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Das Stocherkahnrennen

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02:40 min

Die Ehre, Verlierer zu sein

Schwer was los: Das Stocherkahnrennen lockte Tausende in die Stadt

Möglicherweise ist es das einzige Rennen, bei dem der Verlierer wichtiger ist als der Gewinner. „Es ist eine Ehre, das Stocherkahnrennen zu verlieren“, rief Ralf Schulz den Tübinger Borussen entgegen. Sie werden nächstes Jahr das 62. Stocherkahn-Event ausrichten.

27.05.2016
  • Fred Keicher

Tübingen. Der Sieger des Rennens wurde die Ehemaligste Fachschaft Sport: Die vier Frauen und vier Männer hatten noch genug Energie, um im Kahn zu tanzen. Die Verlierer tranken auf Kommando und ex brav ihren halben Liter Lebertran – und spuckten ihn prompt wieder in den Neckar.

Die Getränkekrise brach schon lange vor dem offiziellen Beginn aus. Um 13.15 Uhr musste Nachschub geordert werden. „Wir hatten Getränke für 10 000 Zuschauer bestellt“, sagte Jörn Spöhr, Senior der Sängerschaft Hohentübingen, die nach dem Lebertran-getränkten letzten Platz vergangenes Jahr die Ehre hatte, das diesjährige Stocherkahnrennen auszurichten. Dass der Getränkelieferant sich verkalkuliert hat, glaubte Spöhr nicht, er rechnete eher, dass an die 15 000 Besucher sich auf der Neckarinsel und Eberhardsbrücke drängelten.

Das Sagen hatte wieder Ralf Schulz auf dem Neckarfloß, das vor der Zwingelmauer geankert hatte. Er trug einen Zylinder zur Feier des Tages – der mit einem Kostümwettbewerb begann.

„Great again“ war das Motto des Kahns des Akademischen Skiclubs, der Donald Trump auf die Schippe nehmen wollte. Die Musik spielte dazu allerdings die britische Nationalhymne.

Aber nicht die Stiftler mit ihrer schlichten Pastorenkostümierung, auch nicht die Stuttgardia mit dem „König der Löwen“ oder die Königsgesellschaft Roigel mit „Mad Max“ machten das Rennen beim Kostümwettbewerb, sondern die Fachschaft Geowissenschaften mit ihren Dinos. Sie waren in den letzten zehn Jahren sieben Mal Sieger des Kostümwettbewerbs.

Manchmal bleiben Niederlagen in der Familie. Thomas Raible, Alter Herr der Sängerschaft Hohentübingen, schleppte volle Bierkisten ran und räumte Leergut ab. Sein Sohn Albrecht hatte letztes Jahr den Lebertran getrunken, der Vater 1978 oder 1979. „An Niederlagen erinnert man sich nicht so genau.“ Seinerzeit hatten etwa 25 Kähne teilgenommen, heute sind es 52. „Ich hatte damals den Eindruck, das Ganze schläft ein“, sagte er, „aber wir hatten ja noch kein Stadtmarketing.“ Er freute sich, dass das Rennen „zu einem richtigen Volksfest geworden ist“.

Um 14 Uhr fiel beim Freibadsteg der Startschuss. „Starthilfe brauchen wir nicht“, verkündete Schulz vom Floß. Im Gewoge der Menschenmenge waren seine Durchsagen kaum zu verstehen. Nur die hämische Wiederholung: „Wingolf ist Letzter. Wie schön, dass ihr Letzter seid.“

Wer dann Letzter wurde, das war das Spannendste am Rennen. „Das Kampfgericht tagt! Das heißt, es wird schwierig“, gab Schulz gegen 15 Uhr durch. Es gab eine Disqualifizierung. „Russels Teapot“ hatte sich beim Start quergestellt und die hintere Reihe blockiert. Auch für die Frage, wer das Rennen verloren hat, brauchte es einen Videobeweis: Letzter war dann aber klar das Corps Borussia. Der Verdacht, die Mannschaft hätte mit unlauteren Mitteln verloren, erwies sich als falsch.

Man müsse nämlich kämpfen um den letzten Platz, klärte Spöhr auf, sich einfach hängen lassen gelte nicht. Das Rennen zu organisieren mache Spaß und schmücke den Lebenslauf. Spöhr erwartet, dass 2019 der letzte Platz besonders hart umkämpft sein wird. Da wird entschieden, wer das 65. Rennen ausrichten darf – wenn das Rennen ins Rentenalter kommt.

Der Blick ins "Nadelöhr"

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Stocherkahnrennen 2016

04:34 min

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27.05.2016, 03:30 Uhr
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