Autofinanzierung:

Sind 0% das Nonplusultra?

Von Felix Jung

Sind 0% das Nonplusultra?

Bildrechte: Flickr Euro-Geld auf Scheinen und Banknoten in der Hand, Christoph Scholz CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

0%-Finanzierungsangebote für den Autokauf sind aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase zur Normalität geworden. Was zunächst nach einem Geschenk an den Kunden aussieht, ist auf den zweiten Blick aber nicht immer die optimale Lösung.

0%: Nur die halbe Wahrheit

0%-Finanzierungen sind häufig sogenannte Ballon-Finanzierungen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass beim Vertragsabschluss lediglich eine niedrige oder gar keine Anzahlung nötig ist. Ebenfalls niedrig sind die monatlich fälligen Raten zur Tilgung des Kredits. Allerdings ist am Ende der Vertragslaufzeit die Zahlung einer Schlussrate nötig, die je nach Höhe der Anzahlung und Tilgungsrate recht hoch ausfallen kann – ein Faktor, den es zu bedenken gilt. Zudem warnt die Verbraucherzentrale vor versteckten Zusatzkosten, die auf Kreditnehmer zukommen können.

Einige Hersteller und Autohäuser bieten 0%-Finanzierungen nur für ausgewählte Modelle und Ausstattungsvarianten an – das sind oftmals eher die Ladenhüter als die Traumwagen. Außerdem ist es nicht unüblich, dass die verfügbaren Modelle zu einem überhöhten Preis angeboten werden. Somit wird die vermeintlich günstige Finanzierung zum Bumerang.

Autokredit kann günstiger sein

Selbst wenn eine 0%-Finanzierung für das Wunschfahrzeug zu einem guten Verkaufspreis verfügbar ist, ist sie nicht zwingend die preisgünstigste Variante. Denn nimmt man ein Finanzierungsangebot des Verkäufers in Anspruch, verliert man eine wichtige Verhandlungsgrundlage – der Händler hat keinen Grund dafür, dem Käufer einen Rabatt auf den Verkaufspreis zu gewähren und verweist eventuell darauf, dass die Finanzierungsangebot nur für den Katalogpreis des Wagens gilt.

Wer hingegen als Barzahler auftreten kann, hat deutlich bessere Karten. Man zeigt, dass man nicht auf die Finanzierung über den Händler angewiesen ist und in dem Fall, dass man kein gutes Angebot bekommt, seinen Wagen auch woanders kaufen könnte.

Ist das nötige Kleingeld vorhanden, kann man es derzeit getrost für die Investition in ein neues Automobil einsetzen – Sparen macht aufgrund des aktuellen Zinsniveaus sowieso wenig Freude. Schließlich schlagen die Zinsen für Tagesgelder und sichere Anlageformen wie Bundesschatzbriefe im Moment kaum die Inflationsrate, das wird voraussichtlich noch einige Zeit lang so bleiben.

Auf der anderen Seite sind die Zinsen für Autokredite derzeit besonders niedrig, wie das Vergleichsportal smava verrät. Das bedeutet, dass man mit einem günstigen Autokredit durch geschicktes Aushandeln eines Barzahlerrabatts mehr Geld beim Autokauf sparen kann als mit einer Händlerfinanzierung für 0% – und gleichzeitig keine Einschränkungen hinsichtlich der Modellauswahl in Kauf nehmen muss.


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04.01.2017 - 09:37 Uhr