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Großdemo gegen Primatenversuche

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Großdemo gegen Primatenversuche --

03:47 min

„Lasst die Affen frei“

SoKo Tierschutz mobilisiert 800 Leute zur Demo gegen Tierversuche (mit Video)

Friedlich protestierten am Samstag rund 800 Gegner von Tierversuchen. Sie bildeten eine Menschenkette um das Max-Planck-Institut in Tübingen.

22.12.2014
  • Wolfgang Albers

Tübingen. Für Christian Geiser, einen veganen Becker aus Kufstein, war es keine Frage, sich am Samstag auf die lange Reise nach Tübingen zu machen: „Die SoKo Tierschutz ist eine hervorragende Organisation, da ist es wichtig, dass wir ihre Arbeit unterstützen.“ Sogar aus Polen waren zwei Frauen gekommen: „Wegen Stella, die jetzt tot ist.“

Stella war eine Affendame am Max-Planck-Institut (MPI), das für seine Forschung auch Versuche mit Rhesus-Affen macht. Darüber hatte Stern-TV im September berichtet und dabei Aufnahmen verwendet, die von der Soko Tierschutz gemacht sein sollen, einem Verein, der seitdem eine Kampagne gegen das MPI fährt und am Samstag zu seiner dritten Demonstration aufgerufen hatte.

Anfangs hatten sich gut 300 Menschen vor der Neuen Aula versammelt, viele Junge, aber auch einige Ältere. Was für Friedrich Mülln, den Vorsitzenden der SoKo Tierschutz, ein Beleg ist, dass der Protest mittlerweile in die ganze Gesellschaft reiche. Viele waren weit angereist: aus Hamburg, aber auch eine 30-köpfige Gruppe aus der Schweiz. „Tierversuche gibt es überall“, sagte Mülln, „aber Tübingen ist zu einem Symbol für Versuche mit Affen geworden.“

Der Protest dagegen ist oft emotional. Vom Lautsprecherwagen stimmte ein junger Mann mit sich fast überschlagender Stimme die Menge ein: „Die MPI-Forscher lügen! Sie tun das nur für Geld und ihre Karriere. Haben sie schon irgendjemanden geheilt? Sie quälen nur Tiere um des Tiere-Quälens willen! Wir wollen dafür sorgen, dass dieses Massaker ein Ende findet.“ Mülln schwor dagegen die Demonstranten auf Besonnenheit ein: „Es gibt Leute, die uns nicht mögen, und es gibt auch unter uns Leute mit Wut. Aber wir gewinnen den Kampf gegen die Tierindustrie nur mit friedlichen Mitteln.“

Rund 800 waren es nach Polizeiangaben, die sich zum Zug die Waldhäuser Straße hinauf formierten. Mit einer Fülle von Bannern und Plakaten, die sich nicht nur gegen Tierversuche wendeten, sondern auch die Mitverantwortung der Grünen anprangerten. Ein Kreuz mit einer Affenpuppe wurde mitgeführt, und auch das MPI direkt angegriffen – als „Mord Pein Institut.“ Die Steigung hinderte die Demonstranten nicht daran, permanent Parolen zu rufen: „Eins, zwei, drei, lasst die Affen frei! Vier, fünf, sechs, das MPI muss weg.“ Laut und deutlich, aber friedlich.

Rainer Kaltenmark, der Leiter des Tübinger Ordnungsamtes, sah sich in seiner Einschätzung bestätigt: „Friedrich Mülln hat das im Griff.“ In den letzten Tagen hatte Kaltenmark als Pendeldiplomat mit dem MPI und der SoKo Tierschutz den Ablauf ausgehandelt. Ein Schotterplatz vor dem MPI war als Endpunkt der Demo ausgewiesen worden.

Auf dem Dach des Institutes sah man einige breitschultrige Herren – Security. Das Gelände war mit Absperrband umgeben, dahinter postierten sich nicht mehr die Tübinger Polizisten, die den Demozug begleitet hatten und in ihren gelben Warnwesten eher wie zivile Ordner aussahen, sondern Kollegen von der Göppinger Bereitschaftspolizei. Deren ausgebeulte Uniformjacken machten klar, dass sie auf mehr als verbale Konfrontation vorbereitet waren.

Aber sie konnten zusehen, wie die Menge sich still versammelte: „Wir wollen leise sein“, sagte Mülln. „Tränen in den Gesichtern – das ist es, was diesen Protest ausdrückt.“ Er machte klar, was er erwartet: Das Tübinger Regierungspräsidium solle endlich gegen das MPI vorgehen. „Es handelt sich um rechtsfreie Forschung und Versuche ohne Genehmigung. Wir wollen zeigen, dass der Protest nicht einschlafen wird.“

Für die Ärzte gegen Tierversuche sprach Lucie Braun der Forschung jeglichen Nutzen ab: „Die einzigen Nutznießer sind die Experimentatoren selbst, sie sich mit einer langen Liste von Veröffentlichungen profilieren.“ Für ARIWA (Animal Rights Watch) erinnerte Vorstandsmitglied Heiko Weber an Tierversuche überhaupt: „Im letzten Jahr sind drei Millionen Tiere für die Forschung getötet worden.“ Dann flammten Kerzen auf – die Demonstranten bildeten entlang des Absperrbandes eine Menschenkette. 35 Aktivisten harrten bis zum Morgen bei einer Mahnwache aus.

SoKo Tierschutz

Die SoKo Tierschutz ist ein Verein mit Sitz in Augsburg. Friedrich Mülln hat ihn 2013 gegründet. Er ist seit langem als Undercover-Rechercheur gegen Missstände in der Tierhaltung tätig und hat etliche heimlich aufgenommene Filme bei verschiedensten Sendern untergebracht. So hat sich Friedrich Mülln unter anderem mit dem Geflügel-Konzern Wiesenhof angelegt. Da bleibt Gegenwind nicht aus. So gab es eine Verurteilung wegen heimlicher Bild-Aufnahmen. Und im Netz findet sich auch eine schwer einzuschätzende Kontroverse, in der Friedrich Mülln vorgeworfen wird, sich mit seinen Aktionen zu bereichern – was dieser als Rufmord zurückweist.

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22.12.2014, 09:40 Uhr
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