Kommentar zur Situation des Trollingers

Retro und regional

Von Hans Georg Frank

Keine Sorge, liebe Freunde des süffigen Rotweins, der Trollinger wird nicht aus den Weinbergen verschwinden. Mindestens nicht in überschaubarer Zeit. Regelmäßig läuten seit einer halben Ewigkeit „Experten“ das Totenglöckle für eines der profitabelsten und beliebtesten Erzeugnisse des Weinbaus in Württemberg. Mit einer Statistik lässt sich zwar auch belegen, dass Riesling und Spätburgunder an Fläche verlieren. Aber diese Zahlen taugen nicht für Schlagzeilen.

Der „schwäbische Nationalwein“ behauptet sich auf einem schwierigen Markt. Denn kluge Wengerter haben die Qualität den gestiegenen Ansprüchen ihrer Kunden angepasst.

Der Trollinger ist als leichter Zechwein nicht schlecht, er wird nur schlecht gemacht von Fachleuten, die nicht auf den Vergleich mit internationalen Renommiersorten verzichten wollen. Der bezahlbare Trollinger soll aber gar nicht konkurrieren mit teuren Burgundern und schicken Italienern.

Was an den Hängen des Neckartals gedeiht, wird bedauerlicherweise suboptimal vermarktet. Trollinger muss gekühlt getrunken werden, dann kommt er nicht wie eine warme Brühe daher. Hier müssten die PR-Strategen stärker ansetzen. Denn Trollinger ist so retro und regional, dass er auch jungen Konsumenten mundet. Und dazu schmeckt ein gutes Stück Fleisch. Wurstsalat tut's auch.


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06.10.2017 - 06:00 Uhr