Goldener Oktober

Regionale Produkte in vielfältiger Form

Von Dunja Bernhard

Ein vielfältiges kulinarisches Angebot auf dem Marktplatz, verkaufsoffene Geschäfte und ein Regionalmarkt vor der Zehntscheuer lockten gestern etliche tausend Menschen in die Rottenburger Innenstadt.

Regionale Produkte in vielfältiger Form

Auf dem Rottenburger Marktplatz gab es kulinarische Spezialitäten aus Rottenburger Stadtteilen. Bilder: Bernhard

Nicht nur die Verantwortlichen von Wirtschaft, Gastronomie, Tourismus (WTG), Handels- und Gewerbeverein (HGV) und dem Verein Hiesig dürften mit bangem Herzen die Wettervorhersagen der vorigen Woche verfolgt haben. Diese drei Organisationen planen den Goldenen Oktober in Rottenburg. Drohte doch der alljährliche Herbstmarkt mit Hockete und geöffneten Geschäften dieses Jahr zu einem Grauen Oktober zu werden.

Doch es kam anders: Nach einer verregneten Nacht verhieß der wolkenlose Morgenhimmel sonniges Wetter. Beste Voraussetzung für volle Gassen. Auf dem Marktplatz war am meisten los. Über Mittag kamen Besucher dort nur mühsam voran. Die Essensstände waren gut frequentiert, ohne dass sich jedoch lange Schlangen bildeten. Bierbänke und Stühle auf dem Marktplatz waren voll besetzt. Dazwischen standen all jene, die keinen Sitzplatz gefunden hatten. Zu den Besuchern aus Rottenburg und Umgebung kamen in diesem Jahr noch rund 1000 Sängerinnen und Sänger sowie deren Begleiter, die an dem Mädchen- und Jugendchorfestival „Pueri cantores“ an diesem Wochenende teilnahmen.

Auf dem Regionalmarkt boten Bernd und Annette Siemens aus Kornwestheim ihre Waren an. Sie waren schon beim SWR-Pfännle im September dabei. „Da kauften die Leute viel mehr“, erzählten sie. Familie Siemens verarbeitet den Ertrag von Streuobstwiesen zu Schnäpsen, Likören, Essig, Chutneys und Senf. „Wir machen immer irgendwas aus dem Obst“, erzählte Annette Siemens. Wäre doch schade,wenn es verkommen würde. Der Empfinger Imker Sergej Dobler wurde auch über das Pfännle auf Rottenburg aufmerksam. Neben Wald-, Sonnenblumen- und Kastanienhonig bot er gestern Blütenhonig mit schwarzem Kümmel an. Das Rezept habe ihm ein Südländer empfohlen, erzählte er. Mittlerweile hat Dobler Stammkunden, die speziell nach diesem Honig fragen.

Thomas Berger ist schon fast eine Institution auf Rottenburger Märkten. Der Hörschweiler hat Seifen, Apfelwässerle, Apfelessig und verschiedene Öle im Angebot. Bei Kundeninteresse gibt er gleich noch eine kleine Ernährungsberatung. Auf seinen Streuobstwiesen konnte er in diesem Jahr nur einen Bruchteil des Vorjahresertrags ernten. Ein später Frost nach warmen Frühlingsbeginn ließ die Fruchtansätze erfrieren. „Ich kann noch von den Vorräten des Vorjahres zehren“, sagte er. Eleni Egeler vom Egeler-Hof in Tailfingen hatte 20 verschiedene Kartoffelsorten dabei. Es gebe nicht mehr die eine Sorte, die der Renner sei, sagte sie. Für Pommes, Klöße, Salat oder für eine lange Lagerung werden heute Sorten mit speziellen Eigenschaften gezüchtet. Wie früher stehen Frauennamen hoch im Kurs bei Kartoffelsorten: Sie heißen Laura, Ramona oder Red Emmalie.

Vor der Zehnscheuer präsentierten sich Organisationen, die sich für Umwelt- und Naturschutz einsetzen. Der Verein Hiesig verkaufte Produkte regionaler Erzeuger. Aus Bondorf kam Gemüse. Der Vertrieb der angebotenen Waldmeister- und Zitronengraslimonade läuft über Hirschau. Leindotteröl und Linsen kamen von der schwäbischen Alb. Der Leindotter dient den Linsen auf dem Feld als Stützpflanze, erklärte Vereinsvorsitzender Harold Becker. Aus den Samen kann Öl gewonnen werden. So können auf einem Feld gleich zwei Lebensmittel produziert werden. Der Verein Vielfalt informierte über Rebhühner und welche Pflanz-Projekte zu ihrem Erhalt beitragen. Ein Glücksrad lockte Kinder und Erwachsene an den Stand.

Am Stand der Stadt konnten Kinder aus alten Feuerwehrschläuchen Armbänder und Schlüsselanhänger basteln. „Idee und Schläuche stammen von der Rottenburger Wehr“, verriet Rottenburgs Umweltbeauftragte Hannah Wagner. Jedes Jahr bietet sie am Stand eine Aktion unter dem Motto „aus Alt mach‘ Neu an.“

Nicht nur die Gassen waren voller Menschen, auch die Geschäfte waren gut besucht. „An solchen Tagen ist die Hemmschwelle niedriger, in kleine Einzelhandelsgeschäfte zu gehen“, sagte Manuela Pettenkofer, Inhaberin des Damenbekleidungsgeschäfts „Von Bora“. Bei gutem Wetter kämen viele Leute von außerhalb. Eine gute Gelegenheit, den Kundenstamm zu vergrößern.

Anna Kern hatte ihren Concept Store erst am Samstag eröffnet. „Das ist ein toller Einstieg in Rottenburg“, sagte die Rangendingerin. Die Leute seien neugierig.


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02.10.2017 - 01:00 Uhr