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Das Risiko erkennen lernen

Seit einem Jahr existiert das Alkohol-Präventionsprojekt „Hart am Limit“ (HaLT)

Jugendliche landen immer öfter mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Das Projekt „HaLT“ versucht, ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Trinkgewohnheiten zu vermitteln.

08.05.2010
  • katharina mayer

Reutlingen. Zwar trinken Jugendliche, betrachtet man es mengenmäßig, weniger an alkoholischen Getränken als früher. Dafür werden diese hochprozentiger. Mit der Folge, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen – in Reutlingen allein im vergangenen Jahr 71.

Seit gut einem Jahr interveniert an dieser Stelle nicht mehr nur das Krankenhauspersonal: Landet wieder mal ein Kind im alkoholbedingten Koma, alarmieren die Ärzte die Rufbereitschaft der Drogenberatung. Ein „Brückengespräch“ stellt den ersten Kontakt zum jungen Patienten her. Daraus, erklärt Diplom-Psychologe Hans Koepfle „soll ein weiterer Kontakt mit der Beratungsstelle resultieren“. Weitere Gespräche mit den Jugendlichen und die Teilnahme an einer „Risiko-Check-Gruppe“ sollen die Jugendlichen für den Umgang mit Alkohol und die Folgen sensibilisieren. Wobei es hier laut Koepfle nicht um Abstinenz geht. Neben realistischer Einschätzung der eigenen Trinkmenge geht es auch um Hilfe für andere, denen das nicht gelingt. „Nicht wegsehen, sondern helfen“, sollen die Jugendlichen lernen. Thematisiert und aufgearbeitet werden auch persönliche Problemlagen, die den Alkoholmissbrauch ausgelöst haben können.

Am höchsten ist die Bereitschaft zur Kooperation ohnehin nach dem Schock des Erwachens im Krankenhaus. „Wenn die Jugendlichen bereit sind zu sprechen,“ weiß etwa Verena Sulfrian von der Drogenberatung, dann „wenn es gerade passiert ist – und nicht fünf Tage später“. Am zweiten Gespräch können auch die Eltern teilnehmen, die sind laut Sulfrian „aus allen Schichten vertreten“.

„Der Clou am HaLT-Projekt ist die Balance zwischen Restriktion und Prävention“, wie Kreis-Sozialdezernent Andreas Bauer erklärt, schließlich setzt das Projekt neben der Arbeit mit den Betroffenen auch auf Ansätze auf kommunaler Ebene wie Rahmenvereinbarungen für Vereinsfeste, die den Jugendschutz verbessern sollen, oder enge Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeitern und Polizei. Auch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, speziell von Gastronomen, Verkaufspersonal und Eltern, soll verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol fördern.

Und das ist bitter nötig, bewegen sich die Promillewerte der eingelieferten Jugendlichen doch durchschnittlich zwischen 1,8 und zwei Promille. Derartige Werte sind laut Koepfle aber auch ein Hinweis darauf, dass manche Jugendliche schon als regelmäßige Konsumenten einzustufen sind: „Wer über zwei Promille schafft, trinkt regelmäßig.“

Mittlerweile holen auch die Mädchen auf, gut ein Drittel der Eingelieferten ist weiblich, wie Sabine Sauer berichtet, die in der Reutlinger Kinderklinik unter der Woche „Brückengespräche“ mit jugendlichen Alkoholopfern führt. Sozialpädagoge Jürgen Jünger schließt daraus, dass Mädchen genauso zur Flasche greifen wie Jungs. Letztere allerdings hätten „mehr Training“. Auf jede der Zielgruppen individuell eingehen zu können, ist nach seiner Auffassung „eine Stärke dieses Projekts“.

Das Wichtigste an „HaLT“ ist nach Auffassung von Sulfrian die enge Kooperation aller Beteiligten: Polizei, Landratsamt, Drogenberatung und Krankenkasse arbeiten Hand in Hand. „Das ist eine Verzahnung, die es sonst nicht gibt.“ Auch Sulfrians halbe Stelle wird vom Kreis finanziert, der jährlich 28 000 Euro für „HaLT“ bereitstellt. Beteiligt sind auch die Paul-Lechler-Stiftung und der örtliche Rotary-Club. Die Folgekosten des Risiko-Checks trägt die AOK über Fallpauschalen mit. Im Sommer beginnen die Überlegungen, wie man das bislang auf zwei Jahre befristete Modellprojekt dauerhaft finanzieren könnte.

Was verbirgt sich hinter „HaLT – Hart am Limit“ ?

Das Präventionsprojekt „HaLT“ ist eine Reaktion auf das zunehmende Rauschtrinken von Kindern und Jugendlichen. Das Projekt setzt sich aus einem reaktiven und einem proaktiven Baustein zusammen. Reaktiv gibt es Hilfs- und Gesprächsangebote für Jugendliche mit riskantem Alkoholkonsum und für ihre Eltern. Der proaktive Baustein setzt auf kommunaler Ebene an. Hier soll durch die Schaffung strategischer Präventionsnetzwerke das Rauschtrinken schon im Vorfeld verhindert werden.

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08.05.2010, 12:00 Uhr
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