Nobelpreise

Spenden oder Spaß haben

Von DPA

Heute beginnt die Bekanntgabe der diesjährigen Nobel-Preisträger. Nicht alle Gewinner sagen gern, was sie mit dem üppigen Geldsegen anfangen.

Spenden oder Spaß haben

Albert Einstein (oben) vererbte den Preis, bevor er ihn erhielt. Barack Obama (links) spendete sein Geld, Foto:epd

Stockholm. Ernest Hemingway soll zu seiner Frau ins Bett gekrochen sein und geflüstert haben: „Ich hab das Ding gewonnen.“ – „Welches Ding?“ – „Das schwedische Ding.“ Er sprach vom Literaturnobelpreis – doch so richtig begeistert war er wohl nicht. Kurz soll Hemingway erwogen haben, abzusagen. Bis er überlegte, was er mit dem Preisgeld anfangen kann.

Die Nobelpreise gelten als die wichtigsten Auszeichnungen im jeweiligen Gebiet. Die diesjährigen Gewinner werden von Montag an bekanntgegeben. Die Preise bringen Anerkennung und Aufmerksamkeit und ein Dinner mit Schwedens König. Doch eben auch ein hübsches Sümmchen: Neun Millionen Kronen (940 000 Euro) werden 2017 in jeder der sechs Kategorien (Frieden, Literatur, Wirtschaft, Physik, Chemie und Physiologie/ Medizin) vergeben. Was tun die Laureaten mit dem plötzlichen Geldsegen?

„Die Nobel-Stiftung macht keine Vor- oder Ratschläge, wie das Preisgeld ausgegeben werden sollte“, betont eine Sprecherin. Ob die Preisträger es für ihre Arbeit oder privat nutzen, habe man nicht im Blick. Von vielen ist das trotzdem bekannt – auch wenn sie es erst Jahre später und oft etwas zögerlich verraten.

Besonders gern sprechen Preisträger darüber, wenn sie wohltätige Zwecke unterstützen. Das tun viele, besonders die Träger des Friedensnobelpreises. Der letztjährige Gewinner, Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, gab sein Preisgeld an die Opfer des Bürgerkriegs in dem südamerikanischen Land.

Die Europäische Union, die den Friedensnobelpreis 2012 bekam, verdoppelte das Preisgeld kurzerhand und half über das UN-Kinderhilfswerk Unicef rund 23 000 Flüchtlingskindern. Barack Obama gab sein Preisgeld Organisationen, die unter anderem Kriegsveteranen, arme Studenten und Erdbebenopfer von Haiti unterstützen.

Oft hängt persönliches Schicksal an der Entscheidung. So stiftete der Biochemiker Günter Blobel, der als Kind die Bombardierung Dresdens miterlebte, das Geld seines Medizinnobelpreises 1999 für den Wiederaufbau der Frauenkirche und den Neubau der Dresdner Synagoge.

Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch sagte, sie wolle das Schreiben ihrer nächsten Bücher finanzieren. Auch der Physikerin Marie Curie ermöglichte der Nobelpreis weitere Arbeit: Sie gewann später noch einen zweiten. Andere dagegen investieren in Immobilien, die Familie – und den eigenen Spaß.

Medizin-Nobelpreisträger Paul Nurse zum Beispiel soll ein schnelles Motorrad gekauft haben, Wirtschaftsnobelpreisträger Franco Modigliani eine größere Jacht. Genau das werde sie bestimmt nicht tun, versicherte Herta Müller nach ihrem Literaturnobelpreis – behielt ihre wahren Pläne aber für sich.

Medizinnobelpreis-Laureat Richard Roberts spendete einen Teil und ließ vom Rest in seinem Garten ein riesiges Feld für das Spiel Croquet anlegen. „Ich wollte schon immer eins und dies schien die einzige Gelegenheit, mir das zu leisten“, sagte er.

Über die Höhe des Preisgeldes entscheidet die Nobel-Stiftung, denn sie ist abhängig vom Zinsertrag der Stiftung. Das Geld darf in jeder Kategorie auf maximal drei Personen aufgeteilt werden, ausgezahlt wird es erst nach der Nobelpreis-Vorlesung.

2011 wurde das Preisgeld für das Folgejahr vorausschauend von 10 auf 8 Millionen Kronen gekürzt. Am Mittwoch gab die Stiftung bekannt, dass in diesem Jahr wieder je eine Million Kronen mehr vergeben werden. „In einer Zeit, in der Wissen und Fakten infrage gestellt werden, sind diese Werte wichtiger denn je“, begründete die Stiftung die Erhöhung.

Vorausschauend kann man auch Nobelpreisträger Albert Einstein und mehr noch seine erste Frau Mileva nennen. In den Scheidungspapieren bekamen sie und die Kinder das gesamte Preisgeld eines Nobelpreises zugesprochen – zwei Jahre bevor der Physiker die Auszeichnung 1921 dann auch tatsächlich gewann. Wofür Hemingway am Ende sein Preisgeld ausgab, ist übrigens nicht genau bekannt. Theresa Münch, dpa


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02.10.2017 - 06:00 Uhr