Kommentar Luftfahrt

Sinnvolle Ausnahme

Von ALEXANDER BÖGELEIN

Zeter und Mordio haben die Marktpuristen geschrien, als die Bundesregierung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin mit einem Kredit ermöglicht hat, den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Von Staatswirtschaft war die Rede, von Kungelei, ordnungspolitischem Sündenfall und manchem mehr.

Ulm. In der Tat ist es nicht die Aufgabe des Staates, Unternehmen zu retten, deren Geschäftsmodelle nicht funktionieren, deren Manager gravierende Fehler begehen und die über Jahre immense Verluste anhäufen. Unternehmen dürfen auch sterben, erst recht in einer Branche wie der Luftfahrt, die sich mit ihren Überkapazitäten einen ruinösen Preiskampf leistet.

Wer jedoch das Chaos betrachtet, das durch die Insolvenz der Airline Monarch entstanden ist, der dürfte nachdenklich werden. Die britische Regierung hat einen Übergangskredit abgelehnt. Damit sind die Fluglinie und ihre Mitarbeiter am Boden. Das mag man als prinzipientreu loben. Doch gleichzeitig leitet die Regierung die größte Rückholaktion in Friedenszeiten in die Wege – mit Kosten in Millionenhöhe.

Die Bundesregierung ermöglicht dagegen Air Berlin mit ihrem Kredit eine geordnete Insolvenz. Das birgt für viele Mitarbeiter die Chance, auch künftig bei einer Fluggesellschaft zu arbeiten und zeigt: Von einem Prinzip abzuweichen, kann durchaus sinnvoll sein.


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04.10.2017 - 06:00 Uhr