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Schachmatt ohne Strom
Was tun, wenn's vielerorts gleichzeitig brenzlig wird: Bei einer Katastrophenschutzübung simulierte man einen Brand Schönbuch, das Bergen von Verletzten und weitere Unglücke. Ein Ergebnis: Bei der Koordination der Einsatzkräfte hakt es mancherorts noch deutlich. Foto: dpa
Katastrophenschutz

Schachmatt ohne Strom

2300 Einsatzkräfte simulieren Notsituationen in Extremwetterlagen. Fazit: Ein flächendeckender Stromausfall wäre fatal.

16.10.2017
  • MADELEINE WEGNER

Tübingen. Durch den dichten Rauch ist kaum etwas zu erkennen. Doch das Dröhnen eines Hubschraubers, der über den Baumwipfeln kreist, scheint näher zu kommen. Seit Tagen herrscht große Hitze, das Wasser ist knapp, im Schönbuch brennt es, der Strom fällt an vielen Orten aus. Das ist das Szenario, das die Katastrophenschutz-Großübung „Heißer Süden“ der beiden Regierungspräsidien Stuttgart und Tübingen am Samstag im Schönbuch simulierte. Dabei sollten möglichst viele Unglücks-Fälle zusammenkommen. So gab es bei einer Gasexplosion sehr viele Verletzte auf einmal, im Wald brannte es an schwer zugänglichen Stellen, bei einer Überschwemmung kenterten mehrere Menschen, ein Bus verunglückte auf der Autobahn.

Die verschiedenen Rettungsorganisationen, Freiwillige und Profis, sollten üben, gut miteinander zusammenzuarbeiten. Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, DRK, THW, DLRG, Bergwacht und andere waren im Einsatz, insgesamt 2300 Rettungskräfte. Die Großübung erstreckte sich über die Landkreise Böblingen, Esslingen, Reutlingen und Tübingen. „Katastrophen, Brände oder Stromausfälle machen nicht an Kreisgrenzen halt“, sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU), der einen der Übungseinsätze besuchte.

Eingehüllt vom Rauch arbeiten die Feuerwehrleute an einem Graben. Er soll verhindern, dass sich das Feuer weiter ausbreitet. Zum gleichen Zweck legen sie kontrolliert ein Gegenfeuer. „Das Problem im Wald ist: Das Wasser ist knapp“, erklärte Kreisbrandmeister Marco Buess. „Ich bin sehr dankbar, dass solche Übungen im Wald stattfinden. 40 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Szenarien, wie sie derzeit in Kalifornien zu beobachten sind, können mit dem Klimawandel auch bei uns Realität werden“, sagte Martin Strittmatter, Leiter der Forstdirektion im Tübinger Regierungspräsidium.

„Das große Thema ist die Kommunikation. Hier müssen wir weiter üben“, fasste der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer am Ende der Großübung zusammen. In Esslingen etwa sei die Lufteinheit nicht erreichbar gewesen, sodass Löschwasser aus der Luft auf ein Einsatzfahrzeug gekippt wurde. Andernorts seien Alarmmeldungen nicht rechtzeitig angekommen. „Wir wissen momentan noch nicht, wo sie stecken geblieben sind“, erklärte Reimer.

Ein weiterer Schwachpunkt zeigte sich an ganz anderer Stelle. „Am verwundbarsten sind wir im Ernstfall eines flächendeckenden Stromausfalls“, sagte Utz Remlinger, Regierungsvizepräsident Tübingen. „Unsere bisherigen Möglichkeiten mit Notstromaggregaten sind unzureichend. Wir wären in vielen Bereichen schachmatt gesetzt. Angefangen bei der Kommunikation über die Funktionsfähigkeit vieler technischer Einrichtungen bis hin zur Mobilität, wenn Hilfskräfte beispielsweise ihre Fahrzeuge wegen Stromausfall nicht mehr betanken könnten.“

Ansonsten habe die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfskräfte gut funktioniert. „Die Übungslagen waren sehr komplex und oft auch körperlich herausfordernd. Trotzdem wurden sie von den Hilfskräften hervorragend bewältigt“, sagte der Katastrophenschutzbeauftragte des Innenministeriums Hermann Schröder. Die Investitionen in die Ausbildung der Hilfskräfte habe sich ausgezahlt, stellte er fest. „Zudem haben etliche reale Einsätze in der jüngeren Vergangenheit dazu geführt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Hilfsorganisationen bereits routiniert funktioniert.“

Eine Alternative zu solchen Katastrophenübungen gebe es nicht, sagte Christian Walkling, Oberst der Bundeswehr und Kommandeur des Landeskommandos. „Es ist unverzichtbar, im Ernstfall zu wissen, wer was macht und mit welchen Personen man es zu tun hat.“ Die detaillierte Auswertung muss nun zeigen, wo weitere Schwachstellen sind und wo auch technisch nachgerüstet werden muss.

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16.10.2017, 06:00 Uhr
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