Wielandshöhe

Rund um die Uhr bewacht

Von Philipp Koebnik

Die ehemaligen Besetzer wollen den Kampf um das Haus in der Stauffenbergstraße nicht aufgeben.

So hatten die Aktivistinnen und Aktivisten, die im Oktober die „Wielandshöhe“ besetzt hatten, sich das nicht vorgestellt: Für 2,8 Millionen Euro will die Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal das Haus in der Stauffenbergstraße 10 verkaufen. Dagegen wollen die Aktivisten weiter protestieren, wie sie bei der Pressekonferenz im Vier-Häuser-Projekt ankündigten.

Zum Pressegespräch hatte die „Initiative Freelandshöhe“ aus dem Umfeld der ehemaligen Besetzer auch die Schwesternschaft eingeladen, was diese aber abgelehnt hat. Für die Initiative sprach unter anderem Holger Herzog, der betonte, dass „wir um das Haus kämpfen werden“. Für das „Haus Kaleidoskop“, eine Tübinger Initiative des bundesweiten Mietshäuser-Syndikats, ergriff Michael Wiedmann das Wort. Die Gruppe, die aus einem harten Kern von acht bis zehn Leuten besteht, würde in der „Wielandshöhe“ gerne ein Wohnprojekt mit Kita ins Leben rufen. Auch an Wohnungen für Familien und Geflüchtete sei gedacht. Die Mieten sollten dauerhaft unter dem Mietspiegel liegen. Die Gruppe baut darauf, dass der Kaufpreis noch sinkt.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die „Wielandshöhe“ mit ihren zahlreichen Jugendstil-Elementen doch nicht unter Denkmalschutz steht. „Ein Investor könnte dort vermutlich alles rausreißen“, befürchtet Marc Amann von der „Initiative Freelandshöhe“.

Bei den Verhandlungen mit den Vertretern der Schwesternschaft habe man sich seinerzeit darauf geeinigt, so Amann, dass es erstens einen Festpreis statt eines Bieterverfahrens geben soll und zweitens, dass das Haus nach sozialen Kriterien vergeben wird. Ein Festpreis steht nun im Raum, wenngleich er nach Auffassung der Aktivisten zu hoch ist. Die Schwesternschaft argumentiert, sie dürfe als gemeinnütziger Verein ihr Eigentum nicht unter Wert veräußern.

Den Marktwert von 2,8 Millionen hat laut Oberin Heidrun Kopp ein Gutachter der Evangelischen Bank ermittelt. Ein zweites Gutachten habe dies bestätigt. Wer es erstellt hat, wollte Kopp dem TAGBLATT nicht sagen. Sie bestätigte allerdings, dass seit einigen Tagen ein Sicherheitsdienst den Zankapfel auf dem Österberg rund um die Uhr bewacht. Unbekannte hätten versucht, in das leerstehende Haus einzudringen.


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07.12.2016 - 01:00 Uhr