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School of Education: Was es heißt, Lehrer zu sein
Als 1907 das Chemische Institut gebaut wurde, entstand parallel diese schmucke Villa – als Wohnsitz für die Direktoren des Instituts. Seit geraumer Zeit steht das Gebäude an der Wilhelmstraße leer. Im Herbst soll hier die Tübingen School of Education (Tüse) einziehen.Bild: Metz
15 Professuren für Lehrer-Ausbildung

School of Education: Was es heißt, Lehrer zu sein

Die Universität will das Studium für gymnasiales Lehramt reformieren. Dafür wurden in nur einem Jahr 15 Professuren und 23 weitere Stellen geschaffen.

09.01.2017
  • Angelika Bachmann

Es reicht nicht aus, dass ein Mathe-Lehrer ein guter Mathematiker ist. Er muss seinen Schülern das Fach auch gut vermitteln können. Lehramtsstudierende müssen ihre Fähigkeiten als Lehrende aufbauen. Die Fachdidaktik hilft bei der Frage, wie man den Stoff vermittelt. All solche Fragen spielten beim Studium für das gymnasiale Lehramt an der Universität bislang eine eher untergeordnete Rolle.

Mit der Gründung der „School of Education“ an der Universität Tübingen vor einem Jahr sollte sich das ändern. Die Aufbauarbeit gleicht einer gewaltigen Aufholjagd. Denn in anderen Bundesländern ist die Fachdidaktik ein fester Bestandteil der Uni-Landschaft. „In Baden-Württemberg klafft da ein Loch“, sagt Thorsten Bohl, Direktor der „Tübingen School of Education“ (Tüse). Man wolle nicht nur Hochglanzbroschüren erstellen, sondern zeigen, was mit harter und faktischer Arbeit geleistet wurde, sagte Bohl, als er kürzlich, ein Jahr nach der Gründung, in der Alten Aula erste Bilanz zog. Schließlich soll die School of Education eine echte Verbesserung des Studiums bringen. „Die Studierenden müssen merken: Hier geht was.“

4100 der 28500 der an der Tübinger Uni Eingeschriebenen studieren auf Lehramt. 26 Lehramtsfächer werden an der Uni unterrichtet – von Sprachen über NWT (Naturwissenschaft und Technik) bis zu Sport und Islamischer Religionslehre.

15 Professuren und 23 weitere Stellen wurden bereits geschaffen. Besetzt sind unter anderem die Fachdidaktik-Professuren für Geschichtswissenschaft, Chemie und Anglistik. An einem Schulfach wie dem Englischen lässt sich gut aufzeigen, wie sich die Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung, aber auch die Möglichkeiten verändert haben. Früher orientierte sich der Englisch-Unterricht am Oxford-Englisch und allzu oft einem Literatur-Kanon, der neben Shakespeare gerade noch „Lord of the flies“ kannte.

Heute bestimmt die Heterogenität einer globalisierten Welt die Lebenswirklichkeit der Schüler – und sollte deshalb auch Teil des Unterrichts sein. „Es gibt fünf große Weltregionen, in denen Englisch gesprochen wird“, sagt Uwe Küchler, der seit April die Professur für Fachdidaktik Anglistik am Brechtbau innehat. Zudem haben Schüler heute einen ganz anderen Zugang zu englischsprachigen Materialien – auf Youtube und Facebook, in Videospielen oder den neusten US-Serien sehen und hören sie täglich Englischsprachiges.

„Sobald eine Professur besetzt wird, wird eine Dynamik in Gang gesetzt“, weiß Bohl. Ideen und Projekte fließen in das Studium ein. So müssen Studierende sich jetzt viel früher mit Fragen auseinandersetzen, die den Lehrerberuf betreffen: ihre Rolle, ihr Selbstverständnis als Lehrer, Anforderungen, Methoden und möglichen Situationen im Unterricht.

Die Fachdidaktik-Professor/innen sind in die Institute integriert, haben also auch ihre Büroräume etwa am Brechtbau oder auf der Morgenstelle. Die Zentrale der School of Education wird dieses Jahr einen eigenen Wohnsitz bekommen: in der ehemaligen Professorenvilla des Chemischen Instituts an der Wilhelmstraße neben dem Schiebeparkplatz. Der Umzug ist für den Herbst 2017 geplant.

Andere Universitäts-Standorte in Baden-Württemberg reformieren die Lehrerausbildung in Kooperation mit einer Pädagogischen Hochschule. Dass es diese in Tübingen nicht gibt und man sich dafür entschieden hat, die Reform alleine zu stemmen, betrachtet Bohl mittlerweile sogar als „Standortvorteil“. Man könne in Tübingen einen ganz eigenen Weg gehen, ohne Kooperations-Kompromisse.

Eingebunden in die School of Education sind dafür die vielen Bildungsforscher in Tübingen – von der Schulpädagogik über das Institut für Wissensmedien bis hin zum Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung. Innovative Themenfelder wie etwa die Digitalisierung werden in der Forschung und der Lehre aufgegriffen.

Dass die Professur für Wirtschaftsdidaktik als Stiftungsprofessur eingerichtet und von der Holzbrinck-Stiftung finanziert wird, stieß in der Öffentlichkeit nicht nur auf Zustimmung. Der Holzbrinck-Verlag gehört zu den wichtigsten Anbietern von Lehrmedien. „Die Uni kann die 15 Professuren nicht aus der Handkasse bezahlen“, verteidigte Bohl die Entscheidung. Zudem: „Es wird nichts von der Stiftung vorgegeben. Wir definieren die Person und den Inhalt der Professur.“

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09.01.2017, 01:00 Uhr
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