Skandalnachrichten in der Filmszene

Sex-Vorwürfe ohne Ende wirbeln Hollywood auf

Von DPA

In der Filmmetropole steht die Trophäen-Saison an – doch täglich neue Skandalnachrichten über Missbrauchsvorwürfe gegen Stars bestimmen die Schlagzeilen.

Sex-Vorwürfe ohne Ende wirbeln Hollywood auf

Die Schauspielerin Olivia Munn sagt, Regisseur Brett Ratner habe Anfang der 90er Jahre vor ihr masturbiert. Ratner bestreitet das. Foto: afp

Los Angeles. Hollywood kommt nicht zur Ruhe. Seit Bekanntwerden der Missbrauchs-Vorwürfe gegen Filmmogul Harvey Weinstein melden sich täglich neue mutmaßliche Opfer, die behaupten, sie seien von Promis aus der Filmbranche sexuell missbraucht worden. In Firmen und Vorständen rollen Köpfe, Film- und TV-Projekte werden gestoppt.

Immer mehr Schauspieler und Regisseure geraten ins Visier der Ermittler. Nach Weinstein, Regisseur James Toback und „House of Cards“-Star Kevin Spacey wird nun auch Oscar-Sieger Dustin Hoffman (80) und „Rush Hour“-Regisseur Brett Ratner sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Als 17-jährige Praktikantin am Set sei sie 1985 von Hoffman wiederholt belästigt worden, schrieb die US-Autorin Anna Graham Hunter im „Hollywood Reporter“. Der Star habe sie um eine Massage gebeten, an den Po gegriffen und mit anzüglichen Bemerkungen bedrängt. „Er war ein Jäger, ich war ein Kind, und das war sexuelle Belästigung“, so Hunter.

In einer Stellungnahme entschuldigte sich der Oscar-Preisträger. Er habe „größten Respekt“ für Frauen. Er fühle sich schrecklich, dass er Graham möglicherweise in eine „unangenehme Situation“ gebracht haben könnte.

Sechs Frauen, darunter die Schauspielerinnen Olivia Munn und Natasha Henstridge, werfen Brett Ratner in Interviews sexuelle Übergriffe vor, die teilweise in die 90er Jahre zurückgehen. Der 48-jährige Blockbuster-Regisseur („X-Men: Der letzte Widerstand“) wies die Vorwürfe über seinen Anwalt Martin Singer „kategorisch“ zurück.

Doch die Branche reagierte sofort: Ratners geplantes Regieprojekt über den kürzlich verstorbenen „Playboy“-Gründer Hugh Hefner wurde kurzerhand auf Eis gelegt. Man sei „tief besorgt“ über die Vorwürfe gegen Ratner, teilte ein Sprecher von Playboy Enterprises dem „Hollywood Reporter“ mit. Die Lage müsse geprüft werden, bevor die Zusammenarbeit fortgesetzt werde, hieß es.

Die Sprecherin des Oscar-Stars Jared Leto stellte sofort klar, dass der Schauspieler nicht mit Ratner zusammenarbeiten werde. Leto war zuvor in den US-Medien als möglicher Hauptdarsteller gehandelt worden.

Ratner selbst teilte laut „Variety“ mit, er habe entschieden, sich aus allen Warner-Brothers-Projekten zurückzuziehen. „Ich möchte keinen negativen Einfluss auf die Studios auslösen, bis diese persönlichen Angelegenheiten gelöst sind.“

Drei Jahre ist es her, dass die Branche durch die Missbrauchsvorwürfe dutzender Frauen gegen Entertainer Bill Cosby (80) aufgerüttelt wurde. Der erste Prozess wegen sexueller Nötigung scheiterte im Juni, weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten. Von April an soll das Verfahren gegen den Komiker neu aufgerollt werden. Die Karriere des über Jahrzehnte hinweg beliebten TV-Stars ist durch die Vorwürfe beendet, Wiederholungen der „Cosby Show“ wurden gestrichen, neue Projekte gekippt.

Diese Woche kam das Aus für die Netflix-Serie „House of Cards“, in der Kevin Spacey den skrupellosen Präsidenten Frank Underwood spielt. Der Oscar-Preisträger war zuvor von Schauspielern wegen sexueller Übergriffe beschuldigt worden, darunter Anthony Rapp (46, „Star Trek: Discovery“). Er beschuldigte ihn, sich 1986 nach einer Party auf sein Bett gelegt zu haben und auf ihn gestiegen zu sein. Der 58-Jährige outete sich wenig später als schwul und will nun therapeutische Hilfe suchen. Netflix zufolge sei das Serien-Ende schon länger geplant gewesen, doch das Timing erweckte den Eindruck, als sei es eine direkte Reaktion auf die Vorwürfe gegen den Hauptdarsteller.

Auch die Oscar-Saison ist vom Weinstein-Skandal direkt betroffen. So hat die krisengeschüttelte Weinstein Company (TWC) den für November geplanten Kinostart des Historien-Dramas „The Current War“ mit Benedict Cumberbatch auf 2018 verschoben. Damit fällt das Oscar-Rennen für den Film ins Wasser.

Nach den vielen Vorwürfen dutzender Frauen gegen Harvey Weinstein – von Belästigung, Machtmissbrauch bis Vergewaltigung – wurde der Produzent von seiner Firma gefeuert und von der Oscar-Akademie ausgeschlossen. Normalerweise würde der Hollywood-Mogul jetzt seine Werbekampagne für die bevorstehende Trophäen-Saison planen, nun ist er in Hollywood die „persona non grata“ schlechthin.

In vier Monaten werden die Oscar-Trophäen vergeben. Der Weinstein-Skandal dürfte die Filmbranche auch dann noch beschäftigen. Er werde das auf der Oscar-Bühne wohl ansprechen, sagte Show-Moderator und Komiker Jimmy Kimmel: „Es ist wirklich nichts zum Lachen.“ Barbara Munker, dpa


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03.11.2017 - 06:00 Uhr