Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Gabriela Nasfeter: Die Schneiderin von Ulm

„Raumkünstlerin“ in der Sudhaus-Peripherie

Tübingen. Solange ihre Installationen irgendwo draußen im öffentlichen Raum hängen, schläft sie schlecht. Es könnte ja etwas passieren, etwas Unvorhergesehenes. Sie könnten beschädigt werden von Vandalen oder einem Sturm.

14.12.2012

Weitere Themen

Sich dann möglicherweise lösen und irgendjemand verletzen. Dabei macht sie keine Plastiken aus Stahl, Beton oder Holz. Nein, leichte Gebilde sind es an und für sich, aus Tuch und Faden, vielleicht noch etwas Gestänge. Aber die Dimensionen machen sie dann doch wieder schwer: Gabriela Nasfeter hat schon das Ulmer Münster in Originalgröße nachgenäht und dann quer über eine Straße in Ulm gelegt. Das ist kein Witz.

Mit ihren Lichtpyramiden in Kirchen wiederum ist sie in ganz Europa präsent. In New York, in der Erlöserkirche in Jerusalem, in Istanbul, in Berliner Dom – überall hat sie zeitweise ihre lichten Tuchplastiken installiert, die die architektonischen Verhältnisse des Raums aufnehmen, ihm überdies etwas Erhabenes, Großes, so Schlichtes wie Sakrales verleihen – und sich nicht in den Vordergrund drängen. Vielmehr treten die Eigenheiten des Raums so erst recht in Vorschein, das weiße Tuch feiert seine Umgebung. Es gab Menschen, die beim Anblick so einer Lichtpyramide weinten, erzählt die Künstlerin. Natürlich: Andere schrieben wütende Zeilen in ausliegende Gästebücher. So was gehöre nicht in die Kirche.

Eine genähte Brücke über die Donau

Die Galerie Sudhaus-Peripherie ist für Nasfeter ein Mini-Raum, aber die Maße, vor allem die Höhe und die alte Architektur mit der Empore – als sie den Raum zu ersten Mal sah, atmete sie anders ein, sagt sie. Und man glaubt es sofort. Für Gabriela Nasfeter müsste man die Bezeichnung Raumkünstlerin erfinden, was wohlgemerkt etwas anderes ist als eine Raumpflegerin. Sie spürt Räume. Für die Peripherie hat sie ganz ohne Tuch ein Gitter angefertigt, das die Struktur der Fenster aufnimmt, von jedem Platz in der Galerie anders aussieht, auch mit dem Motiv der Treppe spielt – das wiederum auch von der ein oder anderen Malerei aufgenommen wird.

Am Dienstag nun waren in der Peripherie Filme zu sehen, die sie bei der Arbeit zeigen: Die Errichtung einer Lichtpyramide im Berliner Dom. Oder die Arbeit und Installierung einer genähten Brücke über die Donau zwischen Ulm und Neu-Ulm.

Nasfeter war schon ein paar Mal dabei, den finanziellen Ruin zu riskieren, denn ihre Projekte werden keineswegs alle bezuschusst. Zum Tuch kam sie durchs Studium, textile Objekte, Architektur und Malerei in Danzig. 1980 siedelte die 1950 im polnischen Gdynia geborene Künstlerin nach Deutschland über, nach Ulm. Obwohl sie als Kind und Jugendliche eine Klosterschule besuchte und sich danach schwor, nie mehr in die Kirche und dafür „in die Kunst“ zu gehen, hat sie diese, die Kunst, wieder in die Kirche gebracht. Das habe nichts Spirituelles, wehrt sie ab. Aber wenn sie beschreibt, was sie macht, von der Stille des Raums und der Ergriffenheit der Menschen spricht, straft sie sich selbst Lügen.Peter Ertle

Info: Gabriela Nasfeters Ausstellung „Raum x Raum“ ist noch bis zum 21. Dezember von Donnerstag bis Sonntag in den Abendstunden ab 17.30 Uhr in der Galerie Peripherie im Sudhaus zu sehen, Hechinger Straße 203.

„Raumkünstlerin“ in der Sudhaus-Peripherie
Diesmal ganz ohne Tuch: Gabriela Nasfeter vor ihrer Installation in der Sudhaus-Peripherie. Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

14.12.2012, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Warum in die Ferne schweifen ... Wirtschaftsfaktor Tourismus Baden-Württemberg
Neueste Artikel
Pausengespräch: Der gelernte Fleischereifachverkäufer Sebastian Wachter spannt am liebsten am Georgsbrunnen aus Er mag es, wenn es anderen schmeckt
Bildergalerien
Sie haben Fragen zu unserem neuen Bezahlsystem? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.
Videos
Single des Tages
date-click

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular