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Fluchtträume und Problembomber

Sommeratelier in Shedhalle führt in vielfältige Welten

Kitsch, Horror und Problembomber: Im Sommeratelier in der Shedhalle ist nichts, wie es scheint. Am Dienstagabend präsentierten die Künstler/innen ihre Arbeiten.

03.09.2011
  • Dorothee Hermann

Tübingen. Den Traum vom Weggehen inszeniert die Tübinger Künstlerin Susanne Vangerow als kunterbuntes Strandbild. Vor ihrer spielerischen Rauminstallation in der Tübinger Shedhalle kann man nur schwer entscheiden, welches Detail einen am meisten amüsiert: der Liegestuhl mit dem Rosenmuster, auf dem man sich niederlassen darf – oder die Hollywoodschaukel ohne Bodenhaftung, die die Künstlerkollegen Reinhardt Maier und Gernot Hloch beisteuerten.

"GleichZeit": Ein Besuch beim No-Budget-Festival

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"GleichZeit": Ein Besuch beim No-Budget-Festival --

01:41 min

Man kann nicht sicher sein, welches Gefühl sich auf der schwebenden Plattform einstellt: endlich schwerelos oder nah am Absturz? Derart schwankende Realitäten zu erzeugen, dürfte sehr im Sinne der Sommeratelier-Organisatoren vom Medienfestival „plattform: no budget“ sein.

Die Ware Schwein wird wahrgenommen

„Interaktiv, für Kinder und für Erwachsene“, wollte Vangerow arbeiten. Es gibt kleine Stückchen Sandstrand mit Muscheln, Kieseln und, als Fremdkörper, dicken Tannenzapfen. Die Künstlerin kennt auch die Kehrseite sommerlicher Fluchten: Wenn „Leute, die im Alltag so normal funktionieren“, im Urlaub plötzlich aufdrehen, könne das auch etwas Bedrohliches haben, sagt sie. Diese Kehrseite zeigt sich auf den Fotos, die sie unlängst auf Ibiza aufgenommen hat, in der Tradition des britischen Fotografen Martin Parr, der mit bizarren Alltagsszenen bekannt wurde.

Auf die blutige Geschichte der Shedhalle als Schlachthof bezieht sich Hartmut Kiewerts Monumentalbild „meat the past“. Der Künstler, Jahrgang 1980, will die inzwischen an einen anderen Ort verlegten Schlachtungen wieder sichtbar machen. Wie an den Ringelschwänzchen aufgehängt, konfrontieren 15 gefühlt lebensgroße Schweine kopfunter den Betrachter.

„Man riecht die Schweine ja immer noch“, bemerkt eine Besucherin. „Wenn man vor dem Bild steht, erst recht.“ Der Maler will „die meistens warenförmig vermittelte Mensch-Tier-Beziehung wieder rückkoppeln“ – um erneut das einzelne Tier wahrzunehmen.

Sommeratelier in Shedhalle führt in vielfältige Welten
Auf „Meat the Past“ des Malers Hartmut Kiewert (im blauen Overall) sind die Schweine zurück im ehemaligen Schlachthof Shedhalle.Bild:Faden

Auf einem Laptop hat Kiewert die Entstehungsstadien des Bildes dokumentiert. Auf dem Monitor bringt sich seltsamerweise der umgebende Raum, die Architektur viel stärker ins Spiel, als wenn man unmittelbar vor den überaus realistisch wirkenden Schweinen steht.

Der Maler verwendet Ölfarbe auf Gerüstplane. Durch das Plastik verändert sich die Leuchtkraft der Farbe, sagt Kiewert. Gleichzeitig kann er die Farbe nicht so dick auftragen wie auf Leinwand, „weil sonst alles abblättern würde“. So bringe das Industriematerial eine eigene Ästhetik und eine eigene Maltechnik hervor, findet er.

Gleich nebenan hat Sarah Younan aus Cardiff ihr schwarzes Kabinett. Manche Besucher scheuen sich, durch die schwarzen Vorhänge zu treten. Drinnen tönt eine Stimme aus einem leicht verzerrten Gesicht. Younan hat ein Video ihres eigenen Gesichts auf einen Klumpen Ton projiziert. „Touch me, I want to be your baby“, sagt die Stimme.

Liegt ein Hauch Panik oder ein Hauch Ironie darin? Rechnet sie mit Übergriffen, die entgleisen können? Wer das Gesicht tatsächlich berührt, verändert oder entstellt es damit und formt es gnadenlos nach den eigenen Vorstellungen. Andererseits spürt man erst bei der Berührung, aus welchem Material der Bildträger ist.

„Pädagogische Mitmachperformance“ nennt Dominic Memmel aus Mainz-Kastel seine „Problemberatungsstelle“. Weil es in Ersten Welt keine richtigen Probleme mehr gibt, können sich Besucher ein maßgeschneidertes bei ihm abholen. „Du hast nur langweilige Probleme? Hier bekommst du exklusiv ein neues Problem erstellt.“

Wer es nicht so individuell braucht, kauft einfach ein Problemlos. Die radikale Lösung heißt „Bomb your Problem!“ nach dem Motto „Aufschreiben und wegbomben!“ Es riecht schon ein bisschen brandig in dieser Ecke.

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03.09.2011, 12:00 Uhr
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