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Tüftler und Macher

Schlafes Schöpfer

Erst im Frühjahr erhielt das Reutlinger Unternehmen Groll Matratzenmanufaktur den German Design Award 2017 für sein Schlafsystem „iflex“. Eine Neuentwicklung für den Bettenmarkt –und nur eine der vielen Erfindungen aus dem Hause Groll. Dahinter stecken zwei ziemlich kreative Köpfe – der geschäftsführende Gesellschafter Hans Ulrich Schwenk und Betriebsleiter Andreas Iwanitza.

23.06.2017
  • TEXT: Birgit Pflock-Rutten | FOTOS: Horst Haas

Hans Ulrich Schwenk wollte eigentlich nach seinem Maschinenbaustudium an der Universität Stuttgart als Entwickler in die Automobilindustrie einsteigen. Nach dem Unfalltod seines Bruders entschied er sich, die Verantwortung für den väterlichen Textilbetrieb in Reutlingen-Sondelfingen zu übernehmen. Seinen Erfindergeist konnte er auch hier ausleben. Die Firma Groll, gegründet 1949 als Textilunternehmen zur Herstellung von Putztextilien, produziert heute hochwertige Schlafsysteme und ist einer der bedeutenden Partner des Bettenfachhandels. Matratzen, Nackenstützkissen, Unterfederungen – vertrieben unter der Hauptmarke Grosana – sind Ergebnisse fundierter Tüfteleien, die ständig perfektioniert werden.

Die schöpferische Begabung lag Hans Ulrich Schwenk schon im Blut. Das dazugehörige Handwerkszeug lernte er bei seinem Studium: akademisches Denken und damit verbunden die strukturierte Umsetzung einer Idee bis zum marktfähigen Produkt.

Geistesblitze fallen nicht einfach vom Himmel. „Die meisten Ideen werden durch die intensive Beobachtung des Marktes geboren, wie auch aus der Erkenntnis heraus, wie schlechte Matratzen, Lattenroste und Kopfkissen den Schläfer quälen“, sagt Schwenk. Schon vor Jahren war das Unternehmen Marktbereiter mit der Idee, nicht nur die Matratze auf den Schläfer abzustimmen, sondern auch die Unterfederung computergestützt dem jeweiligen Körperprofil des Kunden anzupassen. „Das machen wir auch heute noch so, aber um wirklich erneut eine besondere Marktstellung zu bekommen, wurde die Idee geboren, dass ein Schlafsystem sich immer wieder neu selbständig dem Schläfer anpassen muss. Denn welcher Mensch liegt schon die ganze Nacht so auf seiner Matratze, wie er tatsächlich eingeschlafen ist?“

Vom Prototyp zum
Erfolgsprodukt

Den ersten großen Erfolg hatte das Unternehmen bereits 1989 mit seinem individuell einstellbaren Nackenstützkissen „Grosana-Classic“. Es wurde 2002 bei einem Test der Zeitschrift „Ökotest“ als Testsieger mit einem überragenden „Sehr gut“ beurteilt und führte zu der Entscheidung, zukünftig neben der Schaumstoffverarbeitung intensiv als Produzent für den Bettenfachhandel tätig zu werden.

Bis vor rund sieben Jahren kamen die Ideen und Erfindungen fast ausschließlich von Hans Ulrich Schwenk. Mit dem Eintritt von Andreas Iwanitza in das Unternehmen bekam der Geschäftsführer kreative Unterstützung. Der Maschinenbauingenieur ist Betriebsleiter und als Produktentwickler tätig. Dritter im Bunde ist seit drei Jahren ein weiterer Tüftler, „ihn haben wir direkt nach dem Abschluss seiner hier bei uns durchgeführten hervorragenden Technikerarbeit an der Reutlinger Ferdinand-von-Steinbeis-Schule bei uns integrieren dürfen“, so Schwenk. In der gut ausgestatteten Konstruktionsabteilung hat das Entwicklerteam mit modernen Konstruktionscomputern und dem Einsatz eines 3-D-Druckers perfekte Möglichkeiten, Prototypen in der eigenen Werkstatt umzusetzen.

Von insgesamt über 100 Patent-, Gebrauchsmuster-, Design- und Markenanmeldungen unterhält und nutzt die Groll Matratzenmanufaktur aktuell 37 Anmeldungen. Eine stolze Zahl für ein mittelständisches Unternehmen. Und keine einfache Aufgabe, im Gegenteil, dahinter steckt ein wochenlanger Prozess mit bürokratischem Hin und Her in Juristendeutsch. „Die Kunst besteht darin, ein Patent so zu formulieren, dass man die Idee dahinter umfassend schützt“, erklärt Andreas Iwanitza.

„Es kam auch schon vor, dass wir mit unseren Ideen zu früh dran waren“, berichtet Schwenk. Als das Unternehmen mit der Unterfederung „Sensana“ eine Alternative zum Lattenrost vorstellte, jubelten die Fachleute. Aber die Kunden nahmen die Innovation nicht an. Das Produkt wurde zurückgezogen. „Wir waren der Zeit voraus“, so Schwenk. Irgendwann war die Zeit dann reif, und Groll hatte mit seiner Entwicklung die Nase vorn.

Ein Patent erlischt nach 20 Jahren – das erfolgreiche Nackenstützkissen wurde nach Ablauf dieser Zeit auch umgehend das erste Mal nachgebaut. „Es war aber nie so gut wie das Original“, freut sich Schwenk. „Wenn der Wettbewerb etwas nachmacht, haben wir schon längst wieder etwas Neues in petto.“

Made im Ländle

Produziert im Schwabenland: Das wird auch in Zukunft so bleiben. Investitionen und weltweit einzigartige, selbst entwickelte Maschinen sollen wie bisher auch zukünftig die Produktion im schwäbischen Hochlohn-Ländle sichern. Die Firma Groll hat sich zum Ziel gesetzt, mit einem betriebswirtschaftlich gemäßigtem und gesundem Wachstum das Überleben in einem schwierigen Umfeld zu meistern. „Wir werden auch weiterhin tüfteln, erfinden und investieren, um in unserem Bereich an der Spitze der Schlafsystemanbieter stehen zu können“, betont Schwenk. Einer muss allerdings auf die Produkte verzichten, wie eine Groll-Anzeige Anfang des Jahres im Twitter-Stil verkündete: „Hallo Donald, wir produzieren ausschließlich in Deutschland und liefern nicht nach Amerika. LG Groll.“

Hans Ulrich Schwenk Geschäftsführender Gesellschafter

studierte an der Universität Stuttgart Maschinenbau mit den Fachrichtungen Fabrikbetriebslehre und Kraftfahrzeugtechnik. Parallel zur Erstellung seiner Diplomarbeit im Bereich Kraftfahrzeugwesen stieg er in den elterlichen Textilbetrieb ein, welchen er zum Hersteller hochwertiger Schlafsysteme umorganisierte. Er ist seit 1997 geschäftsführender Gesellschafter der Groll GmbH & Co. KG. Ebenfalls im Unternehmen tätig sind
Ehefrau Ursula Schwenk und Tochter Nicola Schwenk.

Andreas Iwanitza

Betriebsleiter

studierte an der Universität Stuttgart Maschinenbau mit den Fachrichtungen Werkzeugmaschinen und Technisches Design. Schon während des Studiums übernahm er Entwicklungs- und Konstruktionsarbeiten bei der Firma Groll. Mit einer Diplomarbeit innerhalb des Unternehmens schloss er 2010 sein
Studium ab und ist seither
als Betriebsleiter und Produktentwickler eingestellt.

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23.06.2017, 08:30 Uhr
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