Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
„Lasst die Affen frei“

SoKo mobilisiert 800 Leute zur Demo gegen Tierversuche (mit Video)

Friedlich protestierten am Samstag rund 800 Gegner von Tierversuchen. Sie bildeten eine Menschenkette um das Max-Planck-Institut in Tübingen.

21.12.2014
  • von Wolfgang Albers

Großdemo gegen Primatenversuche

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Großdemo gegen Primatenversuche --

03:47 min

Tübingen. Für Christian Geiser, einen veganen Becker aus Kufstein, war es keine Frage, sich am Samstag auf die lange Reise nach Tübingen zu machen: „Die SoKo Tierschutz ist eine hervorragende Organisation, da ist es wichtig, dass wir ihre Arbeit unterstützen.“ Sogar aus Polen waren zwei Frauen gekommen: „Wegen Stella, die jetzt tot ist.“

Stella war eine Affendame am Max-Planck-Institut (MPI), das für seine Forschung auch Versuche mit Rhesus-Affen macht. Darüber hatte Stern-TV im September berichtet und dabei Aufnahmen verwendet, die von der Soko Tierschutz gemacht sein sollen, einem Verein, der seitdem eine Kampagne gegen das MPI fährt und am Samstag zu seiner dritten Demonstration aufgerufen hatte.

Anfangs hatten sich gut 300 Menschen vor der Neuen Aula versammelt, viele Junge, aber auch einige Ältere. Was für Friedrich Mülln, den Vorsitzenden der SoKo Tierschutz, ein Beleg ist, dass der Protest mittlerweile in die ganze Gesellschaft reiche. Viele waren weit angereist: aus Hamburg, aber auch eine 30-köpfige Gruppe aus der Schweiz. „Tierversuche gibt es überall“, sagte Mülln, „aber Tübingen ist zu einem Symbol für Versuche mit Affen geworden.“

SoKo mobilisiert 800 Leute zur Demo gegen Tierversuche (mit Video)
Tierschützer aus nah und fern prangerten am Samstag bei ihrem Protestmarsch von der Neuen Aula in Tübingen zum Max-Planck-Institut Versuche mit Affen an. Bild: Faden

Der Protest dagegen ist oft emotional. Vom Lautsprecherwagen stimmte ein junger Mann mit sich fast überschlagender Stimme die Menge ein: „Die MPI-Forscher lügen! Sie tun das nur für Geld und ihre Karriere. Haben sie schon irgendjemanden geheilt? Sie quälen nur Tiere um des Tiere-Quälens willen! Wir wollen dafür sorgen, dass dieses Massaker ein Ende findet.“ Mülln schwor dagegen die Demonstranten auf Besonnenheit ein: „Es gibt Leute, die uns nicht mögen, und es gibt auch unter uns Leute mit Wut. Aber wir gewinnen den Kampf gegen die Tierindustrie nur mit friedlichen Mitteln.“

Rund 800 waren es nach Polizeiangaben, die sich zum Zug die Waldhäuser Straße hinauf formierten. Mit einer Fülle von Bannern und Plakaten, die sich nicht nur gegen Tierversuche wendeten, sondern auch die Mitverantwortung der Grünen anprangerten. Ein Kreuz mit einer Affenpuppe wurde mitgeführt, und auch das MPI direkt angegriffen – als „Mord Pein Institut.“ Die Steigung hinderte die Demonstranten nicht daran, permanent Parolen zu rufen: „Eins, zwei, drei, lasst die Affen frei! Vier, fünf, sechs, das MPI muss weg.“ Laut und deutlich, aber friedlich.

Rainer Kaltenmark, der Leiter des Tübinger Ordnungsamtes, sah sich in seiner Einschätzung bestätigt: „Friedrich Mülln hat das im Griff.“ In den letzten Tagen hatte Kaltenmark als Pendeldiplomat mit dem MPI und der SoKo Tierschutz den Ablauf ausgehandelt. Ein Schotterplatz vor dem MPI war als Endpunkt der Demo ausgewiesen worden.

