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103 tote Seidenschwänze

Sie waren auf Nahrungssuche

Gleich zweimal landeten Seidenschwänze dieser Tage im Mössinger Vogelschutzzentrum: Zuerst wurden dort 101 tote Tiere angeliefert, die in Bad Boll gegen eine Glasscheibe geflogen waren. Gestern nun ließ sich ein Schwarm auf den Bäumen hinterm Haus nieder. Der Naturschutzbund (Nabu) gibt Tipps, wie man Glas so präparieren kann, dass für Vögel keine Gefahr mehr besteht.

13.02.2013
  • Gabi Schweizer

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Mössingen. Eine gläserne Fußgängerbrücke hat mehr als 100 Seidenschwänze das Leben gekostet: Ungebremst flog ein Vogelschwarm gegen das Glas, mit dem an der Kurklinik Bad Boll zwei Gebäude miteinander verbunden sind. Hundertundein Vögel (aus einem Schwarm von rund 150 Tieren) brachen sich das Genick, zwei starben im Mössinger Vogelschutzzentrum an ihren Verletzungen. Zwei weitere hatten mehr Glück: In den Volieren erholen sie sich nun – sobald das nächste Mal ein Schwarm Seidenschwänze vorbeikommt, werden sie ausgewildert. Gestern hätte sich fast eine solche Chance geboten: An die 120 der schönen bunten Vögel ließen sich hinterm Nabu-Vogelschutzzentrum in den Bäumen nieder. Schon wollten die Mitarbeiter die kleinen Piepmätze aus den Käfigen holen, da kam ihnen ein Wanderfalke in die Quere: Erschreckt machte der Schwarm sich von dannen.

Tod an der Glasscheibe ist „trauriger Alltag“

Derweil ruhen ihre verstorbenen Artgenossen nicht in Frieden in der Erde, sondern in vakuumierten Plastikbeuteln in der Tiefkühltruhe. Das übliche Prozedere, erklärt Daniel Schmidt, Leiter des Vogelschutzzentrums. Dieses sei bei solchen Unglücksfällen die erste Anlaufstelle im Land – egal, ob die Tiere verletzt oder tot sind. Von Mössingen aus werden sie dann weitervermittelt. An drei Orten gäbe es theoretisch eine Verwendung für die Tiere. Sie könnten beispielsweise für eine Ausstellung präpariert oder für die Forschung verwendet werden. An der Uni Tübingen gibt es eine zoologische Schausammlung, in Stuttgart das Naturkundemuseum und in Radolfzell das Max-Planck-Institut für Ornithologie (Vogelwarte).

Schmidt versetzt sich für einen Moment in die Lage eines Wissenschaftlers: Der Unfall sei geradezu ein „Glücksfall für die pathologische und morphologische Untersuchung“. Denn wann sonst kann man so viele Stichproben machen – etwa zu Größe und Gewicht der Tiere oder deren Mageninhalt? Es werde wohl noch zwei bis drei Wochen dauern, ehe eine Entscheidung gefallen ist, was mit den toten Tieren passiert. Gleichwohl ist Schmidt sehr betroffen über das Unglück. Ein Einzelfall ist es nicht, auch wenn selten ein ganzer Schwarm an einer Glasscheibe zu Tode kommt. „Jahr für Jahr sterben Millionen Vögel an Glasfronten, gläsernen Buswartehäuschen und Fensterscheiben – das ist trauriger Alltag auf der ganzen Welt“, bedauert Schmidt. Und räumt auch gleich mit einem gängigen Irrglauben auf: „Sinnlos sind die altbekannten schwarzen Vogelsilhouetten zum Aufkleben. Die Tiere weichen zwar den Silhouetten aus, krachen dann aber dennoch gegen die Scheibe.“ Wirkungsvoll sind laut Nabu Punkt- oder Linienmuster, die „mindestens ein Viertel der Glasfläche kennzeichnen“. Oder der Architekt plant von Beginn an vogelfreundlich. Beispielsweise gebe es „spezielle Gläser, die wenig reflektieren und für Vögel besser wahrnehmbar sind“.

Streuobstwiesen: ein gefundenes Fressen

Seidenschwänze, etwa so groß wie Staren, leben eigentlich im kalten Norden, fliegen jedoch, wenn sie im Winter nicht mehr genügend Nahrung finden, gen Mitteleuropa. Deswegen sind auch hierzulande im Winter immer wieder Schwärme von ihnen anzutreffen. Sie ernähren sich von Ebereschen-, Schneeball-, Wacholder-, Weißdorn- und Holunderbeeren – aber auch von liegen gebliebenen Äpfeln. „Streuobstwiesen sind auch im Winter wertvoll“, betont Schmidt. So haben auch späte Sorten, die die Gütlesbesitzer gar nicht mehr selbst verwerten, einen Nutzen.

Sie waren auf Nahrungssuche
42 der verunglückten Seidenschwänze: Sie werden an Wissenschaftler oder ein Museum weitervermittelt.

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13.02.2013, 12:00 Uhr
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