Beinahe-Unglück im Maisfeld

Schuss eines Jägers traf Maishäcksler und verfehlte knapp zwei Männer und einen Jungen

Von Andreas Straub

Drei Schüsse fielen auf einem Maisfeld bei Felldorf, wo ein Jäger aus Bierlingen unterwegs war. Die zweite abgefeuerte Kugel durchschlug die Frontscheibe eines Maishäckslers, der auf dem Acker fuhr. Darauf saßen zwei Männer und ein fünfjähriger Junge. Die Kugel verfehlte sie nur knapp. Die Patrone wurde später in der Fahrerkabine gefunden. Gegen den Schützen läuft ein Ermittlungsverfahren.

Schuss eines Jägers traf Maishäcksler und verfehlte knapp zwei Männer und einen Jungen

Das war knapp. Eine Kugel durchschlug die Scheibe eines Maishäckslers, die drei Insassen blieben unverletzt. Bild: Straub

Der Vorfall ereignete sich bereits am 21. September gegen 18.30 Uhr. Der Fahrer des Maishäckslers erlitt einen Schock und ist seither krankgeschrieben. Er ist beim Lohnunternehmen Ernst Hermann in Münsingen angestellt, der für mehrere Landwirte in der Umgebung arbeitet. „Unser Fahrer ist in psychologischer Betreuung“, sagte Hermann.

Der Fahrer habe den Jäger, der keine Warnweste getragen habe, erst nach den Schüssen gesehen. Weder Bauer noch der Lohnunternehmer seien über die Jagd informiert gewesen.

Dass Kinder auf einer Maschine wie dem Maishäcksler dabei sind, sei erlaubt. „Wir haben oft Kinder, die einmal mitfahren wollen“, sagte Hermann. Dafür gebe es einen Beifahrersitz. In diesem Fall sei sogar der Vater, Martin Seifer, mit dabei gewesen. „Es gab einen großen Knall und auf einmal war ein Loch in der Scheibe“, erinnert der sich an den Vorfall. Danach sei noch ein weiterer Schuss gefallen.

Vermutlich ein Querschläger

„Wir haben gebrüllt und gewunken, dass der Schütze aufhören soll“, erzählt er. Sein fünfjähriger Sohn Felix sei anfangs sehr aufgeregt gewesen, habe den Schreck aber mittlerweile gut verkraftet. Unverständlich ist ihm, weshalb der Jäger den Häcksler nicht gesehen hat. „Das möchte ich kein zweites Mal erleben.“ Später habe er einen toten Fuchs im Maisfeld gesehen – der Jäger müsse also mindestens einmal getroffen haben.

Einige wunderten sich, weshalb der Vorfall nicht öffentlich bekannt wurde. Auch die Polizei gab keine entsprechende Meldung heraus. Nach TAGBLATT-Recherchen ist der Schütze ein Jung-Jäger aus Bierlingen, der auch in örtlichen Vereinen engagiert ist. Er ist kein Jagd-Pächter und wollte sich auf Nachfrage mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zu den Ereignissen äußern. Er bestätigte lediglich, dreimal geschossen zu haben. Außerdem besitze er einen Begehungsschein, der ihn zur Jagd dort berechtige.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen äußerte sich zurückhaltend: „Die untere Jagdbehörde prüft gerade, ob er dort zum Jagen berechtigt war.“ Gegen den Jäger laufe ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. „Es besteht allerdings kein Verdacht, dass es sich um einen gezielten Schuss handelte. Wir gehen von einem Querschläger aus“, sagte der Polizeisprecher. Zudem sei der Vorfall auch nicht bewusst verschwiegen worden. Da die Schüsse außerhalb des Dorfes gefallen seien und die Fahrzeuginsassen nicht verletzt wurden, habe man den Unfall nicht veröffentlicht.

Starzachs Bürgermeister Thomas Noé erfuhr nach eigenen Angaben erst durch unsere Nachfrage davon. „Mir war das nicht bekannt“, sagte Noé, der sich jedoch sogleich informierte. Zum laufenden Verfahren wollte er sich nicht äußern. „In einem Dorf ist so etwas gleich ein Politikum. Ich würde mir in solchen Fällen von der Polizei eine Information wünschen“, so Noé.

Durfte der Jäger dort während der laufenden Ernte überhaupt schießen? „Wenn Gefährdungen von Dritten so gut wie möglich vermieden sind, darf gejagt werden“, fasst Bernhard Herrmann von der Kreisjägervereinigung Rottenburg, die auch für Starzach zuständig ist, die allgemeine Regelung der Unfallverhütungsvorschrift Jagd zusammen. Es gelte insbesondere auszuschließen, dass Fußgänger, Radfahrer oder Fahrzeuge getroffen werden können.

„Füchse müssen derzeit stark bejagt werden“, sagt Herrmann. Allerdings sei die „Maisjagd“ immer problematisch. „Der Jäger sollte sich in jedem Fall kenntlich machen und ein Band oder eine Warnweste tragen“, so Herrmann. Zwar könne in manchen Fällen gleich eine ganze Rotte Wildschweine beim dreschen aus dem Feld stürmen, die Sicht sei jedoch immer eingeschränkt. „Ich selbst halte lieber Abstand.“


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13.10.2017 - 22:00 Uhr