Auf dem Dach des Institutes sah man einige breitschultrige Herren – Security. Das Gelände war mit Absperrband umgeben, dahinter postierten sich nicht mehr die Tübinger Polizisten, die den Demozug begleitet hatten und in ihren gelben Warnwesten eher wie zivile Ordner aussahen, sondern Kollegen von der Göppinger Bereitschaftspolizei. Deren ausgebeulte Uniformjacken machten klar, dass sie auf mehr als verbale Konfrontation vorbereitet waren.

Aber sie konnten zusehen, wie die Menge sich still versammelte: „Wir wollen leise sein“, sagte Mülln. „Tränen in den Gesichtern – das ist es, was diesen Protest ausdrückt.“ Er machte klar, was er erwartet: Das Tübinger Regierungspräsidium solle endlich gegen das MPI vorgehen. „Es handelt sich um rechtsfreie Forschung und Versuche ohne Genehmigung. Wir wollen zeigen, dass der Protest nicht einschlafen wird.“

Für die Ärzte gegen Tierversuche sprach Lucie Braun der Forschung jeglichen Nutzen ab: „Die einzigen Nutznießer sind die Experimentatoren selbst, sie sich mit einer langen Liste von Veröffentlichungen profilieren.“ Für ARIWA (Animal Rights Watch) erinnerte Vorstandsmitglied Heiko Weber an Tierversuche überhaupt: „Im letzten Jahr sind drei Millionen Tiere für die Forschung getötet worden.“ Dann flammten Kerzen auf – die Demonstranten bildeten entlang des Absperrbandes eine Menschenkette. 35 Aktivisten harrten bis zum Morgen bei einer Mahnwache aus.

