Tödlicher Sturz in der Biesingerstraße

Rettungskräfte hatten keine Chance mehr zu helfen

Von ik

Feuer und Schüsse in der Biesingerstraße: eine Chronologie der Ereignisse vom Montagmorgen.

Rettungskräfte hatten keine Chance mehr zu helfen

Bild: Sommer

Nach dem Großeinsatz in der Biesingerstraße am Montag geht die Polizei weiter davon aus, dass sich der Bewohner nicht das Leben nehmen wollte, sondern vom Balkon gestürzt ist. „Wir werten das als Unglücksfall“, sagt Polizeisprecher Christian Wörner. Dafür spricht auch die Schilderung der Feuerwehrleute, die bereits um 8.57 Uhr vor Ort waren, zwei Minuten früher als die erste Polizeistreife (8.59 Uhr). Der 69-Jährige stand zu diesem Zeitpunkt auf dem Balkon des brennenden Hauses. Hinter ihm quoll dichter Rauch aus Türen und Gebälk.

Eigentlich muss die Feuerwehr bei Schusswaffengebrauch das Feld der Polizei überlassen. Erst kurz zuvor hatte der Mann noch zwei Schüsse abgegeben und einen Ordnungsamts-Mitarbeiter nur knapp verfehlt. Weil sie die Gefahr des um sich greifenden Feuers erkannten, stellten die Feuerwehrleute aber Angst und Anordnung hintan. Sie näherten sich trotzdem dem 69-Jährigen im Schutze einer Mauer und sprachen ihn an.

Doch das Feuer war schneller: Die Fensterscheiben barsten, Flammen und Hitze schlugen auf den Balkon. Der 69-Jährige wurde womöglich von der immensen Kraft des Feuers überrascht. Er warf die Pistole vom Balkon, kletterte über die Brüstung und stürzte ab, wohl weil er sich nicht halten konnte. Die Einsatzkräfte hatten keine Chance mehr zu helfen. Auch die inzwischen eingetroffenen Polizisten nicht. Der Mann hatte sich bei dem Sturz so schwer verletzt, dass er trotz Wiederbelebungsversuchen noch am Unglücksort starb. Um 9.04 Uhr setzten die Einsatzkräfte die Meldung ab, dass der Mann vom Balkon gestürzt sei. „Wer weiß“, sagt Gesamtfeuerwehrkommandant Michael Oser, „wäre der Schusswaffengebrauch nicht gewesen, hätte es vielleicht noch zur Rettung gereicht“.

Weil sich das Feuer so rasant ausbreitete, geht Oser davon aus, dass der 69-Jährige den Brand vorsätzlich gelegt hat. Vermutlich habe er dabei Brandbeschleuniger verwendet. Bestätigen können Feuerwehr und Polizei dies offiziell noch nicht, denn die Brandruine ist hochgradig einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden. Da das Haus aber innerhalb von zehn Minuten in Vollbrand stand, scheint das Szenario wahrscheinlich. Auch die Schadenshöhe ist laut Polizei noch nicht bekannt. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass das Haus abgerissen werden muss.

Woher der Mann die Waffe hatte, dazu machen Polizei und Staatsanwaltschaft keine Angaben. Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich um eine Pistole, mit der der Mann zwei Schüsse abgab: einen in die Luft, den anderen auf den Ordnungsdienstmitarbeiter. Auf die Feuerwehrleute wurde nicht geschossen. Das hatte „bild.de“ behauptet, ebenso war dort davon die Rede, die Polizei würde nach Sprengstoff im Haus suchen. Auch dies bestätigte die Polizei nicht.


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21.03.2017 - 19:25 Uhr