletzter Sekunde vor der Vernichtung. Ende.

Damit ähnelt der Film tatsächlich einer normalen TV-Folge, wenn auch im XXL-Format. Gewohnt ist auch die Umsetzung: Filmzitate, Genreparodien und Querverweise in die Wirklichkeit (Al Gores Klimakampagne!) lösen einander in atemloser Hast ab. Ein guter Gag jagt den nächsten, der meist noch besser ist.

Der offensichtliche Unterschied zur Fernseh-Version besteht in der technischen Umsetzung: Die immer noch von Hand gezeichneten Bilder wurden am Computer bearbeitet und sind schlicht ohne Makel. Um der großen Kinoleinwand standzuhalten, wurden die Figuren zudem mit plastischen Schatten ausgestattet, die sie räumlicher erscheinen lassen. Dass die geleckten dreidimensionalen Produkte der heute üblichen CGI-Technik vielleicht optisch überzeugender daherkommen, kümmert nicht: Nur die gute, alte Zeichnung, der man den künstlerischen Schaffensprozess ansieht, gebietet wahren Respekt!

Und Respekt muss man diesem Film zollen, denn er bietet in jeder Sekunde Komik vom Feinsten, dargereicht in unglaublicher Präzision. Einen Durchhänger, wie er sich bei den meisten Komödien zur Filmmitte hin einstellt, wenn sich das Publikum fürs erste satt gelacht hat, gibt es nicht. Wer erwartet hat, dass die Macher das gewohnt hohe Simpsons-Tempo für die Kinoversion drosseln würden, um die Zuschauer nicht vorschnell zu ermüden, muss feststellen: Die Gags folgen eher noch dichter, die Zitate sind noch ausgefeilter, unsere Aufmerksamkeit wird noch deutlich mehr gefordert. Kurz: Dieses Werk ist ein kleines, ach was, ein großes Wunder!

Obendrein endlich mal ein Film, in dem Tom Hanks und Arnold Schwarzenegger gemeinsam auftreten (in ganz ungewohnten Rollen: einer als Schauspieler, der andere als Präsident – höhö!). Wer außerdem zum altmodischen Teil des Publikums gehört, der während des Abspanns nicht gleich panisch aus dem Kino rennt, erfährt noch, wieso die Springfielder die Melodie ihrer Hymne von den Franzosen geklaut haben. Zudem Nützliches in Form einer verblüffenden Antwort, wozu der Besuch einer Filmhochschule tatsächlich befähigt.

Und so etwas wie einen kompletten Filmabspann bekommt man auf dem schon erwähnten Deppensender ja auch nie zu Gesicht!

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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...  Der beste Film, den ich seit langem gesehen habe: Unterschiedliche Protagonisten versuchen jeder auf seine Art, sich durch das Menschenaffentum zu schlagen. Sie tun das mit Witz, Einfallsreichtum und Zusammenhalt. Zunächst will ihnen das auch gelingen, dann werden Ihnen doch zu viele Steine in den Weg gelegt. Die Aufnahmen der einzelnen Szenen sind grandios, die Musik ist spitze, und die Handlung ist bitter-böse-humorvoll. Gut fand ich die Szene, als der Typ bei der Polizei sitzt und die seine Finger anbscannen und seine Hand in einen Scanner legen. Und dann das Geräusch von diesem absurden Gerät in die Stille des Kinosaals hinein, super! Oder der Bulle, dessen Finger wie eine blinde Krähe über der Tastatur kreist, bevor sie dann gnadenlos zuschlägt
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