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„Soko Tierschutz“ wirft Max-Planck-Direktor Strafvereitelung und Nötigung vor
Dieses Bild eines Makaken im Gehege machte TAGBLATT-Fotograf Ulrich Metz während einer offiziellen Besichtigung des Tübinger Max-Planck-Instituts für Biologische Kybernetik im Februar 2015.
„Auf der Stelle zerstören“

„Soko Tierschutz“ wirft Max-Planck-Direktor Strafvereitelung und Nötigung vor

Hat der Tübinger Max-Planck-Forscher Nikos Logothetis seine Mitarbeiter angewiesen, Fotos und Videos über Affenversuche zu vernichten? Das behauptet zumindest die „Soko Tierschutz“ und stellte Anzeige bei der Tübinger Staatsanwaltschaft. Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik bestreitet die Vorwürfe.

09.08.2016
  • Ulrich Janssen

Tübingen. Für Friedrich Mülln, den Gründer der „Soko Tierschutz“, ist der Fall klar: Prof. Nikos Logothetis, Direktor am Tübinger Max- Planck-Institut für biologische Kybernetik, habe kurz nach einer „Stern-TV“-Veröffentlichung über Affenversuche an seinem Institut Beweismaterial vernichten lassen. Als Beleg führt er Aufnahmen von E-Mails an, die der „Soko“ anonym zugespielt worden seien. Sie sollen zeigen, dass Logothetis seine Mitarbeiter aufgefordert habe, Bilder und Videos von Tierversuchen und beteiligten Personen zu löschen.

Wörtlich habe Logothetis am 23. September 2014, also 13 Tage nach Ausstrahlung der Sendung, seinen Mitarbeitern geschrieben, dass das Filmen in der Abteilung streng verboten sei. „Es ist absolut nicht erlaubt, Filme oder Fotos von Versuchsanordnungen oder Personen zu machen.“ Weiter heißt es in der in englischer Sprache geschriebenen Mail, die dem TAGBLATT vorliegt: „Wenn Sie solche Fotos/Filme gemacht haben, zerstören Sie sie auf der Stelle. Bitte beachten Sie: Es wird ernste Konsequenzen haben für jeden, der diese Nachricht nicht beachtet.“

In anderen Mails, die der Soko zugespielt wurden, gehe es darum, wie man dem, von der Soko eingeschleusten Tierpfleger nachweisen könne, dass er seine Aufnahmen von den Affen manipuliert habe. Insgesamt habe es sich um knapp ein Dutzend Screenshots gehandelt, die von einem Whistleblower gezielt fotografiert und verschickt worden seien. Der Soko-Gründer übermittelte sie am Montag der Tübinger Staatsanwaltschaft und stellte zugleich Anzeige gegen Logothetis wegen Strafvereitelung und Nötigung. Er ist sicher: „Durch diesen Löschbefehl wurden erhebliche Mengen an relevantem Beweismaterial über Zwischenfälle, mangelnde Freiwilligkeit und mangelnde Pflege der Tiere beseitigt.“ Für Mülln ist es auch verwunderlich, dass die Forscher, die stets an der Beweiskraft der heimlich gemachten Tierschützer-Videos gezweifelt hätten, „ihr eigenes Bildmaterial lieber vernichten, als es den Ermittlern zur Verfügung zu stellen.“

Die Tübinger Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Anzeige, wollte sich zum Inhalt aber noch nicht äußern. „Wir prüfen das“, erklärte Sprecherin Tatjana Grgic. Prinzipiell könnten anonym zugespielte E-Mails zwar vor Gericht verwendet werden, allerdings müssten sie „den Anschein erwecken, echt zu sein“. Theoretisch stehen auf Strafvereitelung und Nötigung bis zu fünf Jahre Haft.

Das Max-Planck-Institut räumte gegenüber dem TAGBLATT ein, dass es eine Mail mit dem genannten Inhalt gegeben habe. Pressereferentin Christina Bornschein verwahrte sich aber entschieden gegen die Deutung durch die Soko. Mit der Mail habe Logothetis nur daran erinnern wollen, dass es prinzipiell verboten sei, mit privaten Smartphones oder Kameras Aufnahmen von Personen oder Versuchen zu machen. Dies sei völlig normal und auch in anderen Forschungsinstituten so üblich. Es diene unter anderem dem Schutz vor Ausspähung durch die Konkurrenz.

Dass die Mail so kurz nach der bundesweit Aufsehen erregenden „Stern-TV“-Veröffentlichung verschickt wurde, sei reiner Zufall. Bornschein erklärte, dass ihres Wissens nach nicht der Fernsehbericht, sondern ein interner Vorfall der Grund für die Mail gewesen sei: „Ich gehe davon aus, dass die Mail nichts mit dem Fernsehbericht zu tun hatte.“ Bornschein erinnerte daran, dass der Staatsanwaltschaft umfangreiche Dokumentationen der Tierversuche übergeben worden seien. Und: „Wir haben keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Dokumentationen gelöscht und somit der Staatsanwaltschaft vorenthalten wurden.“ Nikos Logothetis hält sich derzeit in den USA auf und war am Dienstag nicht zu erreichen.

Mit versteckt gefilmten Aufnahmen von Versuchstieren hatte ein Tierpfleger im September 2014 bundesweit heftige Diskussionen über die Tierversuche am Max- Planck-Institut ausgelöst. In einer „Stern-TV“-Sendung waren Bilder von Affen gezeigt worden, die versuchten, sich ein Implantat aus dem Kopf zu reißen. Die Tierschützer warfen den Wissenschaftlern um Prof. Nikos Logothetis vor, für ihre Forschungen Affen zu quälen.

Schon kurz nach der Sendung hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen, um möglichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz nachzugehen. Im Rahmen ihrer Untersuchungen ließ sie am 27. Januar 2015 die Räumlichkeiten des Instituts durchsuchen und beschlagnahmte Videos und anderes Material. Die Ergebnisse der Ermittlungen werden seit April 2016 von einem Gutachter geprüft.

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09.08.2016, 20:30 Uhr
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