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„Geeignet, Hass zu schüren“

SPD fordert Jochen Kopp nach einem Artikel auf Kopp Online zu eindeutiger Stellungnahme auf

Die Rottenburger SPD hat Jochen Kopp, den Chef des Rottenburger Kopp Verlags, zur Stellungnahme zu einem Artikel von Gerhard Wisnewski auf Kopp Online aufgefordert. „Invasion: Flüchtlingswelle ist der Verteidigungsfall“ hatte der Autor am 25. August getitelt.

03.09.2015
  • Hete Henning

Rottenburg. Bei der gegenwärtigen Flüchtlingswelle handle es sich „um eine militärische Operation gegen Deutschland und Europa mithilfe der Migrationswaffe“, schreibt Wisnewski in dem Artikel. Für 2015 hätten Politiker die Ankunft von 800 000 Migranten in Deutschland vorhergesagt, „also einer großen Armee meistens junger und lediger Männer“.

Die Mehrzahl der Flüchtlinge sei durch Revolutionen und Kriegshandlungen in Nordafrika „freigesetzt beziehungsweise erzeugt“ worden, um sie dann „nach Europa zu schicken, speziell zu dessen wirtschaftlich starkem und verhassten Kern Deutschland“. Deutschland habe bereits „die Kontrolle über seine Grenzen und sein Staatsgebiet verloren und lasse Flüchtlinge unkontrolliert einreisen. Damit, so Wisnewski, sei „die Kapitulation vor der Migrationswaffe bereits erfolgt“.

Diese Ausführungen, schrieb nun der Rottenburger SPD-Ortsverein in einem Offenen Brief an Jochen Kopp, zeigten nicht nur Respektlosigkeit und „kaum verhohlene Verachtung“ den Flüchtlingen gegenüber, sie suggerierten auch, dass „wir Deutsche uns schnellstens zur Wehr setzen, uns, unser Land, unser Vermögen und Europa verteidigen müssen“. Der Autor belege keine seiner Behauptungen durch nachvollziehbare Argumente, seine Ausführungen seien nichts als Stimmungsmache.

Solche Beiträge zu schreiben, zu dulden und zu publizieren, möge „noch in weitestem Sinne auf der Grundlage der Meinungs- und Pressefreiheit toleriert werden“, heißt es in dem Schreiben der SPD weiter. „Sie erfüllen uns dennoch mit Abscheu und sind unseres Erachtens geeignet, Hass gegen die Flüchtlinge zu schüren, unsere Gesellschaft zu spalten und – allein schon durch die Sprache suggeriert – Gewalt nahe zu legen oder zu rechtfertigen. Brennen nicht schon genug Asylwohnheime?“

Der Hinweis, dass Wisnewskis Beitrag ausschließlich die Meinung des Verfassers darstelle und nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags widergebe, entlaste Kopp vielleicht juristisch. Moralisch aber stehe Kopp in der Verantwortung. „Nicht der Autor hat diesen Beitrag auf Kopp Online veröffentlicht“, schreibt die SPD an Verlagschef Jochen Kopp, „das waren Sie.“ Die Rottenburger SPD fordere ihn daher auf, sich klar und eindeutig zu positionieren. „Wir wollen wissen, ob Sie sich hinter diesen Beitrag des Autors stellen oder ob Sie sich davon in aller Form und als Folge mit aller Konsequenz distanzieren.“

Jochen Kopp war gestern für das SCHWÄBISCHE TAGBLATT telefonisch nicht erreichbar. Er ließ jedoch per Mail wissen, dass der Kopp Verlag und „explizit Gerhard Wisnewski“ am heutigen Donnerstag zu dem Offenen Brief Stellung nehmen werde.

Der SPD-Ortsverein ließ gestern Abschriften seines Offenen Briefs an Jochen Kopp auch den Fraktionen im Rottenburger Gemeinderat sowie Oberbürgermeister Stephan Neher und der Presse zukommen. Neher teilte dem Verteilerkreis per E-Mail mit, dass er die Auffassung und Meinung der SPD teile. Die auf Kopp Online veröffentlichten Artikel seien „haarsträubend und fern jeglicher Realität“. Der Beitrag von Gerhard Wisnewski vom 25. August und die darin gewählte Wortwahl seien „erschreckend und verbreiten Behauptungen, die ohne fundierte Recherche in den Raum gestellt werden.“ Er untertütze die Forderung der Rottenburger SPD, „dass sich Herr Kopp von dem in Ihrem Schreiben benannten Bericht bitte ausdrücklich distanziert“, heißt es in der Mail des Oberbürgermeisters.
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