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Schrott bleibt wegen niedrigen Pegelstands liegen
Der Plochinger Schrotthafen ist der größte weit und breit. Foto: Ferdinando Iannone
Hafen

Schrott bleibt wegen niedrigen Pegelstands liegen

Bis zu 700 Frachter fahren jährlich im Schnitt Plochingen an. Die anhaltende Trockenheit macht den Wassertransport langsamer und teurer.

22.02.2017
  • BARBARA WOLLNY

Auf Meeresbrausen und Möwengeschrei wartet man am Nordseekai vergeblich. Dafür hört man den Lärm von schwerbeladenen Lastwagen, Baggern und Kränen, die riesige Metall- und Schrotthaufen bearbeiten. Zusammen mit dem Rheinkai bildet der Nordseekai die zwei Kilometer lange Plochinger Hafenanlage. Hier, im Kreis Esslingen, werden Binnenfrachtschiffe be- und entladen, die größtenteils von den Nordseehäfen über den Rhein nach Süddeutschland gekommen sind. „Voll rein, voll raus“ heißt die Devise im Bootsverkehr. Nur so lassen sich günstige Transportkosten für schwere Massengüter wie Sand, Schrott oder Bauschutt erzielen.

Grau wie der Himmel, die Straßen und die Industriebauten ist an diesem kühlen Februartag auch das Wasser, das im Neckarkanal schwappt. Augenfällig ist es nicht, dass der Fluss wenig Wasser führt. Die Wasserlinie endet knapp unter den Randmarkierungen. Als Farbtupfer fallen aber die grünen Bojen auf, die im Hafenbecken auf- und abtanzen und es in zwei Spuren unterteilen. Sie zeigen an, welche Seite des Flusses befahrbar ist. Die andere ist zu flach, die Schiffe würden aufsetzen. „Sobald wir mehr Wasser haben, fangen wir damit an, den flacheren Teil auszubaggern. In diesem Bereich soll noch in diesem Jahr zusätzlich Schiffsumschlag stattfinden“, sagt Hafendirektor Gerhard Straub.

Der kleinste Neckarhafen ist erst seit 1968 in Betrieb, hat sich jedoch rasch zu einem wichtigen Verkehrsknoten im Mittleren Neckarraum entwickelt. Es wird vor allem Schrott geladen, gefolgt von Düngemitteln, Walzdraht, Blechen und Roheisen. Das Recycling von Rohstoffen boomt. Industriegiganten und Recyclingunternehmen wie Salzgitter-Mannesmann und Kaatsch haben moderne Firmengebäude am Wasser gebaut und wollen weiter investieren. „Wir haben eine anhaltende Nachfrage nach hafennahen Flächen“, sagt Straub, „können diese aber nur bedienen, indem wir vorhandene Flächen umstrukturieren.“ Der Hafen ist zwischen der B 10 auf der einen und den Gleisen und steileren Uferhängen der Deizisauer Nothalde und den Schlierbachweingärten auf der anderen Seite eingezwängt.

Die letzten Monate waren für die Schifffahrt nicht ideal. Seit Monaten gab es zu wenige Niederschläge, dann war es kalt und der Neckar samt Schleusen sogar etliche Tage lang zugefroren. „Der Neckarkanal hat durch seinen Ausbau und die vielen Schleusen relativ stabile Pegelstände. Das eigentliche Problem liegt 201 Kilometer weit entfernt. Das Niedrigwasser des Rheins ist das Problem“, sagt Straub.

Aktuell hat der Rhein in den letzten fünf Tagen weiter einen ganzen Meter Pegelstand verloren. Ein Binnenschiff, das 1500 bis 2000 Tonnen Fracht führen kann, kann derzeit nur noch die Hälfte laden, sonst würde das Schiff im Niedrigwasser aufsetzen. „Das macht den Transport doppelt so teuer“, sagt Ralph Wager, Geschäftsführer der Kaatsch GmBH, des größten Betriebs im Plochinger Hafen. Er transportiert pro Jahr rund 500 000 Tonnen Material, rund ein Drittel des gesamten Hafenumschlags. „Wir haben zwar noch Lagerfläche. Aber die Lage ist angespannt. Wir müssen deutlich mehr mit der Bahn transportieren.“

Es braucht 42 Bahnwaggons, um die Transportmenge eines Binnenschiffs aufzunehmen. Damit ist die Bahn deutlich teurer als die Wasserfracht. Für wertvollere Stoffe wie Stahl und andere Metalle kann der Transport über die Schiene eine Alternative sein, nicht aber für voluminöse Bauabfälle oder Altholz aus Demontagen. So lohnt es sich momentan auch nicht, den Aushub von den S 21-Baustellen in Stuttgart, der größtenteils von den Holländern zur Landgewinnung abgenommen wird, auf nur halbvollen Schiffen zu transportieren. „Wir bleiben optimistisch und warten auf Regen und die Schneeschmelze“, so Hafendirektor Straub. „Auch wenn im Januar weniger Schiffe im Hafen waren, sind wir zuversichtlich, dass Ende des Jahres die Bilanz wieder stimmt.“

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22.02.2017, 06:00 Uhr
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