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"So sehen Sieger aus"
Jörg Meuthen reckt die Faust. Foto: dpa
Die Südwest-AfD feiert ihren Wahlerfolg und holt in Pforzheim und Mannheim Direktmandate

"So sehen Sieger aus"

Zweistellig auf Anhieb in den Landtag: Die AfD im Südwesten feiert ihren Wahlerfolg. Jetzt will sie sich Winfried Kretschmann vorknöpfen.

14.03.2016
  • FABIAN ZIEHE

Er reckt beide Fäuste in die Höhe. "Meuthen, Meuthen", skandiert die Schar in der Stuttgarter Reithalle, im blau-rot-angestrahlten ovalen Saal unter zwei monströsen Kronleuchtern. Gerade flimmert die erste Hochrechnung über die Leinwand der Halle: 12,5 Prozent für die AfD im Land, die SPD nur einen halben Prozentpunkt voraus. "So sehen Sieger aus", stimmt die Runde an. Wie wild springen in der ersten Reihe AfD-Anhänger auf und ab.

Jörg Meuthen, der 54-jährige Spitzenmann der baden-württembergischen AfD, will endlich seinem Frust Luft machen. "Man hat uns in jeder erdenklichen Weise beschimpft", ruft er den Anhängern zu. "Sie sind uns mit der vollen Arroganz der Macht begegnet", klagt der stets moderat auftretende AfD-Spitzenmann. Dann fügt er mit kräftiger Stimme hinzu: "Wir haben dem Druck standgehalten - und wir haben gewonnen. Das Publikum, nachdem einzelne "Lügenpresse"-Parolen die Runde machen, steht und jubelt und klatscht, Minuten lang.

Ein denkwürdiger Abend - man hat ihn erahnen können. Schon zwei Stunden vorher sind massive Polizeikräfte in Stuttgart aufgezogen, haben den Tagungsort des Hotels Maritim abgeriegelt, sogar der Stadtbahn-Betrieb ruht. Im Vorfeld hatte die Partei es schwer, einen Ort für ihre Wahlparty zu finden. Nun hat die Antifa eine Demo angekündigt.

Allein: Von den vielen hundert erwarteten Demonstranten kommen nur 150 nach Schätzung der Polizei, 250 zählen die Veranstalter, das antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart und Region. Sie recken Schilder in die Höhe, gelbe Gefahrsymbole, die vor "Chauvinismus", "Rechter Herze" und "Gauland" warnen. "Stoppt den Rechtsruck, ob Pegida oder AfD", skandieren sie, derweil die Polizei sie halb von der Straße drängt, um die Rettungswege frei zu machen.

Im Saal selber bekommt man vom Protest draußen nichts mit. Während Meuthen zur Spitzenkandidaten-Runde ins Neue Schloss eilt, feiern die Verbliebenen. Taucht der geschlagene SPD-Spitzenmann Nils-Schmid auf der Leinwand auf, kommt Gelächter auf. Protest hingegen regt sich, wenn die eigene Partei als "rechtspopulistisch" tituliert wird. Frenetischer Jubel brandet bei jeder neuen Hochrechnung auf - besonders, als um 20.30 Uhr die 15-Prozent-Marke geknackt ist.

Dann erklimmt einer auf die Bühne: Alexander Gauland, stellvertretender Chef der Bundespartei - im Gegensatz zu seinem baden-württembergischen Kollegen Meuthen kein Mann für moderate Töne. "Die Altparteien werden zum Teufel gejagt", heizt er der klatschenden Anhängerschaft ein. Und der Gast aus Brandenburg setzt noch einen obendrauf: "Sie sind alle abgestraft worden - mit Ausnahme von Winfried Kretschmann - das ist der einzige Wermutstropfen. Aber das bekommen wir auch noch hin."

Die Stimmung, angeregt durch manches Glas Bier, Wein oder Sekt, ist ausgelassen - zumal eine neue Nachricht die Runde macht: Der Wahlkreis Mannheim I des bisherigen SPD-Stimmenkönigs geht an AfD-Mann Rüdiger Klos. Der erste Paukenschlag. Dann folgt der zweite: Bernd Grimmer holt den ehemaligen Wahlkreis von Stefan Mappus (CDU) - ganz knapp vor den Grünen. "Das freut mich natürlich", sagt der Gewinner. Noch einmal brandet Jubel auf, als Meuthen zurückkehrt. In zwei Wahlkreisen - Backnang und Bretten - hat er mehr als 19 Prozent der Stimmen geholt.

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14.03.2016, 08:30 Uhr
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