Die SoKo Tierschutz ist ein Verein mit Sitz in Augsburg. Friedrich Mülln hat ihn 2013 gegründet. Er ist seit langem als Undercover-Rechercheur gegen Missstände in der Tierhaltung tätig und hat etliche heimlich aufgenommene Filme bei verschiedensten Sendern untergebracht. So hat sich Friedrich Mülln unter anderem mit dem Geflügel-Konzern Wiesenhof angelegt. Da bleibt Gegenwind nicht aus. So gab es eine Verurteilung wegen heimlicher Bild-Aufnahmen. Und im Netz findet sich auch eine schwer einzuschätzende Kontroverse, in der Friedrich Mülln vorgeworfen wird, sich mit seinen Aktionen zu bereichern – was dieser als Rufmord zurückweist.
Siehe auch Tübingen : Tierversuchsgegner distanzieren sich von Anfeindungen gegen Forscher 07.05.2015 Hunderte Wissenschaftler haben schon unterzeichnet : Internetaufruf: Solidarität mit Hirnforscher Logothetis 07.05.2015Tübingen : Wissenschaftler stellen sich hinter Hirnforscher 06.05.2015Kein Ende der Versuche: Affenversuche könnten nach 2019 weitergehen / Max-Planck-Institut stoppt Umbau 06.05.2015Tübingen: Versuche an Affen sind weiter möglich 06.05.2015Kommentar · Tierversuche: Von Primaten und Formaten 05.05.2015Stuttgart: Ministerin Bauer: Tierversuche weiter nötig 05.05.2015München/Tübingen: Max-Planck-Gesellschaft will an Affenversuchen festhalten 04.05.2015Tübinger Forscher stellen Affenversuche ein: Künftig Experimente nur noch mit Nagetieren - OB Palmer bedauert Entscheidung 04.05.2015Hirnforscher Nikos Logothetis beendet seine Arbeit mit Affen: Max-Planck-Direktor will nur noch Versuche mit Nagetieren machen 01.05.2015Soko Tierschutz: Material wurde anonym zugespielt: Weitere Bilder zu Affenversuchen veröffentlicht 17.12.2014Tübingen : Behörde: Ergebnisse zu Affenversuchen erst im Januar 16.12.2014Umschauen verboten: Gegen Drohnen und Tierversuche - 30 Teilnehmer bei Demonstration vor dem MPI 05.10.2014Kriterien für Tierversuche: Kuratorium des Max-Planck-Instituts nennt Bedingungen und verteidigt Forscher 04.10.2014Selten so schockiert: Primatenforscherin Goodall zu MPI-Experimenten 29.09.2014Tübingen : Behörden prüfen Stellungnahme zu Tierversuchen am Max-Planck-Institut 24.09.2014Krähe mit Steckdose: Tierschützer kritisieren Forschung an der Uni 24.09.2014Schockierende Bilder: Palmer gab im Gemeinderat eine Stellungnahme zu den Affenversuchen ab 24.09.2014Polizei sucht den Täter: Steinwurf auf Palmer bei Tübinger Demo gegen Tierversuche 22.09.2014Sirenengeheul gegen Affenversuche: Tierschützer mobilisierten 1000 Teilnehmer für Demo - Auch Tübinger Grüne protestierten mit 21.09.2014Kommentar Demo: Aggressionen schaden dem Tierschutz 21.09.2014Stein trifft Palmer: Tierschützer bedrohen OB und MPI 21.09.2014Laut Polizei nur Verkehrsbehinderungen bei Tierschützer-Demo - OB berichtet von Steinewerfer: Bis zu 1200 Teilnehmer bei der Kundgebung gegen Tierversuche 20.09.2014Tierschützer bemängeln die Aufklärung: Stratmann und Palmer weisen Vorwürfe zurück / Bericht soll bald ans Regierungspräsidium gehen 19.09.2014Kommentar Tierversuche: Normalzustand: Implantat im Kopf 20.09.2014Konstanzer Professor im Interview zu den Tübinger Tierversuchen: Schluss mit der Augenwischerei 19.09.2014Umstrittene Affenversuche: Tübinger Max-Planck-Institut beantragt vorerst keine Primaten-Experimente mehr 19.09.2014Viel Augenwischerei: Der Biologe Marcel Leist zur Debatte um Affenversuche 19.09.2014Keine neuen Versuche am Tübinger Max-Planck-Institut: Erste Folgen der Debatte um Forschung an Affen 18.09.2014Kurzfristige Kontrolle: Debatte um MPI-Versuchsaffen geht weiter 18.09.2014Keine Hinweise auf Verstöße: Stefan Treue zur Situation der Versuchstiere am Max-Planck-Institut 17.09.2014Gutachter soll Vorwürfe gegen Max-Planck-Institut für Kybernetik klären: OB Palmer in der Kritik bei der Tierversuchs-Debatte 15.09.2014Regierungspräsidium fordert Auskunft über Affenversuche: Fragenkatalog ans Max-Planck-Institut geschickt 15.09.2014Viele Fragen zu Affen-Versuchen: Regierungspräsidium lud Max-Planck-Institut zum Gespräch 13.09.2014Grüne stellen Tübinger Affenversuche grundsätzlich infrage: Parteivorsitzende fordert Aufklärung vom Max-Planck-Institut 12.09.2014Versuchstiere gefilmt: Tierschützer schleuste sich im Tübinger Max-Planck-Institut ein 11.09.2014Hochschule erntet Kritik: Uni Hohenheim will zwei neue Labore für Tierversuche bauen 11.08.2014Stuttgart: Neun Prozent weniger Tierversuche 09.08.2014Stuttgart : Seit 2011 gut 15 Prozent weniger Tierversuche im Land 07.08.2014Enormer Aufwand: Haller-Haid: Tierversuche sind notwendig 13.02.2014Sind Tübinger Tierversuche unerlässlich? : Grüne fordern eine strengere Prüfung der Affenversuche 11.02.2014Kommentar: Troia und der Streit um Tierversuche 12.02.2014Forschen mit weniger Qual: Wissenschaftler sucht Alternativen zu Tests mit lebenden Tieren 04.02.2014Tierrechte vor Wissenschaft: 200 Tierschützer demonstrierten gegen Affenversuche 06.05.2013

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.12.2014, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Heute meist gelesen
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Mode, Marken, Macher: Wo Ästhetik und Hightech sich treffen
Neueste Artikel
Bildergalerien
Videos
Sie haben Fragen zu unserem neuen Bezahlsystem? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.
Single des Tages
date-click

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular